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Fachartikel von Stefan Merath

Wie man die Größe von Zielen bestimmt

Stefan Merath | 24. Oktober 2007

Zur Größe von Zielen gibt es viele Aussagen und Glaubenssätze. Zum Beispiel Folgende:

  • Die meisten Menschen setzen sich zu kleine Ziele.
  • Die meisten Menschen setzen sich zu große Ziele.
  • Ziele sollten realistisch sein. Alles andere ist Traumtänzerei.
  • Nur wenn wir das Unmögliche anstreben, erreichen wir das Mögliche.

Was davon ist nun wahr und wie sollten die eigenen Ziele aussehen? Was denken Sie?

Nun, die Überraschung ist: Alle diese Aussagen sind wahr. Und zwar gleichzeitig. Sie beziehen sich nur auf unterschiedliche Arten von Zielen. Wir teilen Ziele am besten in zwei Gruppen ein: In kurzfristige und in langfristige Ziele. Kurzfristige Ziele sind in weniger als einem Jahr erreichbar, langfristige Ziele benötigen mehr Zeit als ein Jahr. Für beide gelten völlig unterschiedliche Regeln.

Kurzfristige Ziele

Kurzfristige Ziele sind Ziele wie z.B. das Gehalt oder den Umsatz innerhalb eines Jahres um 5 Prozent zu erhöhen, nach China in den Urlaub zu fahren oder die Grundzüge einer Sprache zu erlernen. Kurzfristige Ziele gehen von Ihren jetzigen Fähigkeiten und Möglichkeiten aus. Diese Ziele sind mit nur ein wenig mehr Anstrengung als bisher zu erreichen. Die meisten Menschen setzen diese Ziele jedoch zu groß. Man will die Sprache nach einem Jahr fließend beherrschen, es sollen 20 Prozent mehr Umsatz sein oder 3 große Urlaube.

Natürlich gibt es Menschen, die es schaffen, nach einem Jahr eine Sprache fließend zu beherrschen. Aber diese haben meist schon vorher 5 andere Sprachen gelernt und haben die entsprechende Erfahrung. Oder Sie machen das ganze Jahr nichts anderes. Kurzfristige Ziele sollten grundsätzlich immer vom eigenen Potenzial ausgehen – und dies überschätzen die meisten Menschen. Deshalb sind die meisten kurzfristigen Ziele zu groß.

Um dies zu vermeiden, gibt es zwei Wege. Erstens: Reduzieren Sie die kurzfristigen Ziele um 20 oder auch 50 Prozent. Zweitens: Lernen Sie Ihre aktuellen Fähigkeiten realistischer einzuschätzen. Das beste Mittel hierzu sind eben genau auch die kurzfristigen Ziele. Die Erreichung oder Nichterreichung kurzfristiger Ziele dient nämlich immer auch dazu, die aktuellen Stärken und Schwächen besser einschätzen zu können. Aber Vorsicht: Diese Einschätzung hat natürlich nichts mit Ihren Fähigkeiten in 5 Jahren zu tun!

Warum sollten die kurzfristigen Ziele kleiner sein als bei den meisten Menschen üblich? Das Entscheidende ist, dass Sie diese Ziele erreichen! Jede Zielerreichung verändert Sie. Neuere neurowissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass erreichte Ziele zu mehr Selbstvertrauen und Optimismus führen. Und mit mehr Selbstvertrauen und Optimismus gehen Sie zukünftige Ziele mit mehr Energie an. Wie ich bereits in meinem Beitrag Entscheidungsverfahren in zukunftsoffenen Situationen schrieb, ist das Entscheidende bei Zielen in zukunftsoffenen Situationen die emotionale Verbundenheit. Indem Sie kurzfristige Ziele erreichen, stärken Sie generell Ihre Kompetenz auch zukünftige Ziele zu erreichen. Umgekehrt geraten Sie in eine Verliererspirale, wenn Sie kurzfristige Ziele permanent verfehlen.

