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Fachartikel von Stefan Merath

Vom Mythos Selbstdisziplin

Stefan Merath | 12. Oktober 2009

Änderungen sind halt schwierig...

Jeder hat an sich schon mal erlebt, wie schwierig die Änderung des eigenen Verhaltens ist. Ob es Dinge betrifft, die man nicht mehr tun will (Rauchen, Trinken, etc.) oder Dinge, die man in Zukunft tun will (Ordnung halten, Zeitmanagement einführen etc.), ist eigentlich völlig egal. Meist klappt es in den ersten Tagen ganz gut – wenn auch unter hohem psychischen Aufwand. Nach einigen Tagen bis spätestens 3 Wochen erlahmt die Energie und die alten Verhaltensweisen setzen sich wieder durch.

Da solche Rückfälle nicht unbedingt dem eigenen Selbstbild förderlich sind, wird dann nach Gründen gesucht. „Die Änderung des eigenen Selbst ist halt schwer und ein langfristiger Prozess“. Dafür werden dann „Ergebnisse“ aus der Wissenschaft (aktuell vor allem aus den Neurowissenschaften) heran gezogen, die genau das belegen sollen, nämlich, dass man sich gar nicht so schnell ändern kann. Geht man ins Detail, so findet man hinter diesen Wissenschaftlern und ihren Verfechtern oft Menschen, die sich selbst nicht in den Griff bekommen und deshalb nach Gründen suchen. Da der menschliche Geist bei nichts so findig ist, wie beim Erschaffen von Ausreden, gibt es auch genügend „Forschungs“ergebnisse, die diese Meinung stützen.

Fakt ist, dass Selbstdisziplin oder Willenskraft eine begrenzte Ressource ist. Experimente zeigen, dass jemand, der für eine Aufgabe seine ganze Willenskraft einsetzen musste, bei einer nachfolgenden Aufgabe, die ebenfalls Willenskraft erfordert, schlechter performt, als jemand, der frisch und ausgeruht ans Werk geht. Disziplin erlahmt also mit der Zeit.

Fakt ist auch, dass sich Willenskraft trainieren lässt wie ein Muskel. Marathonläufer trainieren das dauernd.

Und Fakt ist schließlich, dass Willenskraft selten über 4 oder mehr Wochen ununterbrochen anhält. So lange braucht man aber mindestens, um neue Gewohnheiten zu bilden. Mit anderen Worten: Willenskraft ist ein klasse Instrument, um mal einen Tag durchzuschuften auch wenn man am liebsten im Bett bleiben würde, also eine kurze Durststrecke zu überbrücken. Aber Willenskraft ist ein beschissenes Instrument, wenn es darum geht, das eigene Verhalten langfristig zu ändern.

Versucht man häufig und pausenlos, langfristige Änderungen mit Disziplin umzusetzen, tritt sogar das Gegenteil des Erwünschten ein. Irgendwann ist man so fertig und ausgelaugt, dass man die eigene Disziplin nicht mal mehr nutzen kann, um einen Tag durchzuschuften.

Haben die Anhänger der These „Der Mensch kann sich halt nur schwer ändern“ also Recht? Insofern Selbstdisziplin als die einzige Methode erscheint, sich selbst zu ändern: Ja! Und im allgemeinen Bewusstsein erscheint Selbstdisziplin oft als die einzige Methode. Das ergibt sich unmittelbar aus der üblichen Methode der Zielerreichung. Man setzt sich ein Ziel, dann teilt man dieses in Teilschritte auf, macht schließlich einen Plan und setzt den um. Wenn’s dann nicht klappt, war entweder das Ziel „unerreichbar“, der „Plan fehlerhaft“ oder die „Disziplin fehlte“. Nach diesem Modell scheint man ohne Disziplin gar kein Ziel erreichen zu können! Zum Glück ist das Bullshit! ;-)

Disziplin ist nämlich glücklicherweise nicht die einzige Methode. Es gibt Menschen, die hören von einem Tag auf den anderen auf zu rauchen ohne sich dabei anzustrengen. Es gibt andere, die von einem Tag auf den anderen ihre Ernährung komplett umstellen ohne sich anzustrengen. Es gibt andere, die sich von einem Tag auf den anderen vom Faulenzer zum Motor eines Projekts entwickeln. Die Frage ist: Wie machen die das?

