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Unternehmercoach-Blog

Die härteste Kritik meines Unternehmerlebens

Diverses 07.11.17 2 Kommentar(e) Kommentar verfassen
Autor: Stefan Merath
Stefan Merath

Seit kurzem läuft meine Blogparade mit dem Thema: Wie gehe ich mit Kritik an meiner Arbeit als Unternehmer oder Selbstständiger um? Heute möchte ich Dir dazu einmal meine ganz persönliche Meinung zu diesem Thema erzählen, bevor in den nächsten Wochen dann noch viele spannende Geschichten von anderen Unternehmern und Selbstständigen dazukommen.

Die für mich härteste Kritik, die ich jemals bekommen habe, war nicht die eines einzelnen Menschen. Es war die einer ganzen Gruppe, nämlich dramatischerweise einer großen Anzahl eigener Kunden. Der Auslöser für deren heftige Reaktion war damals sehr überraschend für mich, schließlich hatte ich eine Idee gehabt, für die ich mit viel Zustimmung und Lob gerechnet hatte. Aber der Reihe nach.

Über viele Jahre hatte ich als Unternehmercoach immer nur eine Mission gehabt: Ich wollte anderen Unternehmern dabei helfen, nicht in die gleiche Situation zu kommen wie ich im Jahre 2003. Ich war mit meinem ersten Unternehmen damals insolvent gegangen und hatte mir daraufhin geschworen diese Erfahrung nie mehr machen zu wollen. Mein Sinn als Coach war daraufhin klar: ich wollte meine Kunden so direkt wie möglich dabei unterstützen ein glückliches Unternehmerleben führen zu können. Knapp 10 Jahre später war ich damit zwar sehr erfolgreich, aber meine Grundmotivation war zum Alltag geworden und ich brauchte eine neue Stimulation. Da mich schon immer gestört hatte, dass es einen Mangel an wirklich großen Vorbildern für Unternehmer gab, fasste ich einen Entschluss: Ich würde das ändern und einen neuen Unternehmer-Spirit ins Land bringen.



Wie ich das schaffen würde? Ganz “einfach“, ich würde Richard Branson nach Deutschland holen! Was erst unmöglich erschien gelang meinem Team und mir aber nach mehreren Monaten harter Arbeit und so erhielt ich eines Tages die Zusage, dass Branson bei meinem Event “Light the Fire“ als Gastredner auftreten würde. Wir erstellten das Konzept und mieteten eine große Halle - die Vermarktung würde ja sicherlich ein Selbstläufer werden. Von wegen. Im April 2013 hielt ich während eines meiner Seminare die erste große Ankündigungsrede zu dem Event und bekam zunächst einmal von allen Seiten scheinbar großen Zuspruch. Während einer Pause kamen jedoch einige meiner Mitarbeiter zu mir und erzählten, dass es hinter den Kulissen rumorte. Geplant war am Ende des Seminars bereits 60 Tickets verkauft zu haben. Als davon nur 4 zu Buche standen ahnte ich, dass irgendetwas nicht stimmte.

Das ganze Ausmaß offenbarte sich aber erst in den Tagen danach in unserem Forum. Eine Welle der Kritik prasselte auf mich ein, viele Kunden waren sauer. Wie sollte ein so übermächtig erscheinender Unternehmer wie Branson denn Inhabern kleinerer Unternehmen bei ihren Alltagsproblemen weiterhelfen können? Zeit- und Geldverschwendung, eine Schnapsidee, reine Profilierungssucht – und das ist nur ein kleiner Auszug aus der Kritik. Und nicht von einer einzigen Person, sondern von über 100.

