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Die Fähigkeit, gute Vorsätze umzusetzen

Stefan Merath | 24. Oktober 2017

Aktualisierte Version, Erstveröffentlichung am 05. Januar 2007

Warum ein Beitrag über gute Vorsätze für Unternehmer? Schließlich sind Unternehmer auch nur Menschen wie alle anderen auch. Das heißt, die meisten guten Vorsätze sterben, lange bevor 6 Wochen vergangen sind. Dennoch gibt es zwei wichtige Unterschiede.

Erstens: Wenn ein Vorsatz, wie z.B. mit dem Rauchen aufzuhören, scheitert, ist das schade, aber die Welt dreht sich trotzdem weiter. Bei Vorsätzen von Unternehmern, z.B. endlich mal die Strategie zu überarbeiten, die internen Strukturen zu optimieren, den Außenauftritt zu modernisieren, regelmäßige Mitarbeitergespräche einzuführen oder die Steuererklärungen mal pünktlich zu machen, hat dies in der Regel drastischere Auswirkungen, wenn man sie nicht umsetzt.

Zweitens: Im beruflichen Bereich haben Unternehmer keine direkte Kontrolle. Wenn die angestellte Buchhalterin die Steuererklärung vor sich herschiebt, bekommt sie in der Regel ziemlich schnell ein Problem. Beim Unternehmer selbst gibt es diese Kontrolle oft nicht.

Meist sind es die wichtigen Dinge, die angesichts der vielen dringenden Dinge auf der Strecke bleiben. Die dringenden Dinge werden nämlich im Gegensatz zu den wichtigen meist extern kontrolliert, z.B. durch Kunden. Die Aufgabe besteht jedoch darin, gewohnheitsmäßig die Wichtigen zu machen. In meinen vorigen Beiträgen (Zweite Wachstumshürde, Aufgaben des Unternehmers) habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass es eine der zentralsten (und eine der am häufigsten vernachlässigten) Aufgaben des Unternehmers ist, seine Persönlichkeit zu entwickeln. Wenn dein Unternehmen nämlich wächst, hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du wächst mit und hast Erfolg oder dein Unternehmen wächst dir über den Kopf und du gehst unter. Die Fähigkeit, Vorsätze zum Erfolg zu führen, ist eine der wichtigsten persönlichen Fähigkeiten von Unternehmern. Oder drastisch ausgedrückt: Ein Unternehmer, der, obwohl er seit Jahren um die Schädlichkeit des Rauchens weiß, immer noch raucht, taugt nichts.

Das Tolle ist aber: Diese Fähigkeit kann man lernen.

Ziele

Wenn man mit der Realisierung seiner Vorsätze beginnt, ist das Entscheidende schon gelaufen. Das Entscheidende ist die Zielsetzung. Sie bestimmt zu mindestens zwei Drittel über Erfolg und Misserfolg. Über Zielsetzung ist schon sehr viel geschrieben worden. Deshalb nur stichwortartig die Essentials:

  • Das Allerwichtigste zuerst: Hast du das Ziel aufgeschrieben? Nur durch die Schriftlichkeit bekommst du Klarheit für die nachfolgenden Schritte. Formuliere dein Ziel notfalls bei jedem der folgenden Schritte einmal um, bis es passt. Das ist dir zu mühselig? Dann ist dir dein Ziel nicht wichtig genug. Spare dir den Stress und setze deine Energie lieber für wichtigere Dinge ein.
  • Sind die Ziele klar und haben sie eine Deadline? Das Ziel "Ich werde in der ersten Woche eines jeden Quartals mit jedem meiner Mitarbeiter ein einstündiges Gespräch führen" hat eine deutlich höhere Chance, umgesetzt zu werden als der Vorsatz: "Ich sollte mal öfters mit meinen Mitarbeitern reden." Du siehst schon: Wenn du deine Ziele nicht schriftlich niedergelegt haben, fehlt Ihnen in der Regel schon an diesem Punkt die Klarheit, um festzustellen, ob das Ziel zu der einen oder der anderen Sorte gehört.
  • Definiere wenige Ziele. Am besten nur ein Einziges. Wenn du mehrere Ziele hast, musst du deine Kraft splitten. Und es gilt immer noch: "Voller Einsatz bedeutet voller Erfolg, halber Einsatz bedeutet keinen Erfolg." Wenn du viele Vorsätze hast, dann frag dich: Was davon würde dir am meisten Energie und Freude geben, wenn du es umsetzt? Was erscheint dir am einfachsten? Was würde den größten Entwicklungsschub bringen? Und dann wähle einen dieser Vorsätze aus. Wenn es sich um Vorsätze handelt, die sich auf tägliche Gewohnheiten beziehen, dann kannst du dir alle 6 bis 8 Wochen einen neuen Vorsatz vornehmen. So lange dauert es, bis sich einigermaßen stabile Gewohnheiten herausgebildet haben.
  • Im Gegensatz zur Menge spielt die Größe der Ziele kaum eine Rolle. Ob du dir vornimmst, 10km zu laufen oder beim Marathon mitzumachen, macht keinen wesentlichen Unterschied. Du musst in beiden Fällen konsequent trainieren. Das kann man als Trick benutzen, um mehrere Ziele zusammenzufassen. Wenn du beispielsweise meditierst, laufen und gesünder essen willst, dann kannst du das entweder in drei Ziele packen und damit deine Chance auf Umsetzung drastisch reduzieren oder nur ein einziges, großes Ziel definieren: "Tägliche Umsetzung eines 'Morgenrituals'" – und das Morgenritual enthält eben die anderen drei Ziele. Wenn du dann noch das, was dir die geringsten Schwierigkeiten oder sogar Freude macht, ans Ende packst, steigen die Chancen.
  • Die Ziele müssen widerspruchsfrei sein. Angenommen, du möchtest mit dem Rauchen aufhören. Nun mal dir das Bild eines Nicht-Rauchers aus. Bei vielen Menschen sieht dieses Bild so aus: Du sitzt mit deinen Freunden zusammen und einer bietet eine Zigarette an. Du schüttelst den Kopf. Alle anderen rauchen. Und du bist der Spielverderber, der sich aus der Gruppe heraus gekegelt hat. Klarer Widerspruch zu deinen sozialen Zielen. Wenig motivierend! Dieses Bild ist schon fast eine Garantie für den Misserfolg.
    Neues Bild: Du bist in einer Gruppe, die z.B. Sport macht (oder etwas anderes, bei dem nicht geraucht wird). Und mitten im Spiel unterbrichst du, weil du unbedingt rauchen musst. Jetzt bist du der Spielverderber, weil du rauchst und erntest bestimmt eine Menge unfreundlicher Blicke. Jetzt müsstest du mit dem Widerspruch leben, wenn du alles so lassen würden wie bisher. Übrigens noch ein Grund, warum du dein Zielbild aufschreiben solltest: Nur so kannst du den Schritt zurücktreten und schauen, ob Widersprüche im Ziel versteckt sind.
  • Damit verwandt ist die Frage, welchen Gewinn du davon hast, dein Ziel nicht zu erreichen. Auch hier kann eine simple Änderung des Zielbilds die Antwort darstellen.
  • Wenn dein Ziel sich mit deiner Identität, also der gedanklichen Konstruktion, mit der du dich selbst erklären, beißt, dann hast du kaum eine Chance. Wieder das Rauchen. Wenn du dich als Raucher siehst, wird es sehr schwer. Du musst ja zuerst deine ganze Identität ändern. Und das machen nur wenige Menschen gerne. Aber hast du mal darüber nachgedacht, dass du als Nichtraucher auf die Welt kamen? Dass du Nichtraucher bist, der nur mal eine Zeitlang rauchte? Und damit gegen seine Identität handelte? Das entspricht in etwa der alten Frage nach dem halb leeren oder halb vollen Glas – nur eben bezogen auf die eigene Identität.
  • Die Ziele müssen attraktiv sein. Nichtraucher ist gar nichts. Damit hast du nichts gewonnen. Etwas nicht zu tun, ist nicht attraktiv. Finde neue Etiketten. "Gesund-Atmer" klingt zwar bescheuert, aber weckt ein anderes Bild. Stell dir folgendes Bild vor: Du wachst morgens im Dunkeln auf. Deine rechte Hand greift zur Zigarette. Und die linke Hand gibt der rechten einen Klaps: "Tu das mal besser nicht!". Klingt für mich ziemlich schizophren. Nun stell dir folgendes zweite Bild vor: Du wachst morgens auf. Die Sonne scheint in dein Zimmer. Du trittst auf den Balkon und atmest in tiefen Zügen die frische Luft ein. Welche der beiden Varianten ist attraktiver?
  • Sinn. Wenn du es schaffst, dein Ziel in einen übergeordneten Zusammenhang einzubetten, der für dich eine große Bedeutung hat, dann hast du einen wichtigen Schritt gemacht. Wenn es dir wichtig ist, ein großes Lebenswerk zu hinterlassen, dann bist du eher zu notwendigen Änderungen bereit als wenn es dir nur darum geht, das Geld für deinen Lebensunterhalt zu verdienen. Schaffe also große Visionen mit einer hohen Anziehungskraft. Oder nutze, falls du faul bist, vorhandene Visionen (Religion, Ökologie etc.) für dich ;-)
  • Lasse einen Experten auf dein Ziel oder deinen Vorsatz schauen. Experte ist jeder, der das, was du vorhast, schon erfolgreich gemeistert hat. Notfalls auch jemand, der dabei schon zehn Mal gescheitert ist - vorausgesetzt er hat aus dem Scheitern gelernt. In der Regel haben diese Leute ein ziemlich gutes Gespür, was funktionieren kann und was nicht.