Wie machen die das?

Picken wir uns ein paar Beispiele heraus. Jürgen Höller sagt: Stellen Sie sich vor, ich halte Ihnen eine Pistole an die Schläfe und drücke ab, sobald Sie rauchen. Fällt ihnen das Nichtrauchen schwer? Braucht es Disziplin dazu? Natürlich nicht!

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten von Ihrem Arzt die Diagnose, dass Sie an einer unheilbaren Krebsart erkrankt seien und noch 2 Monate zu leben hätten. Bei einer Recherche im Internet finden Sie Erfahrungsberichte von anderen, die dieselbe Diagnose hatten und die mit einer bestimmten Art von Ernährung dem Tod von der Schippe gesprungen sind. Fällt es Ihnen da schwer, Ihre Ernährung umzustellen? Natürlich nicht!

Nach demselben Muster werden zerstörerische Beziehungen beendet, erstehen tot geglaubte Unternehmen wieder auf oder werden sonstige Verhaltensweisen geändert.

Das Muster ist immer dasselbe: Der Mensch will Freude empfinden und Schmerz vermeiden, wobei die Schmerzvermeidung meist wichtiger ist als die Lust auf Freude. Und der nahe kleine Schmerz wichtiger als der weit entfernte große Schmerz. Zu Deutsch: Um wirksame Veränderungsprozesse einleiten zu können, müssen Sie bei der Vorstellung, alles bliebe wie bisher, heftigen kurzfristigen Schmerz empfinden. Sie brauchen einen tiefen emotionalen Grund für die Veränderung. Haben Sie diesen, brauchen Sie keine Disziplin mehr.

Heftige kurzfristige Freude geht natürlich auch. Wenn Sie frisch verliebt sind, brauchen Sie keinen detaillierten Plan, um der geliebten Person Nähe zu geben und mitzuteilen, dass Sie da sind. Sie brauchen auch keine Disziplin. Es ist einfach ein inneres Bedürfnis, das vorher nicht da war und jetzt dazu führt, alle 10 Minuten eine SMS zu schreiben, was sie vorher selbst mit Disziplin nicht hinbekommen hätten. Die Frage, wann Schmerz und wann Freude besser wirken, kann man in erster Näherung so beschreiben: Um eine Gewohnheit (ein Glaubenssatz etc.) aufzugeben, funktioniert Schmerz besser. Um eine neue Gewohnheit zu etablieren, Freude.

Und wenn Sie ehrlich sind und in Ihrem Leben eine Situation betrachten, in der Sie eine heftige Kehrtwendung eingeleitet und Gewohnheiten aufgegeben haben, dann war es fast nie Disziplin, sondern praktisch immer die simple Tatsache, die bestehende Situation einfach nicht mehr auszuhalten.

Das falsche mentale Modell

Um den Unterschied deutlich zu machen, ein schon mehrfach von mir verwendetes Beispiel: Im amerikanischen Football werden unter anderem Pässe geworfen. Einer wirft, einer fängt. Nun beobachteten die Trainer, dass die Fänger ganz langsam los trabten, dann immer schneller wurden und zum Schluss nach dem Ball hechten mussten. Sie überlegten nun, dass die Fänger, wenn sie bereits zu Beginn schnell laufen würden, am Ende nicht hechten müssten und demzufolge eine bessere Fangquote hätten. Entsprechend trainierten sie dies jahrzehntelang. Aber die Ergebnisse wurden trotz aller Bemühungen nicht besser sondern schlechter.