Ganz ehrlich, ich hatte in diesem Moment überhaupt kein Verständnis für diese Kritik. Ich wollte ja Gutes tun. Also ignorierte ich sie. Ich kämpfte dagegen an, sicher auch mit einem gewissen Trotz. Selbst als mein Team immer stärker zu zweifeln begann verdrängte ich alle Einwände. Ein halbes Jahr vor dem Event hatte ich dann nicht einmal 100 von 3000 Tickets verkauft – aber es gab kein Zurück mehr. Ich war inzwischen gesundheitlich angeschlagen, meine Partnerin hatte sich von mir getrennt und das Geld wurde immer knapper. Schließlich kam meine letzte Chance, eine Veranstaltung vor über 200 Leuten in Wien. Ich wusste: jetzt oder nie. Was folgte war eine der besten Reden meines Lebens und in den letzten Monaten vor dem Event schafften wir es zumindest noch 1200 Tickets zu verkaufen.


“Light the fire“ wurde eine richtig geile Veranstaltung, aber dieser Erfolg war hart erkauft. Ich realisierte in den folgenden Wochen, dass ich mit diesem Event gut ein Drittel meiner Kunden vergrault hatte. Es dauerte teilweise Jahre bis ich zumindest einen Teil von ihnen wieder mühsam zurückgewonnen hatte. Und es wurde mir klar, dass ich mich damals in eine Idee verliebt hatte, die nicht wirklich dem Bedürfnis vieler meiner Kunden entsprach. Meine Kunden hatten mich diese Kritik zwar deutlich spüren lassen – aber ich hatte sie ignoriert.

Was ich daraus gelernt habe? Was große Projekte angeht recherchiere ich heutzutage im Vorfeld schon viel stärker den tatsächlichen Bedarf der Kunden – egal wie begeistert ich von der Idee auch bin. Große Projekte brauchen natürlich auch immer einen gewissen Starrsinn um sie nachher durchzusetzen. Aber es ist ein schmaler Grat zwischen Starrsinn und Dummheit und genau deswegen ist es so wichtig Kritik von außen richtig einschätzen zu können. Ich habe damals jegliche Kritik ausgeblendet, anstatt mir die ein oder andere wirklich zu Herzen zu nehmen. Hätte ich frühzeitig den tatsächlichen Bedarf des Events für den Kunden geklärt und hätte dann den wirklich nützlichen Kritikern ein Ohr geliehen – ich wäre mit deutlich weniger Blessuren aus dieser Geschichte herausgekommen.

Genau das ist aber das wichtige bei Kritik, dass man richtig einschätzt welche man ignorieren kann und auf welche man besser hören sollte. Man sollte sich immer fragen von wem die Kritik überhaupt kommt. Die klassischen Bedenkenträger, die neue Ideen geradezu automatisch bekämpfen, darf man getrost ignorieren. Viel Wert dagegen sollte man nicht nur auf die Meinung der Kunden legen, sondern auch auf die Kritik von Unternehmern, die erfolgreicher als man selbst sind. Auch die Kritik von Mitarbeitern, die einen guten Draht zum Kunden haben, sollte man sehr ernst nehmen.
Und, wie sieht es mit Dir aus? Ich bin neugierig auf Deine ganz persönliche Erfahrung und würde mich freuen, wenn Du Dich an meiner Blogparade beteiligst.

Dein Stefan
 

Kommentare

Lieber Stefan,

vielen Dank für Deine Offenheit in diesem lehrreichen Beitrag. Ich habe selbst letztes Jahr so eine Erfahrung machen müssen. Beim Lesen Deiner Zeilen pieksen mich die dahinterliegenden Gefühle immer noch ziemlich, andererseits hat mir die Erfahrung auch gezeigt, dass ich an "Pieksen" eben nicht sterbe. Es geht weiter...!

Alles Liebe
Christina
Ja .. so heißt es ja doch .. "und .. Herr, gib mir die Gelassenheit das eine vom anderen zu unterscheiden".

Ich habe das auch lernen müssen. Vor allem habe ich erfahren, dass man sich durch Kritik .. insbesondere von Kritik, die nicht konstruktiv ist, ... nicht herunterziehen lassen darf. Bei mir war es ein schmerzlicher Prozess, die gute Laune und die Motivation trotz nicht konstruktiver Kritik beizubehalten. Aber, es ist mir geglückt .. in einer schlaflosen Nacht, in einer Nacht, in der ich den Hebel gefunden habe und umlegen konnte.

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