Natürlich steht dem oft die Angst entgegen, dass man sich bei zu kleinen Zielen nicht voll anstrengen würde. Und dass dann alles viel zu langsam ginge. Oder man unter seinen Möglichkeiten bliebe. Wer kennt das nicht, dass ein Vertriebsmitarbeiter schon im Oktober seine zu niedrig gesetzten Jahresziele erreicht hat und nun alle potenziellen Umsätze schon mal ins neue Jahr schiebt? Oder dass man von den 1000 für dieses Jahr geplanten Vokabeln einer Sprache die 3, die man an diesem Tag lernen müsste, auf morgen verschiebt, weil 6 Vokabeln am nächsten Tag ja auch machbar sind?

Dieser Gefahr kann man entgehen, indem man kurzfristige Ziele so weit als möglich nicht absolut sondern bezogen auf ein Ranking einer vergleichbaren Gruppe definiert. Was bedeutet das?

Am Beispiel der Sprache. Das Ziel ist, die Grundzüge einer Sprache innerhalb eines Jahres zu lernen. Als Grundzüge definiert man zum Beispiel 1000 Vokabeln, einen bestimmten Satz an grammatikalischen Regeln und die Fähigkeit, beim Lesen des landessprachlichen Bildzeitungs-Äquivalents den Sinn verstehen zu können. Nun könnte man die Zielerreichung jedoch auch etwas anders messen: Man besucht einen Kurs, in dem den Teilnehmern ungefähr diese Kenntnisse innerhalb eines Jahres vermittelt werden sollen. Und dann definiert man als Ziel, dass man zum besten Drittel des Kurses gehören möchte.

Die Größe und somit die Erreichbarkeit des Ziels bleibt in etwa identisch, aber da sich die anderen ja alle anstrengen könnten, bleibt die Motivation die ganze Zeit über bestehen. Man kann nicht einfach zur Jahresmitte aufhören, weil man schon 1000 Vokabeln gelernt hat. Weil die anderen auch nicht aufhören. Zugleich gewährleistet das Vorgehen, dass man sich – bei Auswahl der richtigen Vergleichsgruppe – keine unerreichbar hohen Ziele setzt.

Langfristige Ziele

Entscheidend für unser Leben sind jedoch die langfristigen Ziele. Sie geben unserem Leben Richtung, sind die Basis für Spitzenleistungen und für einen Sinn. Um sich das Verhältnis zwischen lang- und kurzfristigen Zielen besser vorstellen zu können, vergleichen Sie es einfach mit einer Fliege an der Scheibe. Die Fliege läuft ein paar Zentimeter in eine Richtung, dann wechselt sie die Richtung und läuft ein paar Zentimeter in die andere Richtung. Schließlich fliegt sie einen halben Meter, setzt sich wieder auf die Scheibe und läuft in eine dritte Richtung. Sie hat viele kurzfristige Ziele und kommt am Ende fast immer irgendwann dort heraus, wo sie los gelaufen ist. Sie bewegt sich, aber sie kommt nicht voran. Um dies zu vermeiden, benötigen Sie langfristige Ziele.

Langfristige Ziele können überhaupt nicht groß genug sein. Warum das? Nun, es gibt eine ganze Reihe von Gründen.

Erstens sind wir in 5 oder 10 Jahren andere Menschen als heute und haben andere Fähigkeiten und Möglichkeiten. Die meisten Menschen setzen langfristige Ziele zu klein, weil sie dies nicht berücksichtigen. Sie schreiben einfach die Ist-Situation fort. Dabei hat jeder schon erlebt, wie gewaltig sich die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten ändern können. In der dritten Klasse konnte man sich so etwas wie Wurzelrechnung überhaupt noch nicht vorstellen – 5 Jahre später war es normal.