Verrückt! Da trainiert man jahrzehntelang und dann werden die Ergebnisse schlechter! Der Punkt ist der: Die Trainer gingen von einem bestimmten mentalen Modell aus. Und zwar nahmen sie an, dass die Fänger wussten, wo der Ball herunter kommen würde – ein kurzer Blick nach oben würde genügen, um den Zielpunkt intuitiv zu berechnen. Und dann ginge es nur noch darum, so schnell wie möglich da hin zu kommen.

In der Wirklichkeit passiert etwas anderes: Der Fänger weiß NICHT, wo der Ball runter kommt, aber er hat eine einfache unbewusste Regel: Ich versuche immer den Ball am gleichen Punkt in meinem Gesichtsfeld zu halten. Steigt der Ball in meinem Gesichtsfeld, laufe ich langsamer, sinkt er, laufe ich schneller. Bewegt er sich nach links, bewege ich mich auch nach links und bewegt er sich nach rechts, dann mache ich das auch. Fertig! Wird der Ball nicht zu schnell, treffen sich Fänger und Ball immer.

Genauso ist’s mit der Disziplin. Der Glaube an die Disziplin gehorcht dem mentalen Modell, dass Zielsetzung und Umsetzung zwei getrennte Prozesse wären. Und wenn ich den Ball nicht fange, dann muss ich halt noch disziplinierter sein – und erreiche dann meist noch schlechtere Ergebnisse. Die Sache mit dem Schmerz (oder der Freude) ist hingegen eher eine Art Regel, die in jedem Moment automatisch eine Anpassung Ihrer Handlungen bewirkt. Ohne dass Sie bewusst darüber nachdenken müssten.

Wie man gekonnt Schmerzen empfindet... ;-)

Jetzt denken sich sicher manche: Ich bin doch kein Masochist. Da spiele ich nicht mit. Aber mal ehrlich: Sie sind schon mitten im Spiel! Nur erscheinen die Schmerzen meist so weit entfernt, dass sie nicht zu Handlungen führen.

Ich war kürzlich auf einem genialen Seminar bei Anthony Robbins (das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann: Unleash the power within) und erfuhr am eigenen Leib die Macht dessen, was er den Dickens-Prozess nennt.

Der Dickens-Prozess ist benannt nach der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. In Kürze: Der Held Scrooge ist ein alter einsamer Geizhals, der die Menschen um sich herum quält und ausnutzt. In der Nacht vor Weihnachten erscheinen ihm 3 Geister. Der Geist der Vergangenheit, der Geist der Gegenwart und der Geist der Zukunft. Alle drei Geister zeigen ihm – sehr emotional – was in der Vergangenheit schmerzhaft war, wie dunkel die Gegenwart ist und wie rabenschwarz die Zukunft sein wird. Scrooge hält dies schließlich nicht mehr aus und – ändert sich.

Der Punkt ist: Jeder kann seine eigene Weihnachtsgeschichte durchleben. Ich muss nicht erst die Diagnose für die sicher tödliche Krebserkrankung bekommen. Ich kann in meiner Vorstellung meine Zukunft in 1, 3, 5, 10 oder 20 Jahren emotional(!) durchleben. Und spüren, wie sich das anfühlt, wenn ich nichts ändere. Ich kann diesen Schmerz, den man normalerweise bewusst ausblendet (jeder Raucher kennt das Bild der Raucherlunge, will es aber emotional nicht wahrhaben), bewusst an mich heranlassen und überzeichnen. Ich kann meine Raucherlunge in 20 Jahren visualisieren. So stark, dass die Emotionen in jedem Augenblick präsent sind. Und dann von einem Moment auf den anderen meine Verhaltensweisen ändern. Einfach so. Ohne jede Disziplin. Aber Achtung! Das ist ziemlich schmerzhaft...