Letztlich geht es in allen Punkten darum, einen klaren gedanklichen und bildlichen Kristallisationskern mit einer starken und eindeutigen emotionalen Anziehungskraft zu schaffen. Gelingt Ihnen dies, dann geht der Rest zwar nicht ganz von alleine, aber doch wesentlich einfacher. Mit dem Willen allein kommst du nämlich nur ein bis vier Wochen weit. Gewohnheiten bilden sich aber erst nach etwa sechs bis acht Wochen heraus. Die emotionale Anziehungskraft des Zielbilds ist das Mittel zur Überwindung der Lücke.

Die Rahmenbedingungen

Du hast deinen Vorsatz gefasst. Ganz fest hast du dir vorgenommen, das lange liegen gebliebene Marketing-Konzept zu erstellen. Du schaltest deinen Computer an, holst dir eine Tasse Tee, machst die Türe zu, startest deine Textverarbeitung, starrst auf den leeren Monitor und in diesem Moment klingelt (zum Glück) das Telefon. Ein Kunde möchte ein Angebot haben. Du denkst dir: Umsätze sind auch gut. Und so erstellst du ein Angebot. Auch gut. Aber leider bist du deinem Vorsatz kein Stück nähergekommen. Bei Lichte besehen hast du dich sogar davon entfernt. Denn du hast gelernt: Unterbrechungen sind ein gutes Mittel, um dem Anblick einer leeren Seite zu entgehen.

Der entscheidende Punkt ist natürlich überhaupt nicht das Telefon. Der entscheidende Punkt ist, wie du auf das Klingeln reagierst. Hast du dein Telefon einfach mal klingeln lassen? Bist nicht drangegangen? Kleiner Tipp, falls Ihnen nichts einfällt: Du verbringst gerade einen schönen Abend mit deinem Partner/deiner Partnerin. Das Telefon klingelt. Du stehst jetzt auf: "Moment, Liebling, vielleicht ist es was Wichtiges"? Es ist also keine Frage des Klingelns, sondern eine Frage deiner Prioritäten und deiner Glaubenssätze.

Prioritäten: Ist es dir wichtiger, das Angebot zu erstellen oder ist es dir wichtiger, deine Vorsätze umzusetzen. Wenn es dir wichtiger ist, das Angebot zu erstellen, dann brichst du die ganze Vorsatz-Aktion am besten gleich ab. Ein Vorsatz, der dir nicht wichtig ist, lohnt den Stress nicht.

Glaubenssätze: Wir alle arbeiten mit gewissen Regeln. Teilweise extrem sinnlosen Regeln. Eine dieser Regeln ist: Wenn das Telefon klingelt, muss ich drangehen. Dann hat weder das Marketing-Konzept noch das Angebot die höchste Priorität, sondern deine Regel: 'Ich muss ans Telefon gehen, wenn es klingelt'. Das war in den Frühzeiten des Telefons vor über 100 Jahren sicher eine kluge Regel: Es hat nämlich einmal pro Monat geklingelt. Dann konnte man sich ziemlich sicher sein, dass jemand ein Kind bekommen hatte oder jemand gestorben war. Aber heute? Und was bitte, hat diese Regel mit deinen Zielen zu tun? Verwirklichst du schneller deinen Traum, wenn du immer ans Telefon gehst? Kaum! Glaubenssätze oder Regeln lassen sich ändern. Methoden findest du z.B. im NLP.

