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Das Prinzip Selbstverantwortung

Stefan Merath | 12. Dezember 2016

Viele Menschen, vor allem Unternehmer, stimmen sicherlich darin überein, dass Selbstverantwortung ein wichtiges Prinzip ist. Aber um was geht’s dabei eigentlich? Einigkeit besteht bei der Vorstellung, dass das was mit „sein eigenes Ding machen“ zu tun hat. Interessant wird es jedoch an zwei Punkten: Wie weit geht dieses Prinzip eigentlich? Und ab wann kommen die Ausreden?


Eigene Emotionen

Ich glaube, dass die meisten Selbstverantwortung viel zu eng begreifen. Es geht nicht nur darum, sein eigenes Ding zu machen und für die Ergebnisse verantwortlich sein. Selbstverantwortung heißt auch, für seine eigenen Emotionen verantwortlich zu sein. Hier wird mancher schon einwenden: Aber wenn ein Mitarbeiter etwas versiebt, dann werde ich wütend! Das ist einfach so, da kann ich nichts dafür. Also bin auch ich nicht verantwortlich, sondern der Mitarbeiter!

Wenn es so ist, geht es auch nicht darum, die Wut weg zu diskutieren. Nur, es werden nicht alle Unternehmer wütend, wenn ein Mitarbeiter etwas versiebt. Manche freuen sich sogar und betrachten die Situation als eine super Lerngelegenheit und investieren in diesem Moment in die Ausbildung des Mitarbeiters. Warum fühlt der eine Unternehmer in der einen Situation so und der andere in der anderen Situation anders?

Die Antwort: weil er eine andere Perspektive hat. Der eine sieht den Schaden, der andere die Chance. Folglich entstehen andere Emotionen. Und auf meine Perspektive habe ich Einfluss! Ich kann sie trainieren, ich kann sie über Achtsamkeitsmeditation beobachten lernen, ich kann die zugrundliegenden Glaubenssätze, die die Perspektive erschaffen, überprüfen.

Noch ein anderes Beispiel: Die meisten, die an der Börse unterwegs sind, bekommen Panik, wenn die Kurse sinken. Aber witzigerweise freuen sich die meisten Menschen, wenn sie an der Tankstelle unterwegs sind, wenn die Kurse sinken, also das Benzin billiger wird. Ist doch merkwürdig, oder? Sinkende Kurse lösen einmal Panik und einmal Freude aus. Die Erklärung: Die Menschen sind mit unterschiedlicher Perspektive unterwegs. An der Börse treten sie als Besitzer auf und werden unglücklich, wenn die Aktion im Depot im Wert sinken. An der Tankstelle treten sie hingegen als Käufer auf. Betrachte ich die Börse hingegen durchgängig mit der Perspektive des Käufers, entstehen völlig andere Emotionen: Freude, wenn die Kurse sinken, weil ich dann mehr Aktien für mein Geld bekomme und Frust, wenn sie steigen. Meist sind diese Emotionen für den Börsenhandel hilfreicher. Und auch diese Perspektive kann ich selbst wählen. Und damit bin ich auch indirekt für meine Emotionen verantwortlich.

Noch ein Beispiel: Ich kenne Unternehmer, die mit ihrem Unternehmen am Abgrund stehen und paralysiert sind. Andere empfinden das als das Geilste der Welt: sie fühlen sich absolut gefordert, sind hellwach und spüren, dass sie leben. Diese Betrachtungsweise kann ich wiederum wählen und davon abhängig auch die Emotionen.

Warum ist das wichtig? Wir sind nicht mehr Opfer unserer Emotionen. Wir sind nicht mehr fremdbestimmt! Wir holen uns die Macht von unseren Mitarbeitern und der wirtschaftlichen Situation zurück! Und die unterschiedlichen Emotionen führen letztlich zu unterschiedlichen Handlungen und damit zu unterschiedlichen Ergebnissen. Will ich die Kontrolle über meine Ergebnisse erlangen, muss ich die Verantwortung auch für meine eigenen Emotionen und mein allgemeines Lebensgefühl übernehmen.


Konsequenzen

Abstrakt allgemein würden auch die meisten zustimmen, dass Selbstverantwortung auch etwas mit dem Tragen von Konsequenzen zu tun hat. Aber wie weit? Mal ein Beispiel: Ich habe jemanden etwas kaputt gemacht. Dann muss ich natürlich die Konsequenzen tragen. Aber gehen wir einen Schritt weiter: Ich habe ein Wellnesswochenende gebucht und will dann doch nicht fahren, weil mir irgendwas anderes wichtiger erscheint. Hier rufen dann schon einige an und erwarten die Kosten erstattet zu bekommen, wenn sie stornieren. Letztlich weigere ich mich damit, die Konsequenzen meines Handelns zu tragen und versuche die Kosten auf andere, also den Hotelbesitzer abzuwälzen. Und wenn gar eine Krankheit dazwischen kommt, versuchen fast alle, die Kosten zurück zu bekommen. Aber auch hier lässt sich berechtigt die Frage stellen: Wieso soll jemand anderes die Konsequenzen Deiner Krankheit tragen? Wieso soll der Hotelbesitzer für das plötzlich unverkaufte Zimmer aufkommen? Wieso soll er die zusätzlichen Vertriebskosten bezahlen?
Selbstverantwortung heißt für mich, die Konsequenzen seines Handelns zu tragen, auch dann, wenn ich nicht die volle Kontrolle über meine Situation habe (Krankheit etc.). Damit reduziere ich ganz nebenbei auch eine Menge Konflikte in meinem Leben, die dadurch entstehen, dass ich anderen die Konsequenzen meines Handelns an die Backe binden will. Selbstverantwortung heißt in diesem Fall, es gar nicht erst zu versuchen, anderen die Kosten des eigenen Handelns an die Backe zu binden!
Es gibt sogar Menschen, die ihre Selbstverantwortung auf Bereiche ausdehnen, die sie gar nicht beeinflussen können. Rupert Voß beispielsweise übernimmt die Verantwortung für den Tod eines seiner Kinder, obwohl er keine Möglichkeit hatte, dies zu verhindern.
 