Ich nehme übrigens immer Bilder eines Rauchers oder aus dem Sport, weil das so schön einfach ist. Es lässt sich aber auch übertragen: Wie fühlt sich das an, wenn ich als Unternehmer die nächsten 3 oder 5 oder 10 Jahre weiter 80 Stunden pro Woche arbeite und mich nur um Fachkraftaufgaben statt um Unternehmeraufgaben kümmere? Wie fühlt sich das an, mit einem Mitarbeiter von dem man nicht so recht überzeugt ist, auch noch in 1, 3, 5, 10 oder gar 20 Jahren zusammen zu arbeiten? Wenn man diese Fragen so stellt und das oft spontan auftauchende Bauchgefühl wirklich an sich heranlässt, führt die viel effektiver zu Änderungen als Disziplin.

Das mag merkwürdig klingen, aber es funktioniert! Für einen selbst. Aber auch als Muster für Änderungen in Unternehmen. Typischerweise werden Änderungen folgendermaßen angegangen. Es gibt irgendeinen Anlass, z.B. einen Umsatzrückgang um 10 Prozent. Das will der Unternehmer nicht, also soll etwas geändert werden. Dann werden Ziele entwickelt, Pläne gemacht und irgendwo in der Umsetzung wird das Ganze begraben. Natürlich! Denn auch hier ist das mentale Modell falsch.

Wem tut der Umsatzrückgang weh? Dem Unternehmer (oder den Anteilseignern), vielleicht noch nach Provision bezahlten Vertrieblern. Aber sonst? Die meisten blenden doch aus, dass es ihren Job betreffen könnte. Das ist wie mit der Raucherlunge. Das Ergebnis: Es fehlt bereits zu Beginn die Energie beim gesamten Team. Die Änderung wird fast sicher auf dem Weg hängen bleiben!

Der entscheidende Punkt für Änderungen sind also weniger die klaren Ziele und erst recht nicht die detaillierten Pläne, sondern die tiefen emotionalen Gründe bei allen Beteiligten. So tief, dass keiner mehr den gegenwärtigen Zustand aushält. Und diese Gründe können und müssen Sie bewusst schaffen und am leben halten. Genauso wie Sie für sich selbst die Emotionen durch die Geister der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hervorrufen können, können Sie es auch bei Ihren Mitarbeitern.

Wie das genau geht (und wie man auch neue Gewohnheiten durch Freude etabliert), ist dann wieder ein eigenes Thema. Mehr dazu im Seminar Storytelling.


Kommentare

Hochinteressante These! Nach dem Lesen dieser Zeilen fühle ich mich bestätigt in meiner Redewendung als Inhaber, Berater und Verkäufer, dass "nur der seinen Weg ändert, der wirklich Schmerzen bisher hatte...". Es ist wirklich so: Wenn die Nutzenargumente für ein Produkt nur "nett" oder "interessant" für den Kunden sind, dann wird es in aller Regel kein ABSCHLUSS geben! Nur wenn der Kunde das Produkt wirklich deswegen "haben will", weil er seine übergrossen Schmerzen endlich loswerden möchte, dann gibt es eine echte Chance zu verkaufen. Ich wende hier immer das "Storytelling" an: Also, ich erzähle dem Kunden schlimme, grauselige Geschichten aus meiner langjährigen Praxis, wenn er nichts an seiner Situation ändert. Durch offene Fragen bringe ich den Kunden dann in die Geschichte mit ein und er fühlt plötzlich an eigenem Leib die Wirkung und wie er sich dann in einer solchen Situation fühlt bzw. wie sich das anfühlt. Fakt ist: Wir können keinem etwas verkaufen, was er nicht dringend braucht. Die Voraussetzun g zum "dringenden Brauchen"...sind Schmerzen!
Seit nunmehr 25 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema "Abnehmen" - als Trainer, Coach, Seminarleiter. Ich selbst nahm damals "einfach so" in 6 Monaten 42 kg ab, nachdem ich vor einem Spiegel eine schmerzhafte Erfahrung machte: mich zu erkennen, wie ich war. Fett, übergewichtig, nicht leistungsfähig. Bis heute bin ich schlank. Weshalb?

