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Fachartikel von Stefan Merath

Die Bedeutung der Erfahrung bei Coachs

Stefan Merath | 05. Oktober 2008

Im Business-Coaching ist die Ansicht verbreitet, dass der Coach kein Experte in dem Tätigkeitsbereich des Coachee sein müsse. Wichtig sei alleine, den Prozess zu steuern, so dass der Coachee alleine auf seine Ergebnisse komme und Fortschritte mache. Folgerichtig waren die meisten Führungskräftecoachs nie Führungskräfte, Visionscoachs haben nie eine große Vision verwirklicht und manche Leute, die sich als Unternehmercoach bezeichnen waren nie eigenständige Unternehmer mit eigenen Angestellten.

In der Schule hieß es immer: Wer kann der macht und wer nicht kann, lehrt. So scheint es auch in vielen Fällen im Coaching zu sein. Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem Unternehmer, dessen Hochleistungseinstellung ihn ziemlich an die Grenze des Burn-Out getrieben hatte (und zwar auf der anderen Seite der Grenze). Ein Coach sprach mit ihm über seine Leistungsorientierung. Auch wenn der Coach natürlich inhaltlich nichts vorgegeben hat, so konnte er doch durch die Art seiner Fragen leiten. Und tat das wie Sokrates (der ja ebenfalls die Antworten durch die Art seiner Fragen vorgab) auch!

So kam der Unternehmer zu der "Einsicht", dass ihn seine Leistungsorientierung an den Rand des Burn-Out getrieben hätte. Weil das eben der Weltsicht des Coachs entsprach und die logische Konsequenz seiner Fragen war. Und dass er seine Leistungsorientierung zurück nehmen müsse. Klingt auf den ersten Blick plausibel. Und ist fest im Alltagsbewusstsein der meisten Menschen genau so verankert. Aber, und hier genau beginnt das große Aber: Der Ratschlag kam von einem Menschen, der nie in ihrem Leben etwas wirklich Überragendes geleistet hat. Wieso hören wir uns das eigentlich an? Vermutlich, weil wir in so einer Situation ein Problem haben und nicht mehr klar denken können. Und die Antwort löst dieses Problem scheinbar.

Ich bot in diesem Fall eine andere Sichtweise. Nehmen Sie Menschen, die wirklich etwas leisten. Spitzensportler zum Beispiel. Ein Spitzensportler, der 14 Stunden am Tag trainiert, bricht zusammen. Er wird nie an die Spitze kommen und schon gar nicht dort bleiben. WEIL er Höchstleistungen bringen will, plant er Pausen, Entspannung und Regeneration ein. Es geht nicht darum, weniger leistungsorientiert zu sein, sondern, darum, AUFGRUND der Leistungsorientierung die nächste Stufe zu erklimmen. Und weil man noch besser werden will, Pausen, Entspannung und Regeneration als Teil der Leistungssteigerung zu begreifen. Das ist ein völlig anderes Konzept. Ein Konzept, das die Motivation des Coachee aufgreift und lediglich eine neue, eine bessere Strategie vermittelt.

Der Ratschlag des anderen Coachs hingegen führte zu einem Knoten in der Motivation des Unternehmers. Er begann gegen sich selbst zu kämpfen. Tat er viel, so handelte er gegen sein neues Ziel, weniger zu leisten. Tat er wenig, so blockierte er sein innerstes Motiv und sein Feuer. In jedem Fall hatte er immer ein schlechtes Gewissen und fühlte sich miserabel.

Ein Hochleister hätte ihm, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken die Auflösung präsentiert: Gerade, weil er noch mehr leisten will, sorgt er optimal für seinen Körper und Geist.

Was ich damit sagen will: Der Unterschied zwischen einem Laien (oder Durchschnittlichen) und einem Experten ist der: Der Experte nimmt die Welt anders wahr. Gary Klein hat Jahrzehnte das Besondere an Experten untersucht und erzählt folgende Geschichte: Stellen Sie sich vor, ein Haus brennt. Ein unerfahrener Feuerwehreinsatzleiter kommt, schaut an dem Haus hoch, sieht: Es brennt schon bis unter die Werbetafel auf dem Dach. Da ist Eile geboten: Alle Schläuche angeschlossen und so schnell wie möglich drauf gehalten, um zu löschen. So weit so gut. Klingt einleuchtend und jeder von uns würde es auch so machen.

Nun stellen wir uns dieselbe Situation vor. Das Haus brennt. Ein sehr erfahrener Einsatzleiter kommt, schaut an dem Haus hoch, sieht: Es brennt schon bis unter die Werbetafel auf dem Dach. Das Ding kann jeden Moment herunter kommen. Seine erste Aktion: Er lässt die Schaulustigen zurückdrängen und verschiebt die Absperrungen. Wichtig ist: Dieser erfahrene Einsatzleiter kennt nicht mehr Fakten über Feuerwehrschläuche und Wasserdruck. Er entscheidet auch nicht anders. Sondern, er nimmt die Situation anders wahr und hat nicht eine Zehntelsekunde darüber nachgedacht, sofort zu löschen wie der Unerfahrene. Diese Option tauchte überhaupt nie in seinem Bewusstsein auf. Und deshalb gab es keine Entscheidung – nur eine andere Wahrnehmung und andere Konsequenzen daraus.