Warum ist das wichtig?

Selbstverantwortung ist die Summe Deiner Entscheidungen, eine Lebenseinstellung, eine Gewohnheit. Ich möchte dazu ein Beispiel aus meinem eigenen Erleben geben. Nicht, um darzustellen, wie toll ich bin, sondern um deutlich zu machen, welche Konsequenzen welche Entscheidungen haben.

Wenn ich einmal zurückgehe in mein Jahr 2003, dann war ich für meine Pleite verantwortlich. Nein, genauer: Ich habe entschieden, dass ich dafür verantwortlich sein will. Ich hätte auch sagen können, dass der Niedergang der New Economy verantwortlich war. Stimmte auch irgendwie, aber ich hätte mich meiner Macht beraubt, etwas zu lernen und zu ändern. Hätte ich mich anders entschieden, wäre ich in der Krise 2008 wieder auf die Schnauze gefallen. Krisen kommen nämlich immer.

Danach habe ich – sechsstellig Schulden und 0 (exakt null!) Einnahmen – entschieden, einen Coach zu nehmen und zu bezahlen. Das hätte schief gehen können, aber ich nahm das Risiko bewusst auf mich und mir war klar: wenn es schief geht, dann weil ich nicht voller Konsequenz gehandelt habe. Auch da entschied ich mich vorher, die volle Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen. Verantwortung heißt in diesem Falle auch, dass ich meinen Coach immer pünktlich bezahlte. Er brachte ja seine Leistung, dann hatte ich meinen Teil auch zu bringen. Das war definitiv nicht immer einfach, aber ich hatte es so für mich entschieden.

Natürlich ging es mir nach der Insolvenz schlecht und ich hätte mir am liebsten meine Wunden geleckt, aber ich entschied mich, alles zu tun, was erforderlich war, um aus der Situation herauszukommen. Dazu nahm ich als erstes eine positive Einstellung an: Ich entschied mich zu lachen, wenn mir zum Heulen zumute war. Und ich entschied mich dafür, meinem Coach jede Woche Ergebnisse zu bringen und alle meine Wochenziele zu erreichen. Ich entschied mich dafür, dass ich meinem Coach nicht unter die Augen treten wollte, wenn ich meine Ziele nicht erreicht hätte. Und wenn ich mehr Unterstützung brauchte, dann entschied ich, mehr Unterstützung zu kaufen und fragte diese aktiv an. Und als mir auch das nicht mehr ausreichte, entschied ich mich, meinen Coach so zu steuern, dass es am besten meinem Fortkommen diente. Ich entschied auch, mich zu verpflichten, bei Nichterreichung von Zielen Geld zu spenden, das ich eigentlich gar nicht hatte. Aber mir war diese Entscheidung wichtig und ich hielt mich daran. Und diese Entscheidungen sorgten in Summe für eine „gewisse Intensität“ des Handelns und damit für radikale Ergebnisse.

Selbstverantwortung ist ein Konzept, die Wirklichkeit zu sehen, das auf permanenten eigenen Entscheidungen beruht. Und dieses Konzept geht extrem tief!

Nochmal: Ich wollte hier nicht ausführen, wie toll ich bin – es gab damals genügend Rückfälle und Ausweichmanöver bei mir. Und es gibt diese Ausweichmanöver auch heute noch hin und wieder. Das gehört dazu. Selbstverantwortung ist so gesehen auch ein Training. Ein Training, das nie abgeschlossen ist.


Die Folgen

Jedes Mal, wenn ich die Verantwortung für meine Gefühle und auch meine generelle Lebenseinstellung übernehme, entsteht ein Gefühl der inneren Stärke. Es entsteht ein Gefühl der Selbstbestimmung statt der Fremdbestimmung. Jedes Mal spüre ich mehr, dass ich nicht der Spielball fremder Mächte bin, sondern der Kapitän meines Lebens.

Und jedes Mal, wenn ich bereit bin, alle Konsequenzen meines Handelns zu tragen, selbst dann, wenn ich diese nicht zu 100 Prozent beeinflussen konnte, vergrößert sich erstens das eigene Selbstwertgefühl und zweitens die eigene Einflusssphäre.

Und jedes Mal, wenn ich nicht die Konsequenzen meiner Handlungen auf andere abwälze, entsteht in mir das Gefühl, ein verbindlicher und zuverlässiger Mensch zu sein. Und wenn ich dann mit diesem Gefühl und Selbstbild anderen gegenüber trete, entsteht eine ganz andere Stärke, Aufrichtigkeit und Verbindlichkeit im Umgang mit anderen. Und dadurch entstehen wieder neue Ergebnisse, die vorher nicht möglich schienen.

Natürlich gilt das auch umgekehrt: Jedes Mal, wenn ich meine Selbstverantwortung nicht übernehme, werde ich schwächer. Ich habe die Möglichkeit, das eine zu trainieren oder das andere. Egal, wie ich entscheide: durch permanentes Training wird es zur Gewohnheit. Mit der einen Gewohnheit verliere ich die Macht über mein Leben. Mit der anderen Gewohnheit übernehme ich die Macht über mein Leben und sorge dafür, dass meine Einflusssphäre immer weiter wächst. Deswegen ist Selbstverantwortung wohl eines der wichtigsten Prinzipien für Unternehmer.

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