Für mich reduziert sich, bezogen auf dieses Spezialgebiet Körperfettabbau, fast alles auf diesen "Urschmerz", wenn jemand nachhaltig Erfolg haben (=Abnehmen) will.

Sich WIRKLICH ZU ERKENNEN ("Ich bin fett, fett, fett!"), sich WIRKLICH UNWOHL ZU FÜHLEN ("Warum bin ich nicht mehr leistungsfähig, belastbar und gesund? Und warum schauen die Frauen den Adonis-Arsch dahinten ständig an?").
Ernährungshinweise und Bewegungsprogramme stellen lediglich Werkzeuge dar.

Diese Werkzeuge wende ich aber erst dann dauerhaft (und damit erfolgreich) an, wenn ich mich so richtig schlecht in meiner Haut fühle.

Dafür muss man nicht erst krank werden...
An sich ein interessanter Artikel - aber Wörter wie wie "beschissen" oder "bullshit" haben dort meiner Meinung nach nichts zu suchen; zumindest dann nicht, wenn der Bericht einigermaßen seriös herüber kommen soll. Schade.
Ich finde den Artkel sehr aufschlussreich, sehe aber (wie im 2. Kommentar zu diesem artikel) das Problem, daß man, um wirkliche Schmerzen zu erfahren, sich bereits in einer Situation >befinden
...für mich hört sich das alles interessant an. Meiner Meinung nach fehlen aber mindestens zwei wichtige Aspekte:
- die Freude am Leben und an Ergebnissen (Schmerz ist bestimmt ein wirkungsvoller Motivator, aber leben wir nicht viel lieber mit Belohnung als mit Strafe?)
- Begegnung mit anderen Menschen (es wurde richtig erkannt, dass Emotionen mindestens so wichtig sind wie Wissen - da wo andere Menschen ins Spiel kommen, können sich diese viel besser entfalten als alleine!)
Viel Spaß beim Nutzen Eurer Möglichkeiten!
Schmerzen allein genügen nicht! Manche Menschen werden durch den Schmerz gelähmt und entmutigt, sie bräuchten Freude, um sich diszipliniert zu verhalten.
Interessante These - leider hört der Artikel da auf, wo es spannend wird: Ich fühlte mich gleich erinnert an die "Defensiven Routinen" von Chris Argyris. Das einmal in Zusammenhang zu bringen, wäre hochinteressant.

Die Schlussfolgerungen könnte sein: Warum Selbstdisziplin ein Mythos ist?
1. Weil Ausreden nichts weiter als Abweisungen von eigener Schuld sind - die jedoch begründet sind auf Blinde Flecke und unbewusster Abwehr von potentiell existentiellen Bedrohungen.
2. Weil das Beibehalten des ursprünglichen Verhaltens sich selbst verstärkt (gerade bei Menschen, die nicht die Last der unternehmerischen Verantwortung persönlich tragen).

... und natürlich weitere, die jetzt aber auszuformulieren den Rahmen sprengen würden, um sie nachvollziehbar zu machen.
Ich sehe es ähnlich wie der vorvorherige Schreiber:

Der Gedanke an Schmerz ist ein schlechter Motivator, zudem bleibt das, was man vermeiden möchte, immer im Blickfeld (was bewirkt: "Denke *nicht* an einen rosa Elefanten"? - analog dazu: "rauche jetzt *nicht", denn es bereitet Schmerz")

Schönstes Beispiel ist das Rauchen: bei dem ein oder anderen Raucher hat sich rumgesprochen, dass Rauchen möglicherweise nicht ganz gesund ist - und trotzdem fällt das Aufhören ungeheuer schwer.

