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Fachartikel von Stefan Merath

Das Geheimnis der Regelmäßigkeit

Stefan Merath | 30. Juni 2011

Auf meinen Seminaren wird von den Teilnehmern in den Pausen immer wieder über andere Seminare gesprochen. Vor allem in Bezug auf Motivationsseminare höre ich da immer wieder: Das bringt doch sowieso nichts. Man geht hin, wird von dem Trainer in Stimmung gebracht, fühlt sich dann nach dem Seminar ein paar Tage so, als ob man alle Bäume der Welt ausreißen könne und nach spätestens einer Woche sei wieder alles vorbei. Und zum Abschluss dieser Aussage kommt noch ein bestätigendes "Tschakaa!" und alle lachen.

Mal abgesehen davon, dass ich auch kein Fan von Ratelband (dem "Tschakaa"-Erfinder) bin, ist dieser Glaubenssatz, dass das nichts bringe, nicht gerade nützlich. Und klug ist er auch nicht. Das ist so, als ob ich einmal ins Fitness-Studio ginge und mich hinterher beklagen würde, dass meine Muskeln nicht fester geworden wären. Oder wenn ich zum 3-Sterne-Koch gehen würde, nur um dann nach 2 Tagen zu sagen: Jetzt hab ich den Geschmack nicht mehr auf der Zunge und Hunger hab ich obendrein auch schon wieder. Das mit dem Kochen und dem Essen sei doch nur Augenwischerei und nicht nachhaltig!

Die Antwort ist: Nichts, was man nur einmal tut, ist nachhaltig. Überhaupt nichts!

Das ist jetzt keine neue Erkenntnis und steht auch schon im Talmud:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Was hat das nun mit dem Unternehmersein zu tun? Zwei Aspekte sind wichtig. Zum einen die eigene Entwicklung. Dazu habe ich schon viel geschrieben (z.B. Die Bedeutung der eigenen Entwicklung, Wie man seine eigene Entwicklung plant) und das möchte ich hier nicht vertiefen. Zum anderen die täglichen Tätigkeiten als Unternehmer.

Um in etwas wirklich gut zu werden, gibt es nach neuen Untersuchungen 2-3 wesentliche Einflussfaktoren. Australische Kinder, die begannen, Geige zu spielen wurden nach allen möglichen Kriterien untersucht: Nach Herkunft, Talent, IQ, Elternhaus etc. Nach einigen Jahren wurde dann untersucht, welche dieser Kriterien mit den besten Lernergebnissen korrelieren. Es waren nur 2 bis 3 Einflussfaktoren. Erstens: Wie viel haben die Kinder geübt? Je länger, desto besser waren die Ergebnisse. Zweitens: Mit welchem Ziel sind sie an die Sache herangegangen? Manche wollten "das mit der Geige mal probieren", andere sagten, dass "sie Geiger werden". Das Ziel unterschied sich also nach Zeitspanne und Intensität des Commitment. Mal etwas tun ist etwas anderes als etwas zu werden. Das eine berührt die eigene Identität, das andere nicht! Der dritte Einflussfaktor, allerdings schon weit abgeschlagen, war die Qualität des Lehrers. Alles andere, also z.B. Talent etc. spielte keine(!) Rolle.

Nun ist dies auch bei den Unternehmeraufgaben so: Wer meine anderen Beiträge oder meine Bücher kennt, kennt die Unterscheidung zwischen Fachkraft, Manager und Unternehmer. Für alle anderen Leser zwei kurze Absätze dazu. Eine Fachkraft ist jemand, der die täglichen Aufgaben im Unternehmen ausführt, also Leistungen für den Kunden erbringt, verkauft, Rechnungen schreibt etc. Ein Manager ist jemand, der Systeme schafft und diese aufrechterhält, damit die Fachkräfte Leistungen vergleichbarer Qualität erbringen. Der Unternehmer ist die Energie, der Traum, die Idee hinter dem Ganzen.

Bildlich ausgedrückt: Du befindest dich in einem Dschungel. Dann benötigst du Leute, die mit ihren Macheten den Weg frei räumen – die Fachkräfte. Dann benötigst du Leute, die die Arbeit einteilen, so dass niemand zu sehr ermüdet, aber trotzdem alle vorwärts kommen. Diese Personen überprüfen auch, ob einzelne Fachkräfte effektiver sind und warum dies so ist. Schließlich bringen sie den anderen die Optimierungen bei. Das sind die Manager. Und dann gibt es noch einen, der oben im Baum sitzt und herunter ruft: 'Hört mal zu, Jungs und Mädels, wir sind im falschen Wald.' Das ist der Unternehmer.

Nun machen die allermeisten Unternehmer in Wirklichkeit 80-90 Prozent Fachkraftaufgaben, sind also gar keine Unternehmer in diesem Sinne, sondern Selbständige, die selbst und ständig arbeiten. Neben 5 bis 10 Prozent Managementaufgaben bleibt so also nur noch für höchstens 5-10 Prozent Unternehmeraufgaben Platz.

