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Das Buch ist ziemlich alt. Ziemlich genau 10 Jahre. Und es wurde geschrieben, kurz bevor die New Economy-Börsenblase gerade platzte. Damals jubelten alle Aktien in den Himmel. Der Autor, Bernstein, ging hingegen davon aus, dass die nächsten 19 bis 33 Jahre (vom Jahr 2000 an gerechnet), die Aktienperformance deutlich unterdurchschnittlich sein würde. Die ersten 10 Jahre seiner Prognose treffen schon mal zu. Eigentlich ein Grund zuzuhören.

Aber dann verheddert er sich. Einerseits sagt er, man könne weder Auswahl noch Timing richtig bestimmen und kein Fondsmanager würde den Index auf Dauer schlagen. Deshalb solle man Indexprodukte kaufen, die eine möglichst geringe Korrelation aufweisen und diese regelmäßig adjustieren. Diese Adjustierung führt zu einem automatischen azyklischen Kauf- und Verkaufsverhalten. Beispiel: Ich habe für 1000 Euro Anleihen und für 1000 Euro Aktien. Die Aktien steigen um 100%, sind also nach einem Jahr 2000 Euro wert. Dann müsse ich adjustieren und wieder dasselbe Verhältnis herstellen, also für 500 Euro Aktien verkaufen und diesen Betrag in Anleihen anlegen. Selbes gilt auch umgekehrt: Die Aktien fallen um 50%, dann wären sie nur noch 500 Euro wert. Ich müsste also für 250 Euro Anleihen verkaufen und diese 250 Euro in Aktien investieren. Klingt gut und ist mathematisch überzeugend. Vor allem ist es ein System, das einem hilft, die eigene Psyhologie, die eher ein zyklisches Verhalten favorisiert, in den Griff zu bekommen.

Aber dann kommt er zum Value Investing von Graham. Das ist auch überzeugend. Zumindest wenn man sich die Spielart von Warren Buffet und seine Ergebnisse anschaut. Nur gehts beim Value Investing gerade um Auswahl und Timing. Und das beißt sich dann doch... Zudem ist gerade der erste Teil des Buchs sehr mathematisch. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Nur bei der sprachlichen Übersetzung mathematischer Tatsachen gibt's ein Problem.

Es wird immer wieder von Chance und Risiko bei Anlageprodukten gesprochen. Als Chance wird die Rendite bezeichnet und als Risiko die Standardabweichung. Letzteres ist leider eher verschleiernd als nützlich. Die Standardabweichung misst die Wahrscheinlichkeit mit der das wirkliche Ergebnis vom erwarteten Ergebnis abweicht. Und zwar nach oben oder unten. Und bei Aktien ist die Standardabweichung größer als bei Anleihen, d.h. bei einem Zielergebnis von 1000 Euro ist es bei Aktien wahrscheinlicher, dass ich am Ende des Zeitraums vielleicht nur 800, vielleicht aber auch 1200 Euro habe als bei Anleihen. Nun verstehe ich ja, dass man die Abweichung nach unten als "Risiko" bezeichnet, aber die Abweichung nach oben? Ich sehe kein wirkliches Risiko darin, 1200 statt der erwarteten 1000 Euro zu bekommen - das ist neben der Chance der erwarteten Rendite sozusagen eine zweite, zusätzliche Chance.

In der Standardabweichung liegt auf lange(!) Sicht überhaupt kein Problem - es gleicht sich über die Jahre aus. Jetzt versucht uns Bernstein via Portfolio-Theorie von Markowitz davon zu überzeugen, dass es wichtig wäre, durch ein kluges Portfolio bei nur geringfügig niedrigerer Rendite die Standardabweichung zu reduzieren. Ich frage mich die ganze Zeit: Warum? Die Standardabweichung wird nur qua sprachlich falscher Übersetzung zum "Risiko" (und natürlich dann, wenn jemand Gelder, die er sehr schnell braucht, in Anlageprodukten mit hoher Standardabweichung anlegt...).

Was bleibt? Antizyklisches Verhalten führt zu höherer Performance. Wenn ich dafür ein regelmäßiges System mit automatischer Adjustierung habe, ist das prima. Das ganze Drumrum wie Portfoliotheorie etc. ist für die Katz...

rezensiert am: 14.08.2010

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