Der weitaus bessere Motivator ist die Freude: wie viel gewinne ich, wenn ich bestimmte Dinge vermeide? Wie viel mehr Lebensqualität gewinne ich dadurch?

(An diesem Punkt setzt übrigens - um auf das Rauchen zurückzukommen - die aus meiner Erfahrung extrem erfolgreiche Methode Alan Carrs an)


Im Business auch schön nachvollziehbar. Was fällt leicher:
- Ich arbeite hart, um Umsatzeinbrüche zu verhindern
oder
- ich arbeite mit Leidenschaft, um diesen Auftrag oder dieses Umsatzziel zu erreichen?

widerspricht zwar dem gängigen Glaubenssatz, es müsse "weh tun", damit man Erfolg hat, funktioniert aber deutlich besser :-)
Das klingt alles so angestrengt, als sei Motivation ein willentlicher Kraftakt!
Ich bin der Meinung (bezogen auf das Unternhemertum), der Job sollte Spass machen und Geld verdienen sollte noch mehr Spass machen. Wobei zweiteres eigentlich eine logische Folge des ersteren ist.
Ich habe den Eindruck es geht nicht um Schmerz, sondern vielmehr um die Aussicht auf Schmerz. D.h. wenn ich das und das nicht tue, dann wird es mir irgendwann sehr weh tun. Wenn man sich das dann vorstellt, dann fällt es leichter die positiven Aspekte einer anderen Verhaltensweise zu erkennen.

Ich bin z.B. seit zwei Jahren als Nachwuchsführungskraft in der Versicherungsbranche tätig. Jeder Arbeitstag ist eine Qual! Man kann absolut nichts bewirken, es herrscht nur kurzfristiges Gewinndenken und der Kunde steht schon lange nicht mehr im Fokus (auch wenn die Werbung was anderes behauptet).

Die Aussicht auch nur die nächsten 2 Jahre in dieser Branche zu bleiben hat mir so viel Bauchschmerzen gemacht, dass ich nun nebenbei eine Firma gegründet habe, die ich nach meinen Prinzipien und Glaubenssätzen Formen kann wie ich es für richtig halte. Die Schmerzen waren für mich also der Auslöser diesen Schritt zu tätigen.

Ich Folge diesem Weg nicht deshalb weiter, weil mich die Aussicht auf Schmerzen plagt, sondern weil ich nun die unternehmerische Freiheit vor Augen habe. Ich kann etwas bewirken, ich kann die Dinge verändern und glücklich werden dabei.

Insofern sollten wir vielleicht zwischen dem Auslöser einer Verhaltensweise trennen und dem Motiv, das uns dazu bringt diese Verhaltens weiter zu verfolgen (in meinem Fall Schmerz & Selbsterfüllung). Sie können nämlich durchaus unterschiedlich sein.
Man könnte auch vom Mythos "Zielmotivation" sprechen, welche ja gerade in der Veränderungsarbeit des NLP immer gepredigt wird. Ohne Zweifel, in den überwiegenden Fällen ist eine Zielmotivation sehr viel vorteilhafter als eine Fluchtmotivation, gerade wenn es darum geht Ziele mit langfristigem Charakter zu erreichen.

Aber gerade die Veränderungsarbeit (erschaffen neuer/ ablegen alter Gewohnheiten) soll schnell vor sich gehen und hierbei sind Fluchtmotivationen aus eigener Erfahrung sehr viel wirkungsvoller.