Das hat zur Folge: Selbst bei Selbständigen, die richtig viel arbeiten, sagen wir 80 Stunden pro Woche, werden gerade mal 4-8 Stunden pro Woche Unternehmeraufgaben ausgeführt. Meist noch weniger. Die Konsequenz: Wenn einer der wichtigsten Einflussfaktoren für einen Lernerfolg die Regelmäßigkeit ist, ich mich zugleich aber fast nie mit den wirklichen Unternehmeraufgaben beschäftige, dann werde ich darin auch nie sehr gut werden.

Alle herausragenden Unternehmer beschäftigen sich intensiv mit den 7 Aufgaben des Unternehmers: ihrer Vision und ihren Motiven, ihrer Strategie, mit anderen Menschen, mit dem Aufräumen (und abschneiden alter Zöpfe), der Sicherstellung der Umsetzung und Kontrolle, mit der eigenen Weiterentwicklung und der Übergabe an den Nachfolger. Und je mehr sie das tun, desto besser werden sie!

Und umgekehrt: Wer einmal ein Führungsseminar macht oder einmal einen Strategie-Workshop, wird davon noch nicht guter Unternehmer. Nach dem zehnten oder hundertsten Mal kommen die Ergebnisse!

Die Ablenkungen

Nun war das in früheren Zeiten ein klein wenig einfacher: Wir Menschen sind evolutionär so gepolt, auf irgendwelchen Input (wie Mammuts, Säbelzahntiger) sofort zu reagieren. Heute kommen die Emails und Telefonanrufe und Facebook-Nachrichten im Sekundentakt und wer sich darauf einlässt, hat sowieso verloren. Er befindet sich nur noch im Reaktionsmodus. Und das Fatale ist, dass diese Emails, Telefonanrufe und Facebook-Nachrichten fast nie etwas mit Unternehmeraufgaben, sondern bestenfalls nur mit Fachkraftaufgaben zu tun haben. Meist noch nicht einmal das.

Zeitmanagement ist Zugangs-Management. Wenn ich mehr Unternehmeraufgaben machen will, dann muss ich dafür sorgen, dass die eine Sorte von Aufgaben weg bleibt und die andere Sorte von Aufgaben automatisch zu mir kommt. Um Fachkraftaufgaben von sich weg zu halten, gibt es viele Möglichkeiten. Eine der wichtigsten ist sicher ein/e (virtuelle/r) Assistent/in.

Aber dann kommen die Unternehmeraufgaben immer noch nicht zu einem. Hier braucht es, wie im Sport, eben auch einen regelmäßigen Schubs von außen. In meinem Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ gab es hierzu den Herrn Bertram. Aber darüber hinaus gibt es viele andere Möglichkeiten. Zum Beispiel biete ich wöchentlich erscheinende Coachingbriefe an. Jede Woche ein Schubs von außen, der einen dazu bringt, sich einmal pro Woche intensiv mit einem Aspekt seiner Unternehmeraufgaben zu beschäftigen. Und wenn ich mir im begleitenden Forum die Ergebnisse, die manche Unternehmer bereits nach einem halben Jahr erreicht haben, anschaue, so finde ich das manches Mal ganz unglaublich.

Die Anziehungskraft

Natürlich gibt es neben dem regelmäßigen Stups von außen noch andere Aspekte. Ein weiterer ist die Anziehungskraft. Wie spannend finde ich die Unternehmeraufgaben? Wie viel Freude machen sie mir? In meinem Buch "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer" schrieb ich "Disziplin ist die Kunst, bei den Tätigkeiten, die ich für richtig oder wichtig erachte, Spaß und Freude zu empfinden." Und dies kann ich selbst, z.B. durch die Art und Weise, wie ich eine Tätigkeit beschreibe, bestimmen.

Ein Beispiel in zwei Varianten. Variante 1: "Heute Abend muss ich noch ins Fitness-Studio. Der Tag ist eh schon anstrengend genug. Dann muss ich da erst durch den dichten Verkehr hinfahren, finde vermutlich keinen Parkplatz, muss mich umziehen und dann sind vermutlich auch meine Geräte besetzt. Und bestimmt ist wieder der Dicke da, der schwitzt wie ein Vieh und seinen ekligen Schweiß nie weg wischt. Die Sauna ist vermutlich auch kaputt und ich muss hetzen, weil wir hinterher Freunde treffen wollen. Und eigentlich bin ich jetzt schon müde."

Die Wahrscheinlichkeit, ins Fitness-Studio zu gehen, ist ziemlich gering, wenn meine inneren Selbstgespräche so sind, wie in Variante 1. Sie unterscheiden sich durch eine Ansammlung von anstrengenden Aufgaben und Problemen. Hat man davon mehr als 5 bis 7 gefunden, dann hat man sich schon selbst überzeugt, dass es besser sei, etwas anderes zu machen.