Dann gibt es noch eine andere Sorte von äußeren Einflüssen: Die Ausnahmen und Verlockungen. Du hast dir ganz fest vorgenommen, nicht mehr zu rauchen. Dann verbringe einen schönen Abend mit deiner Partnerin/deinem Partner. Und weil es so schön war, rauchst du zur Krönung die Zigarette danach. Der Haken: Das Zielbild war wieder falsch. Das Rauchen ist immer noch mit Freude verknüpft. Das Gegenkonzept: 'Selbstdisziplin ist die Kunst, in dem, was man für richtig erkannt hat, Freude zu empfinden' – und in dem, was man für falsch erkannt hat, Schmerz zu erleiden. Wieso bitte soll es schön sein, den Partner mit Zigarettenqualm voll zu stinken?

Die Essentials hieraus: Die Außeneinflüsse sind nicht das Problem. Das Problem ist deine Art der Reaktion (Gedanken, Gefühle und Handeln) auf die Umwelteinflüsse. Auch hier gilt: Wenn du in Versuchung geführt wirst, dann schreibe die Versuchungen auf. Warum, erkläre ich später.

Methoden

Methoden gibt es wie Sand am Meer. Wenn dein Ziel nicht klar, widerspruchsfrei und verlockend ist, helfen sie alle nichts. Falls es das aber ist, können sie unterstützen. Im Folgenden eine Auswahl an Methoden:

  • Wenn du etwas ändern willst, dann beginne innerhalb von 72 Stunden damit. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit kleiner als ein Prozent, dass du überhaupt damit beginnst. Je schneller du etwas umsetzt, desto einfacher ist es. Sonst lernst du nur: Wenn du es nicht tun, kannst du auch leben. In diesem Zusammenhang ist das leider das falsche Lernergebnis.
    Besser noch als 72 Stunden: Du beginnst jetzt. Genau in diesem Moment. Und wenn du dir jetzt nur einen Termin in deinen Kalender einträgst.
  • Bei längerfristigen Vorhaben, wie z.B. täglich zehn lästige Kaltakquiseanrufe zu machen, hilft der sportliche Ansatz. Hänge eine große Anzeigetafel auf. Ein DIN A0-Plakat ist genau richtig. Größer geht auch. Mitten in deinem Sichtfeld. Und vermerke dir dort die Erfolge. Excel-Tabellen oder CRM-Systeme mit dieser Funktion kannst du vergessen. Die siehst du nämlich nicht. Zumindest dann nicht, wenn die Ablenkungen kommen. Das ist, wie wenn beim Handballspiel der Schiedsrichter auf einem kleinen Notizblock eine Strichliste für die Tore macht, aber niemandem davon erzählt.
  • Unser Gehirn reagiert mit Vorliebe auf äußere Ereignisse. Du sitzt an deinem Marketing-Konzept. Das Telefon klingelt. Du gehst ran. Dumm gelaufen.
    Es gibt zwei Ansätze dafür. Erstens, blockst du unerwünschte äußere Ereignisse ab: Wenn du eine Sekretärin hast, dann lässt du einfach keinen Anruf durchstellen. Falls du keine hast, ziehst du den Stecker aus der Telefondose. Zu radikal? Dann solltest du noch mal darüber nachdenken, welche Priorität dein Vorsatz eigentlich hat.
    Der zweite Ansatz: Schaffe dir die gewünschten äußeren Ereignisse. Hänge ein DIN A0-Plakat mit der Aufschrift "Marketing-Konzept" in dein Sichtfeld. Oder lasse deine Sekretärin einmal pro Stunde anrufen und nach dem Stand des Marketing-Konzepts fragen. Übrigens ist das auch wieder ein Grund dafür, warum es sinnvoll ist, wenige Ziele zu haben: Stelle dir vor, du bekämst zwanzig Kontrollanrufe pro Stunde...
  • Schaff dir externe Kontrollen. Wenn ein Kunde etwas will, nimmst du das normalerweise ernst. Für die wichtigen Dinge, wie die Optimierung der internen Strukturen, hast du normalerweise leider keinen Kunden. Also schaffst du dir einfach einen. Mache einen Vertrag mit jemandem. Bei Erfüllung in der vereinbarten Zeit gibt's eine Belohnung. Sonst eine Strafe. Allerdings solltest du dafür jemanden auswählen, der sich nicht einfach von deinen Ausreden, warum es im speziellen Fall mal wieder nicht ging, überzeugen lässt. Eine prima Kontrolle ist z.B. ein Unternehmercoach. Für manche Fälle ist auch die Öffentlichkeit oder Presse geeignet: Wenn dein Vorhaben berichtenswert ist, dann kündige es vorher an. Das wäre ganz schön peinlich, dann nichts zu tun. Oder?
  • Erscheinen deine Ziele zu gewaltig? Zerteile sie! Du willst ein Buch schreiben und kannst das nicht? Macht nichts, schreibe ein Kapitel! Geht immer noch nicht? Dann schreibe ein Absatz oder einen Satz. Klappt auch nicht? Dann schreibe ein Wort oder einen Buchstaben. Das kann jeder. Auf die Art ist Hubert Schwarz mit dem Fahrrad in 80 Tagen um die Welt gefahren. Im Sandsturm, noch 17.000 km vor sich, hat er sich nur auf den nächsten Kilometer konzentriert. Einen Kilometer noch, zweieinhalb Minuten. Das ist zu schaffen! Und dann den nächsten Kilometer.
    Kluge Kritiker wenden jetzt ein, dass aus einer Folge von Buchstaben nicht automatisch ein Buch wird. Das stimmt. Aber aus einer Folge von keinen Buchstaben wird automatisch kein Buch. Deine Chancen steigen also erheblich, wenn du es über den Weg der Buchstaben versuchst.
  • Schaffe dir eine effektive Arbeitsplanung und lerne, diszipliniert nach dieser vorzugehen. Damit kannst du auch in Zukunft fast alle Vorhaben umsetzen: Es gibt dir einen stabilen und dauerhaften Rahmen.
  • Protokolliere deine Erfahrungen, sobald dir etwas schwerfällt oder du vom Weg abkommst. Das bildet die Grundlage, es beim nächsten Mal besser zu machen.
  • Die mit Abstand wichtigste Methode jedoch ist: Suche dir einen Experten, einen Coach, einen Mentor, einen, der das, was du tun möchtest gut kann. Ein Experte braucht nicht unbedingt ein Schild mit der Aufschrift "Experte": Experte ist auch jemand, der vor 5 Jahren erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört hat.
    Letztlich geht es bei allen Vorsätzen darum, zu lernen. Lernen heißt nicht, schulisches Wissen in sich hinein zu pauken, sondern lernen heißt, anders zu handeln. Und die mit Abstand effektivste Lernmethode ist die Imitation, schlichte Nachahmung. Alle möglichen neueren Forschungen, angefangen vom Konzept der Spiegelneuronen bis hin zur Memetik bestätigen dies. Imitiere einen Experten. Unter einem Experten verstehe ich auch einen Experten und nicht einen, der zu diesem Zeitpunkt dieselben Probleme hat wie du: Dann imitierst du schlechte Angewohnheiten.
    Vielen kommt das Hinzuziehen eines Experten wie das Eingeständnis einer Schwäche vor. Aber wer im Sport auf den Experten, auf einen Coach verzichtet, ist und bleibt ein Amateur. Wer bei der Umsetzung auf Experten in seinem Umfeld verzichtet, reduziert seine Erfolgschance um den Faktor 10 und ist ebenfalls ein Amateur. Leider ist die Zeit, in der man Unternehmen wie ein Amateur führen konnte, vorbei.

Umgang mit deinen Ergebnissen

Am Ende des Tages gibt es drei mögliche Resultate – nicht nur zwei. Du hast deinen Vorsatz umgesetzt wie geplant oder du hast deinen Vorsatz nicht so umgesetzt wie geplant. Und als dritte Möglichkeit: Du hast ihn besser umgesetzt als geplant. Die letzte Möglichkeit ist nicht ganz unwichtig. In aller Regel verweist sie auf bislang unentdeckte Chancen oder Stärken. Davon gibt es bei allen Menschen mehr als sie glauben. Leider achtet man nicht darauf, wenn man nur zwei mögliche Ergebnisse im Blickfeld hat. Unentdeckte Chancen und Stärken können dir dabei helfen, die nächsten Vorsätze noch besser umzusetzen.

