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Unternehmercoach-Blog

Problemlöser empowern – Ein „neues“ Führungsparadigma

COVID-19 24.11.20 2 Kommentar(e) Kommentar verfassen
Autor: Stefan Merath
Stefan Merath

Die Corona-Beschränkungen gehen in die Verlängerung: Was jedem einigermaßen denkenden Beobachter Ende Oktober klar war: die einschränkenden Maßnahmen werden nun mindestens bis in den Januar – mit einer kurzen Pause an Weihnachten, damit das Wahlvolk nicht auf die Barrikaden geht – verlängert. Vielleicht auch bis März oder April. Nicht nur aus einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektive, sondern auch aus einer Führungsperspektive ist das ein Desaster!

Wir sind zwar in Deutschland bislang besser durch die Pandemie gekommen als die USA, Brasilien, Russland und viele andere europäische Länder, aber verglichen mit China, Taiwan, Südkorea, Neuseeland und vielen anderen Ländern hat unsere Regierung weitestgehend versagt. Ein Vorstandsvorsitzender oder ein Trainer einer Fußballmannschaft wäre längst abgelöst worden. Ja, im Vergleich zu anderen Drittligisten sind wir ganz gut, aber wer zur Hölle, will in der dritten Liga spielen?

Wenn Datenschutz wichtiger ist als die Gesundheit

Betrachten wir also die Führungsperspektive: Im März wurde ein erster Lock-Down beschlossen. Ungefähr 4 Wochen zu spät. Am 24. Februar begann die Börse abzurutschen, d.h. ab spätestens diesem Tag war einer Mehrheit bewusst, dass wir es mit einem heftigen Problem zu tun haben. Erst am 20. März wurde gehandelt. OK, Politiker hätten am 24. Februar noch nicht die Bevölkerung hinter sich gehabt und sie hatten Angst. Nachvollziehbar. Führung ist aber, trotz Angst zu handeln.

Von März bis Mai wurden klare, notwendige Maßnahmen ergriffen und das war der einzige Zeitraum, zu dem unsere Führung einigermaßen funktioniert hat. Nur, das Ziel war falsch! Die – vor allem asiatischen und ozeanischen Länder – denen es jetzt gut geht, hatten das Ziel, das Virus auszumerzen und es ist ihnen gelungen. Hier war das Ziel, das Virus beherrschbar zu machen und dafür zu sorgen, dass die Intensivstationen nicht überlastet werden. Das ist nicht gelungen.

Dann gab es – bedingt durch mächtige Interessengruppen – abstruse Werteentscheidungen. Da bei uns Datenschutz (beeinflusst durch die Datenschutzlobby) wichtiger ist als die Gesundheit, mussten wir eine App selbst erfinden, die in anderen Ländern (Singapur etc.) schon längst funktionierte und eingesetzt wurde. Damit wurden Monate verschenkt. Und natürlich durfte die App nur freiwillig sein, wohingegen die Masken sowie Schul- und Betriebsschließungen verpflichtend waren. Das Problem: eine völlig unklare bzw. verquere Wertehierarchie. Das Ergebnis: die App wird nicht ausreichend genutzt und damit entfällt ein Instrument, mit dem man den R-Wert locker um 0,2 bis 0,4 drücken könnte. Tausende Menschen sind zwar unnötigerweise tot, aber dafür sind ihre Daten weiterhin sicher…

Führung muss die Zukunft G-E-S-T-A-L-T-E-N

Von Mai bis einschließlich September fand Führung überhaupt nicht statt. Es wurde über Details wie Urlaub oder Maskenpflicht an den Schulen oder kostenlose Tests an Grenzübergängen gestritten. Führung hat aber die Aufgabe, in die Zukunft zu sehen und diese zu gestalten! Jeder, der sich ein bisschen damit beschäftigt, wusste schon im März, dass eine Pandemie in Wellen abläuft – findet sich für jeden verständlich lesbar bei Wikipedia. Man brauchte keine Glaskugel, um zu wissen, dass eine zweite Welle kommen würde, spätestens ab Anfang August zeigte sich das ja auch wieder in ansteigenden Zahlen. Das waren vier volle Monate, um sich strategisch vorzubereiten.

Der kopflose Hühnerhaufen, den wir bei den Diskussionen im Oktober sahen, beweist, dass diese 4 Monate nicht genutzt worden waren. Kein politisch Verantwortlicher hatte einen Plan. Und als es so weit war, dass die Zahlen durch die Decke gingen, wurde erstens wieder zu spät gehandelt. Und zweitens und viel schlimmer: die einzigen Handlungsoptionen schienen wieder nur Lock-Downs kombiniert mit Förderungen/Schulden zu sein.

