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Unternehmercoach-Blog

Warum die politische Führung versagt

COVID-19 23.04.21 1 Kommentar(e) Kommentar verfassen
Autor: Stefan Merath
Stefan Merath

Es wird viel diskutiert über mangelnde Digitalisierung und Überbürokratisierung und dysfunktionale Strukturen von Bund und Ländern und langfristige Abstimmungsprozesse unter zu vielen Beteiligten. Und das ist sicher alles richtig. Wenn Deutschland (und gar Europa) weltweit nicht komplett abgehängt werden will, dann braucht es in diesem Jahrzehnt nichts weniger als eine Revolution. Nur gab es leider schon immer einen Unterschied zwischen dem, was es braucht und dem, was passiert. Das liegt daran, dass es für eine Revolution auch Revolutionäre braucht.

Dabei denke ich nicht an bärtige Jungs wie Che Guevara oder so, sondern an smarte Frauen und Männer, die bereits die letzten zwei, drei Jahrzehnte die Führungskulturen in Unternehmen von langsamen hierarchischen Dampfern hin zu agilen, wendigen Lebensräumen, in der die Ideen von allen genutzt werden, umgebaut haben. Und sie haben alle mit einer ganz einfachen Sache begonnen: Sie haben damit begonnen, sich selbst zu verändern. Und das in folgenden 5 Dimensionen:
 
  • Konzepte, Methoden: Sie haben sich mit Führungsmethoden und Führungsstilen beschäftigt. Ob das jetzt Spiral Dynamics, Agile Methoden, Theorie U oder sonstige Stile waren, ist erst mal egal. Wichtig ist nur, viele verschiedene Konzepte kennen zu lernen und zu wissen, dass es als Werkzeug nicht nur Hämmer gibt. Politik arbeitet aber fast nur mit Gesetzgebung (und Intrigen, Bündnissen und Machtkämpfen). Das ist für alle aktuellen Herausforderungen inadäquat. Und wenn ich dann noch nicht mal weiß, dass es auch andere Optionen gibt, kann ich als Führender gar nichts verändern. Angesichts dessen, dass es keine Führungsseminare für Politiker gibt, ist davon auszugehen, dass sie die Alternativen nicht kennen.
     
  • Macht annehmen: In jeder Nachrichtensendung hört man: Spahn fordert dieses, Laschet fordert das und Scholz was ganz anderes. Selbst Merkel fordert die ganze Zeit. Fordern ist aber ein Zeichen von Ohnmacht: Kinder fordern von der Mama ein Eis. Wer soll denn die Forderungen erfüllen??? Führungskräfte, die ihre Macht annehmen, machen. Deshalb heißt das auch so! Sie finden und erweitern Bereiche, in denen sie machen können. Und sie beschäftigen sich nicht mit Bereichen, in denen sie nicht machen können. Es ist Zeitverschwendung! Fordern ist Führungshandeln von Ohnmächtigen und Unfähigen.
     
  • Selbstführung: Das ist der zentrale Schlüssel! Wie schaffe ich innere Klarheit? Wie gehe ich mit meinen Gefühlen um? Zurzeit herrscht – das sieht jeder außerhalb der Politik – nackte Panik! Die Umfragen der CDU brechen ein, das eigene Handeln auch der SPD ist ineffizient. Und die Konsequenz ist: es werden permanent irgendwelche schwachsinnigen Ideen produziert und jeder überbietet sich mit verbalem Aktionismus zu noch härteren Lockdowns, um dann zeitgleich das Gegenteil davon zu machen. Die Grünen wirken nicht deshalb so ruhig, weil sie bessere Konzepte hätten, sondern weil sie schlau abwarten, wie die anderen sich selbst zerlegen. In Führung wären sie ähnlich panisch. Auch die überbordende Bürokratie und die Unfähigkeit, schnelle klare Entscheidungen zu treffen, sind in letzter Instanz nur ein Mechanismus der Angstvermeidung. De facto scheint niemand gelernt zu haben, mit seinen Gefühlen, seinen Ängsten, seiner Panik umzugehen. Solange die Führenden das nicht lernen, wird es immer überbordende Bürokratie und verzögerte Entscheidungen geben. 
     