Wenn du deinen Vorsatz genauso wie geplant oder besser als geplant umgesetzt haben, solltest du es feiern. Und dann, du weißt schon: Aufschreiben!

Bleibt als letztes mögliches Ergebnis das Scheitern. Der Punkt ist: Es gibt kein Scheitern an sich. Es gibt falsche Erklärungsmuster, aber ein Scheitern gibt es nicht. Du kannst aus jedem Misserfolg für den Erfolg lernen. Die Frage, ob du liegen bleibst oder nicht, hängt davon ab, wie du das Ergebnis interpretierst.

Noch einmal – weil's so schön einfach ist – als Beispiel das Rauchen. Du hattest den Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören. Das ging eine Woche gut.Du hast dich richtig gequält. Und nach einer Woche dann die Erlösung, das 'Durchatmen': Die erste Zigarette und du fängst wieder an. Natürlich hast du nicht nur durchgeatmet, sondern dich auch verflucht: Mist, ich pack das nicht. Oder: Ich bin nicht diszipliniert genug (in anderen Fällen: ich habe eben kein Talent, ich bin ein Pechvogel, das ist nicht meine Stärke usw.). Das Dumme daran ist: Unser Gehirn glaubt jeden Schwachsinn, wenn du ihn oft genug wiederholen. Irgendwann bist du ernsthaft davon überzeugt, dass du wirklich kein Talent oder keine Disziplin hast. Mit dem Ergebnis, dass der nächste Versuch noch viel schwieriger wird. Dann hast du wirklich ein Problem. Das hat aber nichts mit dem Scheitern selbst zu tun, sondern mit deiner Erklärung des Ergebnisses.

Der Psychologe Martin Seligman nennt dies erlernte Hilflosigkeit. Sie schlägt immer dann zu, wenn du Probleme global, zeitlich unbegrenzt und durch Defizite deiner Persönlichkeit/Identität erklärst. Aber: Erklärungen kann man ändern.

Also formuliere deine Interpretation des Ergebnisses um. Damit du das machen kannst, benötigst du deine Interpretation wieder schriftlich vor dir. Schritt eins: Nicht global, sondern spezifischer. Statt 'Ich bin nicht diszipliniert genug' interpretierst du das Ergebnis so: 'Ich bin beim Rauchen aufhören nicht diszipliniert genug' (aber sonst schon). Schritt zwei: Nicht zeitlich unbegrenzt, sondern zeitlich klar definiert. Also: 'Ich war bei diesem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, nicht diszipliniert genug' (das nächste Mal könnte es aber besser klappen). Klingt doch schon freundlicher! Schritt drei: Weg von der negativen Identität "nicht diszipliniert sein" (und stattdessen hin zu suboptimale Handlungen). Also in diesem Fall: 'Ich bin diszipliniert, aber bei diesem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, habe ich wohl nicht alles richtig gemacht.' (und anders handeln geht einfacher als anders sein).

Kommt dir wie ein Taschenspielertrick vor? Du musst wiederum nur an das halb volle und an das halb leere Glas denken: Du hast nämlich eine Woche lang mit dem Rauchen aufgehört. Dabei warst du diszipliniert. Du hast dabei eine Woche lang gelernt, wie du mit deinem Schweinehund umgehen kannst. Klar, im ersten Moment des Scheiterns sieht man das nicht. Und das ist wieder ein Grund, warum du Vorsätze schriftlich planen und bei der Umsetzung schriftlich begleiten solltest. Dann kannst du im Falle des unbefriedigenden Ergebnisses aus deinen Erfahrungen gezielt lernen und es das nächste Mal besser machen.

Wenn du aus diesem Beitrag nur drei Dinge mitnehmen willst, dann sind es diese: Mache erstens alles Wichtige schriftlich, suche dir zweitens einen Experten und lasse drittens alles Unwichtige bleiben – es kostet nur unnötige Energie.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vorhaben!

 

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