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Üblicherweise lernt man vom Studium der Biographie einzelner Unternehmer/innen mehr als beim Lesen von Management-Büchern. Obwohl die Autorin Texte unterschiedlicher Zeitgenossen zusammenträgt und damit sehr feinfühlig ein vielschichtiges und facettenreiches Bild der großen Unternehmerin Helena Rubinstein zeichnet, gelingt es nur begrenzt daraus als Unternehmer etwa zu lernen. Dennoch die meines Erachtens nach wichtigsten Punkte:

Heute zwar in aller Munde aber damals sehr neu, formulierte Helena Rubinstein schon vor dem ersten Weltkrieg folgende Vision: "Ich werde diejenige sein, die den Frauen die Angst vor dem Alter nimmt!" Das ist genial! Damit sind alle grundlegenden Entscheidungen in einem Unternehmen getroffen. Die Zielgruppe, die Emotionen, der Nutzen und das Subjekt ("Ich") sind definiert. So liegt mit dem Subjekt z.B. nicht nur der Name(="Helena Rubinstein"), sondern auch die Fürhungsstruktur des Unternehmens fest.

Das ist im Vergleich zu heutigen "Visionen", die oftmals all diese Punkte nicht entscheiden, wirklich genial! ("Wir sind ein serviceorientiertes Unternehmen und streben die Marktführerschaft an" - Ganz Klasse! Wer will schon einen Nutzen-, Emotions- und Zielgruppenfreien No-Name als Marktführer?)

Ein weiterer auffälliger Punkt ist die Sparsamkeit bis hin zum Geiz einerseits und der Einkauf von Kunstwerken im Dutzend oder gar zu Hunderten andererseits. Zudem schimmert durch die Beiträge anderer Zeitgenossen durch, dass sie eigentlich nichts von der Kunst verstand. Und dass sie beim Kauf von Kunstwerken im Dutzend immer sofort zahlte und dafür einen Rabatt von 33% kassierte. In Wirklichkeit scheint die Kunst eine Marketingmaßnahme zur Selbststilisierung gewesen zu sein: Mit Kosmetik wird man reich und kann sich mit allen schönen Dingen umgeben, die man will. Die Kunst war eine Botschaft an ihre Kundinnen. Helena Rubinstein mußte reich sein, um ihre Kundinnen anzuziehen!

Zuletzt, und das ist bei praktisch allen großen Unternehmerinnen und Unternehmern zu beobachten: Der grenzenlose eigene Arbeitseinsatz. Sie führte Ihr Unternehmen bis zu ihrem Tod mit 94 Jahren. Wer mit 65 Jahren oder schon früher mit der Arbeit aufhört oder aufhören will, geht schon jetzt der falschen Tätigkeit nach.

Bedenklich hingegen ist ein Führungsstil, bei dem fast alle zentralen Stellen im Unternehmen nur mit Familienmitgliedern besetzt werden (obwohl dies natürlich der Erkenntnis, dass die Einstellung wichtiger ist als die Fähigkeiten durchaus Rechnung trägt). Teilweise kannte sie die Mitglieder ihres Vorstands nicht einmal beim Namen und bezeichnete z.B. ein Mitglied als "den mit der langen Nase". Auf die Frage eines Mitarbeiters nach einer Beförderung entgegnete sie: "Wie soll das gehen? Wir sind doch nicht miteinander verwandt!" Nachvollziehbar, dass dies nicht gerade motivationsfördernd wirkt. Und so schien ihre Hauptangst folgerichtig immer darin zu bestehen, dass ihre Mitarbeiter nicht genügend arbeiten.

rezensiert am: 28.09.2006

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