Zweitens prägen sich große Ziele leichter ein. Wie viele tolle Ideen hatten Sie schon in Ihrem Leben? Wie oft wollten Sie zum Beispiel schon 7 Tage irgendwo hin in den Urlaub fahren? Und was ist passiert? Richtig, Sie haben es vergessen. Aber Ihr Traum von einer Weltreise, den Sie seit Jahren mit sich herum schleppen, ist präsent. Ein langfristiges Ziel, das Sie zwischendurch vergessen, ist nichts wert! Deshalb sorgen Sie durch die Größe dafür, dass es nicht geschieht.

Drittens gibt es bei jedem langfristigen Ziel unvorhergesehene Hindernisse. Die Überwindung von Hindernissen ist mit Kosten oder Aufwand verbunden. Warum sollten Sie diese Kosten tragen oder den Aufwand treiben, wenn das Ziel nicht groß und lohnend ist? Genau! Es gibt keinen Grund, für kleine, langfristige Ziele Energie zu verschwenden. Zusätzlich ist entscheidend, dass die Hindernisse kleiner wirken, wenn die Ziele größer sind. Angenommen, Sie haben eine Firma und kein wirklich großes Ziel. Dann kommt eine unerwartete Steuernachzahlung. Diese wird je nach Höhe Ihr ganzes Denken ausfüllen. Angenommen, hingegen, Sie wollen mit Ihrer Firma in 10 Jahren Weltmarktführer werden und es kommt dieselbe Steuernachzahlung. Dann erscheint diese nur als ein winziges Problem auf dem Weg zu Ihrem Ziel.

Viertens steigt die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung mit dem emotionalen Commitment. Je stärker Sie emotional involviert sind, desto mehr werden Sie sich engagieren. Nun ist die emotionale Bindung an kleine Ziele natürlich auch niedriger. Damit ergibt sich die auf den ersten Blick paradox anwirkende Schlussfolgerung: Die Wahrscheinlichkeit, große langfristige Ziele zu erreichen, ist größer als die Wahrscheinlichkeit, kleine langfristige Ziele zu erreichen.

Fünftens glauben Sie sich selbst nicht, wenn Sie sich unverschämt hohe Ziele setzen. Wenn Sie planen, den Umsatz Ihres Unternehmens in 10 Jahren zu verhundertfachen, dann glauben Sie sich das zu Beginn nicht. Das ist entscheidend! Unser Gehirn hat die Angewohnheit, alles zu tun, um Widersprüche aufzulösen. Und bei einem solchen Ziel ist der Widerspruch zwischen Realität und Ziel ganz offensichtlich. Nun könnten Sie entweder das Ziel verkleinern und die Realität lassen, wie sie ist oder Sie können am Ziel festhalten und die Realität verändern.

Wenn Sie eine gewisse Zeit an Ihrem Ziel festhalten (auch wenn Sie sich das in Wirklichkeit nicht glauben), dann passiert Folgendes: Sie beginnen zu überlegen, wie es vielleicht doch gehen könnte. Plötzlich finden Sie Beispiele von Unternehmen wie Google, die innerhalb weniger Jahre sogar zu Milliardenunternehmen geworden sind. Sie treffen einen ehemaligen Schulfreund wieder, der immer schlechtere Noten hatte als Sie und nun ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern führt. Und irgendwann kommen Sie zu dem Punkt, an dem Sie glauben, dass Sie es auch schaffen könnten, wenn die anderen es geschafft haben. Und Sie beginnen zu lernen, wie die anderen dies gemacht haben und beginnen, sich selbst zu verändern. Und damit schaffen Sie die Voraussetzungen, wirklich Ihr Ziel zu erreichen.

Das Entscheidende ist, dass Sie – komme was wolle – an Ihrem großen Ziel fest halten. Und wenn Sie kurz davor stehen, es über Bord zu werfen, dann vergrößern Sie es!