Und das auch noch auf völlig undurchdachte Weise: 75% vom Umsatz… Da gibt es z.B. Redneragenturen, die einen Redner für 10.000 Euro vermittelten und an den Redner 7.000 Euro bezahlen. Bleiben normal 3.000 Euro, um die Kosten zu bestreiten. Nun vermitteln sie keinen Redner und bekommen 7.500 Euro, haben aber keine Kosten für die Redner. Bleibt also 2,5 mal so viel übrig, wenn sie nicht arbeiten. Kann man angesichts der Verluste im ersten halben Jahr fair finden. Aber es zeigt, dass die Politik noch nicht mal einfachste Finanzkennzahlen und ihre Auswirkungen zu verstehen scheint …

Wir sehen also: es wurden immer zu spät Maßnahmen ergriffen. Sie waren nicht durchdacht, weil die Zeit vorneweg nicht genutzt wurde. Mögliche Maßnahmen wie die App wurden zu spät und nicht effizient genutzt. Und deshalb blieben am Ende immer nur noch extrem harte einschränkende Maßnahmen gepaart mit entsprechenden Förderungen/Schulden.

Führung als Ermöglicher: Problemlöser empowern

Aber es gibt noch eine weitere Perspektive und diese ist noch viel krasser! Die Perspektive der Politik ist die, dass das Wahlvolk irgendwie auf Linie gebracht werden muss. Durch Maßnahmen und Verbote. Das Problem dabei: Länder wie China haben auch die Machtmittel das zu tun. Da wird eine komplette Region über 2,5 Monate abgeriegelt und beim Auftauchen von ein paar Fällen werden innerhalb weniger Tage 9 Mio. Menschen zwangsgetestet. Damit können wir uns als Demokratie nicht messen. Eine Diktatur kann, wenn sie ihre Machtmittel klug einsetzt, mit diesem Vorgehen viel effizienter sein (muss es aber nicht, siehe Iran oder Russland).

Aber was sind eigentlich die Stärken einer Demokratie? Wie lassen sich diese Stärken ausspielen? Die Stärke ist, dass die Menschen frei sind, dass sie initiativ sein können, dass nicht ein paar Leute an der Spitze alles entwickeln und entscheiden müssen, sondern dass viele Menschen ihre Ideen einbringen können. Führung müsste den Fokus auf die 80-90 Prozent der Menschen legen, die die Pandemie besiegen wollen.

Es gab im März einen Hackathon, bei dem 40.000 Programmierer Lösungen zur Bewältigung der Corona-Pandemie schufen. Ein Mal. Wir initiierten Anfang April den ersten Unternehmerthon und wiederholten diesen noch zwei Mal. Da entstanden Ideen wie die Kooperationen von Messeausstattern, Kinos und Parkplatzbesitzern für Autokinos und andere Ideen.

Wir haben in Deutschland einen Millionen-Pool an kreativen Menschen. Nur mal hypothetisch angenommen, im Mai hätte die Politik den Menschen erklärt, dass eine zweite Welle kommen wird und wir nun ein paar Monate Zeit haben, uns vorzubereiten und dafür zu sorgen, dass man nicht wieder genauso phantasielos reagieren muss. Die Politik hätte die Menschen aufgefordert und gebeten, dafür Lösungen zu entwickeln. Natürlich hätten das nicht alle wahrhaben wollen, aber man hätte sich auf die konzentriert, die das Problem gesehen haben.

Die Politik hätte Foren geschaffen, wo sich diese Menschen mit anderen kreativ austauschen könnten. Und die besten Ideen wären dann in die Breite gefördert und ausgerollt worden. Nur mal hypothetisch: Die Politik hätte sich als Ermöglicher verstanden und nicht als Verbieter. Angenommen, es wäre ein Wochenende lang ein Online-Event organisiert worden: 40.000 Menschen – Wissenschaftler, Politiker, kreative Unternehmen, Eltern, Lehrer, Schüler – die gemeinsam Ideen entwickelt hätten, wie Schule sicher und mit geringstmöglichem Infektionsrisiko stattfinden könnte. Da wären tausende Ideen herausgekommen, mit denen man sogar noch einige Zeit hätte experimentieren können. Und die besten hätte man dann in der Breite bezahlt und gefördert. Dasselbe hätte man mit Restaurants, Events, Altenheimen und anderen kritischen Bereichen machen können. Die Politik hätte dazu aber an die Menschen glauben müssen, statt ihnen zu misstrauen und sie zu reglementieren. DAS wäre Führung!

Der Weg zu einem neuen gesellschaftlichen Selbstbewusstsein

Wer mein Führungsbuch „Dein Wille geschehe“ kennt, kennt auch die Führungsstile. Die beobachtete Politik führte im letzten dreiviertel Jahr durch Zwang und Strafen sowie durch Regeln und Prozesse, also Stil 1 und 2. Und das, ohne die dafür nötigen Machtmittel in ausreichendem Umfang zu haben. Die riesige Chance wäre gewesen: Führen durch die Stile 3, 4 und 5: Zielvorgaben, Führung von agilen Teams und Führung durch eine Vision und Schaffung einer emotionalen Grundhaltung.