  • Vertrauen, Fehlertoleranz, Experimentierfreude: Wie in den unternehmerischen Hierarchien vor 20 Jahren herrscht noch heute in der Politik Misstrauen gegenüber der Bevölkerung. Gerade in der Corona-Politik muss scheinbar alles kontrolliert werden. Dass nach jetzt 13 Monaten noch keine kreativeren Lösungen des Umgangs genutzt werden, liegt nicht an den fehlenden Methoden, sondern einem fundamentalen Misstrauen der Politik gegenüber der Bevölkerung. Selbst an den Orten wie Tübingen, die immerhin Modellversuche machen, wird die kreative Energie der Bevölkerung, der Wissenschaft, der Unternehmen, Lösungen zu schaffen, nicht genutzt.
     
  • Wissen um das Ziel von Führung: Wenn ich nicht weiß, was eigentlich das Ziel von Führung ist, dann finden sich plötzlich die unterschiedlichsten Motive wieder: die nächste Wiederwahl, die Anerkennung in den Geschichtsbüchern, mehr Kohle für die eigenen Lieblingsprojekte usw. Und da andere Politiker andere Motive haben, werden dauernd irgendwelche komplizierten Kompromisse geschaffen, die am eigentlichen Ziel vorbei gehen. Jede Führung hat aber inhärente Ziele – wie in meinem Buch „Dein Wille geschehe“ beschrieben. Führung hat dafür zu sorgen, dass in einer Gruppe von Menschen gemeinsame, gerichtete Energie entstehen kann und Konflikte produktiv und schnell gehandhabt werden. Führung hat dafür zu sorgen, dass die Zukunft der gesamten Gruppe nicht nur gesichert ist, sondern besser ist als zuvor. Führung hat für Wachstum und Entwicklung zu sorgen. Damit hat sich Führung in Politik am besseren Leben unserer Kinder und der Welt gesamt auszurichten. Alleine die Messung, welchen Beitrag ein Führender zur Erfüllung dieses Ziels geleistet hat und die Veröffentlichung der zugehörigen Rankings würde den Fokus verschieben (auch wenn das allein als strukturelle Maßnahme sicher nicht reichen würde).
Die ganzen Probleme der Überbürokratisierung, langsamen oder komplett verschleppten Entscheidungen, Korruption usw. sind also letztlich nur ein Ausdruck der Psyche der Führenden. Solange dort niemand beginnt, sich selbst zu verändern, wird sich auch nichts an den Symptomen verändern. Das Problem ist nur: Max Planck stellte schon fest, dass Betonkopf-Ideen nicht durch bessere Argumente verschwinden, sondern dadurch, dass die Träger der Betonkopf-Ideen verschwinden… ;-)
 
P.S. Da Politiker sicherlich nicht meine Lieblingskunden sind, biete ich Führungsseminare nur für Unternehmer an (aber mein Buch dürfen gerne auch Politiker lesen ;))

Kommentare

Hallo Herr Merath,

ja, Sie haben mit Ihrem Kommentar leider, oder glücklicherweise?, in vielen Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen und mir aus dem Herzen gesprochen.
Eine Eigenschaft kommt mir dabei ein wenig zu kurz - der Mut. Um Vertrauen und Fehlertoleranz zu entwickeln, gehört Mut dazu.
Mut, eine Entscheidung zu treffen, die möglicherweise nicht die Beste ist
Mut, dumme Kommentare ignorieren zu können
Mut, zu akzeptieren, dass eine delegierte Entscheidung evtl. anders sein wird als die eigene
Mut, die eigene Erfahrung (aus der Vergangenheit) hinter den Ideen und dem Engagement der nächsten Generation zurückzustellen
Mut, darauf zu vertrauen, dass die nächste Generation ebenso an Verbesserungen interessiert sind, wie wir in der Vergangenheit
Mut, nach 10 Jahren "genug" zu sagen
Mut, zuzuhören und selber mal die Klappe zu halten.

Das täte Politikern, Managern und auch vielen Unternehmern gut.
Ich kann jedoch aus eigener Erfahrung sagen, dass sich nach anfänglichen Schwierigkeiten, erstaunliche neue Perspektiven auftun.

Ist wirklich zu empfehlen.

Herzliche Grüße
Jürgen Stiedl


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