Variante 2: "Heute Abend gehe ich mit meiner Freundin Bettina im Fitness-Studio Energie tanken." Variante 2 ist kurz, einfach und positiv. Und zudem beinhaltet sie einen angenehmen sozialen Aspekt. Betrachte einmal deine Sichtweise auf die Unternehmertätigkeiten. Ist zum Beispiel Strategie eine spannende Aufgabe, das Unternehmen an den Bedürfnissen deiner Kunden, Freunde oder Fans auszurichten? Und zwar im permanenten Austausch mit deinen Lieblingskunden? Oder beschreibst du Strategie für dich selbst als eine unendliche Ansammlung von komplizierten Aufgaben, die du nicht beherrschst?

Manch einer hat mir schon vorgeworfen, ich hätte die Entscheidung zwischen Selbständigem und Unternehmer schon vorab für meine Kunden getroffen und ich würde natürlich den Unternehmer vorziehen. Das ist falsch und richtig zugleich. Falsch, weil ich die eine Möglichkeit für so gut oder schlecht wie die andere halte. Sie muss zu einem passen und man muss die jeweiligen Möglichkeiten und Grenzen kennen. Richtig, weil ich für Unternehmer schreibe und meine Bücher zum Ziel haben, die Aufgaben des Unternehmers so spannend und anziehend wie möglich darzustellen. Nur dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Leser auch etwas ändert.

Aber auch hier ist es so: Wenn du bisher unternehmerische Aufgaben wie eine Siebenjahresplanung vor dir selbst als furchtbar beschrieben hast (was man da alles vorbereiten und bedenken muss und nachher kommt sowieso alles ganz anders und...), dann reicht es kaum, sich einmal zu sagen "Die Zukunft kann ich am besten voraussagen, indem ich sie gestalte". Auch hierfür braucht es wieder eine Regelmäßigkeit. Und diese Regelmäßigkeit musst du dir organisieren.

Zum Beispiel durch Coachingbriefe und begleitendes Forum, Braintrusts oder regelmäßige Treffen mit einem befreundeten Unternehmer in deiner Nähe, der auf derselben Wellenlänge ist, wie du. Mache dir deine Unternehmeraufgaben einfach, spannend und zu einem Ereignis, das du gemeinsam mit anderen Menschen, die du gerne magst, erlebst!


Kommentare

Das kann man nur zu 100 % unterschreiben, aber die Umsetzung ist manchmal gar nicht so einfach,... Für mich wäre wichtig, wirklich herauszufinden, was sind die wirklich wichtigen Aufgaben, und wie bringe ich die anderen Aufgaben auch gelöst, also wie organisiere ich es, dass diese auch erledigt werden?
LG
Herbert Bauer
Ich denke, es ist auch wichtig sich Ziele zu setzen und sich diese zu visualisieren. So kann man sich dann selbst motivieren. Bspw. stelle ich mir vor, wie es ist, wenn ich meinen Studienabschluss habe (ich studiere nochmal, diesmal nebenberuflich), das lässt mich dann abends nach der Arbeit noch ins Bett gehen und zu lesen, statt sich vom Fernseher berieseln zu lassen. Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn ich den Abschluss habe und stelle mir auch vor, wie es ist, wenn ich vorm Fernseher wäre - letzteres bringt mich nicht weiter. Und es hat noch einen weiteren Vorteil: nach harter Arbeit freut man sich umso mehr auf die Freizeit - bspw. wenn ich morgen mit meinem Freund zu einem Festival gehe, noch nie habe ich mich so darauf gefreut wie in den Jahren zuvor (wir gehen jedes Jahr hin) - also Regelmäßigkeit kann ich nur unterschreiben!!
Liebe Leser, sehr geehrter Stefan Merath,
der Artikel umschreibt es völlig richtig. Die meisten, wirklich richtig großen Ziele kann ich nur durch regelmässigen Einsatz und Kontinuität erreichen. Sicherlich auch die wichtigste Botschaft aus dem neuen Buch "Die Kunst seine Kunden zu lieben" die Schaffung von entsprechenden Gewohnheiten. Aber neben diesem täglich Tun ist es noch wichtiger mit den Rückschlägen richtig umzugehen.
Gruß Reinhart Hoheisel
... ist ja kein echtes Geheimnis, aber dafür "furchtbar" entscheidend. - Arbeite seit 14 Wochen mit den Unternehmerbriefen und hab' die Menge an Aufgaben, schon das ein oder andre Mal verflucht. Aber so weit wie jetzt war ich noch nie, ich habe endlich das Gefühl es wirklich schaffen zu können.
...~ manchmal hatte ich auch schon Aufgaben,
die zu diesem Zeitpunkt nicht lösbar waren. Und irgendwann, löste sich der Knoten von allein.
Also regelmässig dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall.

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