Simon Moser
Schwarzgurt-Unternehmer seit Mai 2022


Steckbrief
Website
Social Media
Simon, du bist seit 2022 Schwarzgurt-Unternehmer. Woran merkst du das im Alltag konkret?
„Stefan hat im Schwarzgurt-Camp von einem Samurai-Kämpfer erzählt. Der schaffte zehn Angreifer auf einmal. Die Leute sagten über ihn, er sei dabei in völliger Ruhe gewesen. Er selbst sagte, dass das nicht stimme; er sei lediglich in der Lage, immer wieder sehr schnell in die Ruhe zu kommen. Genau das merke ich im Alltag. Meine eigene Vita war nicht gerade ruhig und war ständig im „Drive“-Modus. Meine Ruhezeiten waren eher kurz bis sehr kurz ‒ gab es Probleme, hat mich das wochenlang belastet. Heute dauert es mal fünf Sekunden, vielleicht auch mal fünf Stunden, aber dann finde ich wieder meinen Fokus. Das ist mit das wichtigste Ergebnis des ganzen Trainings. Aber da gibt es noch viele andere Dinge, die mir helfen, ein guter Unternehmer zu sein.“
Was fällt dir dazu spontan noch ein?
„Mein erster Coach hat mal zu mir gesagt: Simon, es passiert alles für dich, nicht gegen dich. Damals hätte ich ihn erwürgen können. Was ist schon gut daran, wenn man zum Beispiel in einem Zug sitzt, der Verspätung hat, man aber dringend auf einen Termin muss? Heute kann ich das sehen. Weil ich die Situation nicht ändern kann, mache ich in aller Ruhe meine Mails fertig, sortiere Dateien oder Urlaubsfotos, räume den Desktop auf. Wenn man möchte, findet man auch in einer schlechten Situation etwas, das für einen spricht. Ich habe außerdem an meiner Lösungsorientiertheit gearbeitet. Die war früher schon da, aber jetzt ist das viel besser ausgeprägt. Geht nicht, das gibt’s für mich nicht. Ich frage immer: Welche anderen Lösungen gibt es für dieses eine Problem sonst noch? Ich lasse mich nie entmutigen, nur weil etwas scheinbar nicht geht. Das ist nicht immer leicht, aber das kann man trainieren.“
Fällt anderen Unternehmern in deinem Umfeld auf, dass du dich verändert hast?
„Ja, tatsächlich werde ich öfters mal angesprochen: Du, bei dir läuft es besser als bei mir, was machst du anders? Ich habe Stefans Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ schon vielen Leuten geschenkt, aber ich vermute, nicht mal die Hälfte hat es gelesen. Begründung: Das ist ja kein normales Buch, da muss man ja was tun!“
Was war deine schmerzhafteste „Tat“ auf dem Weg zum Schwarzen Gürtel?
„Sicher die geschäftliche Trennung von meinem Bruder. Ohne meine UTR-Gruppe hätte ich das nicht durchgestanden. Das war so eine schwere Entscheidung für mich, ich bin immer wieder ins Wanken gekommen. Natürlich waren die Leute nicht nur in dem Moment für mich da, sondern auch danach; als Rückzugsort, um über die erfolgte Trennung zu sprechen und als Ort der Ideen für weitere Schritte. Das hat mir geholfen, den emotionalen Schmerz in einem geschützten Rahmen zu verarbeiten.“
Wie hat dein Team darauf reagiert, dass du dich als Mensch und Unternehmer weiterentwickelt hast?
„Ich habe damals sehr offen kommuniziert, dass ich mich zum Unternehmertraining angemeldet habe. Was ist das genau, inwiefern ist da das Team eingebunden, wo wünsche ich mir Unterstützung, was ist mein Ziel? Das kam sehr gut an. Als ich dann aber begonnen habe, Fachkraftaufgaben abzugeben und sie die Probleme in ihren Arbeitsbereichen plötzlich selbst lösen mussten, fanden sie das alles nicht mehr so witzig. Das ist auch heute noch so, dann gibt’s halt Liebensentzug für den Chef. Ich bleibe trotzdem dabei. Das eigene Team ständig zu supporten, bringt nur mir als Unternehmer Lernerfolg. Ich werde immer besser, sie bleiben auf demselben Level. Das ist nicht in meinem Interesse und kann auch nicht im Interesse der Mitarbeiter sein.“
Viele Unternehmer träumen von einem freien, selbstbestimmten Leben. Was bedeutet unternehmerische Freiheit und Selbstbestimmung für dich? Lebst du das Leben, das du dir immer gewünscht hast?
„Es kommt immer darauf an, wie man Selbstbestimmung und Freiheit definiert. Nein, ich kann nicht einfach spontan meinen Urlaub um zwei Tage verlängern. Ja, mir gefällt es, dass es aktuell noch so ist. Ich fühle mich da ambivalent. Ich bin noch so jung, spiele gerne noch ein wenig mit im Feld. Ich will gar nicht nur der Trainer sein, ich will ein Mitspieler sein, und deshalb erwartet meine Mannschaft, dass ich antrete. Ich kann tatsächlich nicht nach Lust und Laune mitmachen, ich werde gebraucht. Perspektivisch möchte ich nicht nur runter vom Feld, sondern auch ganz raus aus dem operativen Geschäft. Das bedeutet, dass ich in den nächsten Jahren den Mittelweg nehme, meinen Einsatz auf dem Spielfeld flexibler gestalte. In fünf Jahren dann der harte Entscheid: gegen das Spiel, für die Freiheit. Loslassen fällt einfach, wenn du merkst, dass deine Mannschaft nicht nur immer besser wird, sondern es auch besser macht als du selbst. Manchmal gibt es schon solche Momente: Da merke ich, dass ich eher störe, als dass ich helfen kann. Eigentlich ein super Gefühl. Aber wenn du das Unternehmen selbst gegründet hast, wenn du die Superfachkraft warst, dann schmerzt diese Erkenntnis auch sehr – auch wenn das geile Schmerzen sind.“
Welchen Rat würdest du in der Rückschau auf bald 15 Jahre Unternehmersein Menschen geben, die mit ihrer Firma noch ganz am Anfang stehen?
„Ich würde Gründern zwei Dinge mit auf den Weg geben. Erstens: Es gibt kein richtig und kein falsch. Zögere deshalb nicht, sondern triff Entscheidungen. Wenn etwas nicht funktioniert, lerne daraus. Wenn dir etwas gelingt, dann genieße das gute Gefühl. Zweitens: Gib von Anfang an Gas und überlasse nichts dem Zufall, denn das Glück des Tüchtigen kommt nicht von ungefähr. Daran halte ich mich auch selbst noch. Ich mache keine 16 Wochen Urlaub im Jahr. Bis meine Konkurrenten zurück aus den Ferien sind, habe ich sie längst überrundet. ChatGPT kann Fleiß nicht ersetzen, im Gegenteil: Die KI wird die ersetzen, die noch nie durch die harte Mühle gegangen sind oder es sich im Leben allzu leicht machen.“