Und wenn wir dann diese Pandemie gemeinsam bewältigt hätten, mit dem aktiven Einsatz aller, der mehr ist als das Befolgen von Regeln, dann hätten wir danach eine wirklich erneuerte Gesellschaft mit einem neuen Selbstbewusstsein. DAS wäre Führung! Und die besten Unternehmen machen es schon lange genau SO! Sie haben natürlich auch ein paar Regeln, aber vor allem fördern und nutzen die Initiative ihrer Mitarbeiter.

Wie man es besser machen könnte, kann man in Taiwan gut beobachten: Die dortige Regierung fordert die Bevölkerung auf, aktiv mitzuwirken (also nicht nur Regeln einzuhalten) und stellt dafür Infrastruktur und Daten bereit – gegen die Zusicherung, dass Ergebnisse dann Open Source sind. Resultat: eine minimale Fallanzahl und ein freies Leben!

Es ist noch nicht zu spät

Und übrigens: da die Pandemie mit dem bisherigen Vorgehen noch einige Zeit dauern wird, ist auch jetzt noch Zeit dazu, mit solch einer Führung zu beginnen. Eine Demokratie braucht keine reagierenden Verwalter an der Spitze, sondern eine Demokratie braucht Führung, die die Menschen ermächtigt. Einfach auf den Impfstoff zu hoffen, greift zu kurz. Warum sollten sich mehr Menschen impfen lassen als eine blöde App runter zu laden? Zumal das individuelle Gesundheitsrisiko bei einer Impfung definitiv höher ist als bei einer App. Und wenn sich nur 22 Mio. impfen lassen, reicht das nicht.

Kommentare

Lieber Stefan,
in vielem stimme ich deinem Artikel zu, jedoch ist es natürlich immer einfacher im nachhinein Kritik anzubringen, besser wäre dieser Artikel im Juni gewesen. Falsch finde ich, ist immer ein Vergleich mit anderen Ländern insbesondere aus dem asiatischen Raum. Taiwan mit nur knapp 24 Mio. Einwohnern anderer Mentalität und Infrastruktur lassen sich Maßnahmen einfacher umsetzen insbesondere da in Taiwan und Südkorea die Bevölkerung seit Jahren bezüglich Epidemien und Pandemien „gebrieft“ sind. Falsch ist auch, die Führung eines Unternehmens mit der Führung eines Staates zu vergleichen. Ich bin kein Freund von Politik und schon gar nicht von Politikern aber empowern funktioniert zwischen Unternehmern oder Unternehmern und Mitarbeitern aber niemals zwischen Politik und Gesellschaft. Die „Führung“ eines Staates mit Regierung, Opposition und Gesellschaft macht deine beschriebenen Führungsstile 3-5 quasi unmöglich, da Politiker ihre privilegierte Stellung und Bürger ihre privilegierten Rechte niemals in Konsens zur eigentlichen Problemlösung bringen werden.
Dein theoretischer Führungsansatz in der Politik ist super, aber so traurig es ist, wird dieser wohl nie umgesetzt.
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt …
Lieber Jochen,

das mit dem hinterher anbringen stimmt natürlich - vorausgesetzt, es wäre das erste Mal, dass ich darüber schreiben würde. Wenn du im Blog zurück blätterst, siehst du, dass ich bereits im März über Führung und eine zweite Welle geschrieben habe.

Dann zum Vergleich mit dem asiatischen Raum. Ich glaube, wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, Zweiter zu sein und das mit der anderen Kultur entschuldigen. Ich habe Taiwan auch nicht wegen der Kultur gewählt (dann wäre Neuseeland näher gelegen), sondern weil sie Elemente aus einem agilen Führungsstil nutzen, der im Westen(!) entwickelt(!) wurde. Sie nutzen unsere Stärken, aber wir nicht.

Schließlich ist die Führung in Unternehmen und Politik sicher unterschiedlich, aber je größer ein Unternehmen wird, desto mehr gleicht es der Politik. Und auch große Unternehmen sind derzeit gezwungen, immer mehr agil zu führen und die Führung muss die privilegierten Rechte los lassen. Natürlich ist das in einem Hühnerhaufen wie dem hiesigen Politikbetrieb schwer. Aber wann wenn nicht in der Krise soll sich da etwas ändern. Ich glaube, es braucht dazu aber einen Leader wie Kennedy ("Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst") oder wie Mandela, der ein geteiltes Land einte, indem er die Menschen ermächtigte und inspirierte, die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Da wir derzeit nirgends eine solche Persönlichkeit in der Politik haben sondern ausschließlich Verwalter, wird so ein Ansatz freiwillig sicher nicht umgesetzt. Da gebe ich dir völlig recht!

Stefan

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