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Lothar Linz: Teamcoaching

Das Thema des Buchs ist das Coaching von Sport-Teams. Da Coaching auch in Unternehmen ein immer wichtigeres Thema wird, ist es entscheidend, auch die unterschiedlichen Richtungen des Coachings zu betrachten.

Ursprünglich kommt die Idee des Coachings ja aus dem Sport und wurde Mitte bis Ende der 80er Jahre vorwiegend von therapeutisch ausgebildeten Psychologen aufgegriffen und auf den Bereich der Wirtschaft übertragen. Damit haben wir zwei verschiedene Richtungen des Coachings: Das Sport-Coaching einerseits und das in der Wirtschaft dominante Coaching mit seinen Ursprüngen in verschiedenen Therapiekonzepten andererseits.

Liest man das Buch von Linz, so wird einem sehr schnell deutlich, dass sich die Gemeinsamkeiten zwischen Sportcoaching und Therapie-orientiertem Wirtschaftscoaching auf nur 3 Bereiche erstrecken: beide beziehen psychologische Kenntnisse mit ein, beiden geht es um eine Steigerung des Potenzials und beide benutzen die Bezeichnung Coaching. In der Tat handelt es sich jedoch um völlig unterschiedliche Konzepte.

Im Sport-Coaching steht immer das Ziel im Vordergrund - auch andere Bereiche spielen natürlich eine Rolle, aber ohne das Ziel macht Sport-Coaching keinen Sinn. Im therapie-orientierten Coaching steht vielmehr der Umgang mit sich selbst, die Optimierung von Fähigkeiten oder der bessere Umgang mit Gefühlen etc. im Vordergrund. Sport-Coaching ist also Ergebnis-fokussiert, therapie-orientiertes Coaching ist Prozess-fokussiert.

Im Sport-Coaching (beim Mannschaftssport) steht das Mannschaftsziel über den individuellen Zielen - im therapie-orientierten Coaching geht es darum, im Prozess die individuellen Ziele herauszuarbeiten - sie stehen also über den Zielen von äußeren Gruppen.

Im Sport-Coaching hat der Coach zwar eine Sonderstellung, ist aber Teil des Teams. Gewinnt die Mannschaft, gewinnt auch der Coach. Verliert sie, verliert auch der Coach. Im Therapie-orientierten Coaching steht der Coach außerhalb, ist nicht Teil des Teams.

Im Sport-Coaching ist der Coach verantwortlich. Gewinnt er, wird er mit gefeiert, verliert er, so wird er als Erstes entlassen. Im Therapie-orientierten Coaching begleitet der Coach ohne jede Verantwortung. Natürlich hat der Sport-Coach auch die entsprechende Weisungsbefugnis, um die Verantwortung überhaupt tragen zu können. Diese existiert im therapie-orientierten Coaching nicht.

Im Sport-Coaching kann das Coaching aufgrund der Weisungsbefugnis praktisch unterstützend werden, im Therapie-orientierten Coaching bleibt es meist abstrakt und theoretisch - oft hilflos.

Die Unterschiedlichkeit der Konzepte ist in der Herkunft begründet. Im Sport herrschen völlig andere Rahmenbedingungen als bei der Heilung psychisch kranker Menschen. Dementsprechend haben sich auch andere Standards herausgebildet.

Vergleicht man nun die Gemeinsamkeiten der Rahmenbedingungen mit denen eines Unternehmens, so ergibt sich deutlich, dass sich die Situation in einem Unternehmen viel mehr mit der Situation einer Sportmannschaft als mit einer Therapiesituation vergleichen läßt (OK, es gibt auch Unternehmen, in denen das anders ist...)

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Der therapeutische Ansatz hat durchaus in vielen Bereichen seine Berechtigungen und es gibt auch eine gegenseitige Befruchtung. Nur: Wenn man als Unternehmer Coaching in seinem Unternehmen nutzt, wird man in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle mehr von einem Sport-orientierten Coaching haben - es ist also für Unternehmen schlicht nützlicher.

Wenn man nun das Buch von Linz diesem Blickwinkel liest, finden sich verblüffend viele praktisch umsetzbare Ideen auch für Unternehmen. Die Situationen in Unternehmen, die in die Krise geraten sind, sind vergleichbar mit Mannschaften, die eine Verlustserie einspielten; die Problematik mit Starspielern kennt man auch in Unternehmen; ebenso die Fragen von Regeln, Disziplin oder Umgang mit Konflikten.

Das große Verdienst von Linz sind wirklich viele praktische Ideen, die sich übertragen lassen - und auf die man angesichts der Komplexität in vielen Unternehmen erst einmal nicht von alleine kommt. Und hier setzt die wirkliche Nützlichkeit des Sport-Coachings ein: Die Einfachheit der Spielregeln einzelner Sportarten ermöglicht den Blick auf das Wesentliche, wohingegen dieser Blick auf das Wesentliche in den meisten Unternehmen fehlt.

rezensiert am: 02.07.2006

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