Der Haken: Hat man einen bestimmten Zielzustand erreicht, muss dieser auch als positiv an- und wahrgenommen werden. Ansonsten verfällt man ganz schnell wieder in seine alten Gewohnheiten..
Die Frage die mir sich stellt ist, wenn ich mir diese Szenarien des Schmerzes intensiv vorstelle, schüre ich damit nicht innerlich Ängste, die mich dann andererseits wieder lähmen, wie es Angst ja allgemein macht?
Ja, vielleicht kann der Autor des obigen Artikels mal Bezug nehmen auf die vielen Kommentare, die ja alle sehr unterschiedliche Meinungen dazu äußern.
gerne kann ich noch etwas zu meinem obigen Beitrag ergänzen. Insbesondere zu folgenden Anmerkungen:

1) "Wörter wie wie 'beschissen' oder 'bullshit'" gehörten nicht in den Beitrag. Da bin ich anderer Meinung. Solche Wörte lösen Emotionen aus und Emotionen führen zu Handlungen. Dass wir oft nicht die Dinge gebacken bekommen, die wir uns vornehmen, liegt ganz wesentlich an der oft von uns verwendeten aseptischen Sprache. Wir sollten es nicht als einen merkwürdigen Zufall abtun, dass viele Selfmade-Menschen eine oft extrem emotionale Sprache haben, in der es negativ von "Vollidioten" oder positiv von "phantastisch", "Wahnsinn!" etc. nur so wimmelt.
Wie im Kommentar von Oliver Pohl ausgeführt, hat er vor der emotionalen Feststellung "Ich bin fett, fett, fett" nicht gehandelt. Und "Ich bin ein klein wenig dicklich" klingt halt auch für sich selbst emotional anders als "Ich sehe echt scheiße aus!"
Wenn man Änderungen will und nicht nur theoretisieren, dann sollte man halt auch Worte nutzen, die Emotionen auslösen.

2) Zum Thema Schmerz und Freude: Ich spreche beides im Beitrag an und beides kann motivierend wirken. Schmerz meist besser, um überhaupt den Hintern hoch zu bekommen, Freude um lange Jahre dabei zu bleiben. Wenn nur Freude das Mittel der Wahl wäre, dann hätte die Evolution dafür gesorgt, dass es den Schmerz nicht gäbe. Beides wirkt und dann sollte man auch beides nutzen!

3) Den Satz mit dem rosa Elefanten verstehe ich gar nicht! OK, jeder Trainer sagt irgendwann in seinen Seminaren: "Denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten!", um gleich - ohne Feedback einzuholen, fortzufahren, dass jetzt jeder an einen rosa Elefanten gedacht hätte, weil das Gehirn eigentlich keine Verneinungen kennen würde. Vielleicht bin ich der Einzige, aber ich habe dabei noch nie an einen rosa Elefanten gedacht und ich halte es ehrlich gesagt für einen dieser unsäglichen Mythen im Trainergeschäft, dass das Gehirn keine Verneinung kennen würde (ähnlich unsäglich wie die völlig veraltete Gehirnhälftentheorie, die nicht dadurch richtiger wird, dass jeder sie wiederholt).

Liebe Grüße
Ich weiß das Schmerz und Freude dicht bei einander liegen. FAkT ist das jede Entscheidung nicht mit dem Verstand sondern durch Emotionen getroffen werden. Beruflich wie privat!

Der Verlust einer Sache trifft viel tiefer als alles Glück dieser Erde. Es geht hier um Lebenserfahrung. Denn wer finanziell kurz vor der Insolvenz oder der Scheidung steht, dem geht´s richtig scheiße. Scheiden tut weh, dies im doppelten Sinne.

Dies betrifft alle Lebensbereiche z.B. Berufskarriere, Gesundheit, Familie, Freundschaften, etc., denn das EINE kann ohne das ANDERE nicht sein.
Wenn privat nur ein Scherbenhaufen übrig bleibt, beeiflusst dies natürlich auch die anderen Bereiche. Wenn alte Strukturen sich auflösen, tut sich etwas Neues auf.

Man wird sozusagen wieder auf 0 gesetzt und unser Focus verändert sich. Plötzlich kämpfen wir um unsere Existenz und trotz dieser Schwierigkeiten gelingt es uns weiterzumachen und Lösungen zu finden.
Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch TUN!
von Johann Wolfgang von Goethe.

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