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Holacracy: Ein revolutionäres Management-System für eine volatile Welt

Brian J. Robertson, Holacracy: Ein revolutionäres Management-System für eine volatile Welt
  • Kategorie(n): Scrum Management Organisation
  • Autor: Brian J. Robertson
  • Verlag: Vahlen
  • ISBN: 3800650878
  • Preis: EUR 20,00
  • Bewertung:
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StefanMerath | 18. Dezember 2017

Die ersten 70 Seiten musste ich mich echt durch das Buch durchquälen. Warum? Weil es gleichermaßen abstrakt und ideologisch beginnt. Allein die Behauptung, dass die Verwaltung eines Gemeinwesens effizienter sei als die Verwaltung von Unternehmen ist einigermaßen starker Tobak: sind doch Verwaltungen geradezu Synonyme für Ineffizienz und Bürokratie. Ebenso wenig schmeckt mir die Vorstellung, dass man Holacracy auf jeden Fall ganz am Stück im Unternehmen installieren müsste - es kann ja nicht angehen, dass man positive funktionierende Mechanismen hat und diese dann abschaffen müsste, weil sie nicht ins Konzept passen.
 
Aber worum geht's eigentlich? Kurz gesagt um ein agiles System für den Organisationsaufbau. Damit unterscheidet sich Holacracy dramatisch von den ganzen statischen Klassikern wie System- und Prozessbeschreibungen, EOAs etc. Letztere sind meist eine einmalige Arbeit und danach steht das Zeug im Regal rum oder vergammelt auf einem Dateisystem. Gelebt wird es sowieso nicht und nach einem Jahr ist eh alles, was da drin steht, veraltet. Demgegenüber bietet Holacracy ein lebendiges System von Rollen und Verantwortlichkeiten, mit und an denen permanent gearbeitet wird und die deshalb auch nirgends vergammeln.
 
Zugleich unterscheidet sich Holacracy von agilen Methoden wie Scrum etc. Scrum bezieht sich auf die Arbeitsinhalte. Holacracy hingegen auf die Organisation und die Strukturen. Insofern bietet Holacracy tatsächlich eine fehlende Komponente: die systematische agile Anpassung und Entwicklung der Organisation. Dazu bietet Holacracy ein klares Rollen-Konzept, das für Klarheit in der Kommunikation führt und eine Meeting-Struktur, die recht formalisiert zu einer permanenten Anpassung der Organisation ausgehend von Konfliktfeldern und Chancen führen kann. Das ist für ziemlich viele Unternehmen revolutionär.
 
Allerdings erscheint mir vieles extrem starr (und ideologisch aufgeladen): Die Umsetzung solle mit der formalen Annahme einer etwa 40-seitigen Verfassung beginnen. Wenn einem diese nicht gefällt, dann ist man schon mal 2 Monate mit der Überarbeitung ausgeknockt... Dann fehlt die Führung und Entwicklung der Mitarbeiter bzw. der Teams. Kunden (und die Probleme der Kunden mit der Organisation) existieren auch nicht im Konzept. Das ganze System ist rein reaktiv auf "Spannungen" ausgerichtet. Eine proaktive strategische, kulturelle oder gar visionäre Steuerung findet nicht statt. Konzepte wie Autoritäts-Level oder Sanktionen (wie z.B. in Management 3.0) fehlen ganz. Der "Lead-Link" (= Vorgesetzte) solle alle Rollen übernehmen, für die sich keine Mitarbeiter finden. Herzlichen Dank aber auch! Wie bitte soll man da seine Fachkraft-Aufgaben los werden und am Unternehmen arbeiten??? Und ein systematisches Aufräumen findet auch nicht statt, so dass das Konzept nach ein paar Jahren wie jede Verwaltung eines Gemeinwesens in einem überkomplexen Müllhaufen enden dürfte.
 
Trotz all dieser Mängel kann ich mir durchaus vorstellen, dass Teile des Konzepts - ergänzt um ein paar fehlende Komponenten - durchaus hilfreich sein können, um dem Organisationschaos in vielen kleineren Unternehmen Herr zu werden. Insbsondere dann, wenn die bisherigen Klassiker allesamt versagt haben.
 

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