Anzahl der langfristigen Ziele

Mit der Größe der Ziele einher geht die Frage nach der Anzahl der langfristigen Ziele. Es versteht sich von selbst, dass die Anzahl großer, langfristiger Ziele begrenzt sein muss. Sie können in Ihrem Leben nicht 25 großer, langfristiger Ziele verfolgen. Oder genauer: Sie können sie natürlich verfolgen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dann auch nur eines davon erreichen, liegt ziemlich nahe bei Null.

Die meisten wirklich erfolgreichen Menschen hatten genau ein Ziel. Gandhi wollte Indien befreien (und nicht zusätzlich den Kongo oder Algerien). Oliver Kahn wollte der beste Fußball-Torhüter der Welt sein (und nicht gleichzeitig Marathonläufer). Das mag etwas manisch wirken, aber wenn man sich wirklich große Ziele vornimmt, ist dies der effektivste Weg. Zudem wird das Leben einfach: Alles führt entweder zu diesem Ziel hin oder es führt davon weg.

Nun ist dies nicht nach jedermann oder jederfrau Geschmack. Ein Zwischenweg ergibt sich, indem man verschiedene Lebensbereiche für sich definiert, zum Beispiel folgende 7 Bereiche: Persönlichkeit & Lernen, Freude & Emotionen, Partnerschaft & Familie, Freunde & Netzwerk, Körper & Gesundheit, Finanzen & Materielles, Arbeit & Beruf. Und in jedem dieser sieben Bereiche definiert man genau ein Ziel. Damit hat man sieben wichtige Lebensziele. Das ist die Grenze des gerade noch Überschaubaren. Zugleich ist eine gewisse Ausgewogenheit sichergestellt.

Der nächste Schritt

Die Gefahr bei großen Zielen besteht darin, von diesen überwältigt zu werden und nicht zu beginnen. Hier kommt die chinesische Weisheit „Auch eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“ zum Tragen. Egal wie groß oder klein Ihr Ziel ist, wenn Sie jetzt nicht den nächsten kleinen Schritt machen, werden Sie nicht ankommen. Dieses Prinzip ist natürlich völlig unabhängig von der Größe der Ziele, aber bei großen Zielen, die auch lähmen können, besonders wichtig. Bestimmen Sie den nächsten Schritt und gehen Sie ihn. Lenken Sie sich nicht mit dem übernächsten oder dem zweihundertdreiundzwanzigsten Schritt ab. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf den nächsten Schritt.

Um zum obigen Beispiel zurück zu kommen: Sie wollen innerhalb von 10 Jahren Ihren Umsatz (oder Ihr Einkommen) verhundertfachen. Und Sie haben nicht die leiseste Ahnung, wie Sie da hin kommen. Dann können Sie trotzdem den ersten Schritt bestimmen. Suchen Sie zum Beispiel im Internet nach Menschen, die das geschafft haben oder fragen Sie Freunde oder Bekannte danach, ob sie so jemand kennen. Und legen sich dazu eine Liste an. Das ist ein einfacher erster Schritt. Denken Sie an nichts weiter als an diese Liste. Ob und wenn ja, wie Sie mit jemand von dieser Liste Kontakt aufnehmen wollen, ist der übernächste Schritt. Darüber müssen Sie sich aber erst Gedanken machen, wenn Ihre Liste fertig ist. Der entscheidende Punkt ist nämlich: Nachdem Sie die Liste erstellt haben, sind Sie bereits ein anderer Mensch. Sie sind los gelaufen. Sie haben einen ersten Erfolg errungen. Sie haben entdeckt, dass es sehr viele Menschen gibt, die auf Ihrer Liste stehen und Ihr großes Ziel so ungewöhnlich vielleicht gar nicht ist. Und damit wird der nächste Schritt einfacher. Sie trauen sich dann z.B. eher auch jemand auf dieser Liste zu fragen.

Wie Sie Ziele für sich bestimmen und so überarbeiten, dass Sie sie auch erreichen können, erfahren Sie z.B. im Unternehmercoaching. Nehmen Sie Kontakt auf.


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