Der Unterschied zwischen dem Erfahrenen und dem Unerfahrenen ist eben seine Erfahrung. Er weiß, was in solchen Situationen passieren kann. Er kann Analogien schließen, er erkennt intuitiv die kritischen Punkte, kennt intuitiv die richtigen Antworten und handelt intuitiv richtig.

Und der Punkt ist: Wenn zwei Unerfahrene, nämlich der unerfahrene Einsatzleiter und sein Coach, der davon auch nichts versteht, gemeinsam löschen, bekommen sie eben gemeinsam die brennende Werbetafel auf den Kopf. Das wäre zu verschmerzen – es sind ja beide für sich selbst verantwortlich. Aber die Umstehenden müssen auch drunter leiden und das ist nun nicht mehr zu verantworten.

Zurück zu uns Unternehmern. Wenn wir in Probleme geraten, wenn wir über unsere Grenzen gehen und nicht mehr weiter wissen, dann führt ein Coaching und eine Beratung durch Laien nicht nach vorne aus dem Schlammassel heraus. Vielleicht nach hinten. Aber wollen Sie da hin? Deshalb prüfen Sie sehr genau: Wenn Sie mit einem Coach eine Strategie für Ihr eigenes Unternehmen entwickeln wollen, hat das ein Coach für sein eigenes Unternehmen auch schon gemacht? Wenn Sie eine Firma aufbauen wollen, die einen Traum verwirklicht, hat ihr Coach mit seiner Firma seinen Traum verwirklicht?

Diese Überlegung führt noch zu einem weiteren wichtigen Punkt: Viele glauben, je mehr Ideen auf den Tisch kämen, desto besser wären die Lösungen. Das halte ich für ausgemachten Bullshit! Stellen Sie sich vor, der erfahrene und der unerfahrene Feuerwehreinsatzleiter würden beginnen, die unterschiedlichen Optionen zu diskutieren. In der Zwischenzeit würde sich das Problem vermutlich von alleine lösen. Je mehr Ideen auf dem Tisch liegen, desto unwahrscheinlicher ist, dass überhaupt eine Entscheidung gefällt wird!

Oder nehmen Sie andere Bereiche: Ein exzellenter Schachspieler und ein Anfänger. Der Schachmeister wägt oft nicht einmal ab, sondern sieht in den meisten Fällen einfach den richtigen Zug. Der Anfänger sieht hingegen eine wirre Ansammlung von Figuren und bringt diese oder jene hirnlose Variante in die Diskussion ein. Oder Kolumbus, der mit einem Matrosen darüber diskutieren würde, dass man am Ende der Welt herunterfallen könne. All diese zusätzlichen Ideen von Unerfahrenen sind völlig sinnlos und tragen nur zur Verwirrung bei.

Nur wenn alle keine Ahnung haben oder alle völliges Neuland betreten, dann kann es durch Zufall sein, dass jemand das Problem erkennt – dann mag ein Austausch sinnvoll sein. Wenn jedoch einer dabei ist, der überragend mehr Erfahrung hat, dann wird jeder Austausch kontraproduktiv.

Zurück zum Coaching: Wichtig für Sie ist, zu lernen, was der Coach in der entsprechenden Situation sieht. Sie müssen lernen, so wahrzunehmen wie ihr Coach. Denn die Art der Wahrnehmung unterscheidet den Experten vom Neuling. Dann erreichen Sie wirkliche Veränderung!


Kommentare

Hallo Herr Merath, Ihre Aussage:“ die Art der Wahrnehmung unterscheidet den Experten vom Neuling“ ist einer der wesentlichsten Punkte im Coaching.
Die Wahrnehmung steuert das Fühlen, das wiederum das Denken was letztendlich das Handeln veranlasst.
Wenn die drei Komponenten Wahrnehmung, Fühlen und Denken gleichzeitig erfolgen, entsteht eine Erfahrung. Diese ist die effektivste Form des Lernens.
Der Erfahrene Coach schafft es an dieser Stelle beim Coachee die Brücke zu bauen.
Hallo Herr Merath, natürlich müssen Sie das sagen, dass Coachs Erfahrung in dem entsprechenden bereich haben müssen. Aber andererseits haben Sie auch sehr Recht damit! Was sich teilweise in diesem Bereich tummelt ist wirklich grauenerregend und deren empfehlungen oft schädlich. Ich kann nur empfehlen, evtl. Referenzen sehr genau zu überpüfen. oft ist auch die Efahrung nur vorgespiegelt.

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