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Staatsschuldenkrise 2011/2012 - Die Ursachen und der Ausblick der Wirtschaftskrise(7. August 2011 - mit aktuellen Nachträgen) Manch einer, der die Börse regelmäßig beobachtet, mag sich in den letzten Tagen verwundert die Augen gerieben haben. Zuerst wird eine Lösung für Griechenland gefunden und es ändert sich nichts. Dann wenden die USA ihre erste Zahlungsunfähigkeit in letzter Sekunde ab und die Börsen rauschen in wenigen Tagen um über 15% nach unten. Warum? Und was diese Woche nach der Abstufung der Bonität der USA geschehen könnte, möchte man sich besser nicht vorstellen... Wer meinen Beitrag über die Krise aus dem Herbst 2008 (Wirtschaftskrise - Risiken und Chancen für Unternehmer) kennt, kennt auch die Ursache. Bereits damals schrieb ich: "Das Problem auf die Banken zu schieben, ist zwar einfach, aber scheinheilig. Und lenkt vor allem von der eigenen 'Schuld' und Beteiligung der Politik und der Bürger ab. Und lenkt vorerst auch noch von dem viel größeren Problem dahinter, der massiven Staatsverschuldung, ab. Mit anderen Worten: Die jetzige Bankenkrise ist nur ein kleines Symptom dessen, was noch kommen wird." Die Ursache: Kondratieff meets StaatsverschuldungIch führte damals aus, wie diese massive Staatsverschuldung mit dem zugrundeliegenden Kondratieffzyklus (Theorie der langen Wellen, ca. 35-60 Jahre) zusammenhängt und dass dieser im Bereich der Rohstoffe und Energie begründet liegt. Nochmals in Kurzform für alle, die nicht die lange Fassung lesen mögen. Die Idee von Kondratieff (in Schumpeterscher Lesart) war, dass eine Basisinnovation (z.B. Dampfmaschine oder Computer/Internet) zu einem neuen Wachstumsschub führt, dieser an seine Grenzen, also einen Engpass, gerät und dann eine Krise entsteht, die ihrerseits wieder durch eine neue Basisinnovation, die den Engpass löst, beseitigt wird. Also so etwas wie die engpasskonzentrierte Strategie, bezogen auf die Gesamtwirtschaft. Ein Beispiel vom Anfang des 19. Jahrhunderts: Die neu erfundene Dampfmaschine sorgte für die Industrialisierung und massive Produktionssteigerungen. Man glaubte, es sei ein goldenes Zeitalter angebrochen und das würde ewig so weiter gehen. Tat es aber nicht. Ganz einfach deshalb, weil die vielen Produkte, sobald sie aus der Fabrik kamen, mit Pferdewagen und Ochsenkarren verteilt wurden. Die weitere Entwicklung kam damit an ihre physische Grenze. Es folgten Bankenkrisen, politische Verwerfungen und Kriege. Erst als die Eisenbahn erfunden wurde, war der Engpass beseitigt und es gab einen langen erneuten Wachstumszyklus. Das Charmante an dieser Theorie ist, dass sie die Entwicklung im Gegensatz zu allen derzeit aktuellen volkswirtschaftlichen Theorien nicht aus dem virtuellen Reich des Geldes, sondern aus der zugrundeliegenden realwirtschaftlichen Entwicklung erklärt. Und wie wir als Unternehmer wissen, ist das Geld immer nur eine Folge anderer Entwicklungen. Bezieht man dieses Konzept auf die heutige Zeit, so haben wir als letzten Kondratieffaufschwung Computer und das Internet. Die Folgen dieser Entwicklungen waren die Globalisierung, die erst durch die massiv verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten in dieser Form möglich war, sowie der Aufschwung der Schwellenländer, die erstmals in voller Breite Zugang zum Wissen des Westens hatten. Die weiteren Konsequenzen daraus waren massiv gesteigerter Rohstoff- und Energiebedarf und daraus folgte wiederum ein massiver Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise seit Ende der 90er Jahre. Dies sorgte für einen riesigen Kapitalabfluss (ein zweistelliger Billionenbetrag!) aus den entwickelten Ländern, der sich in einer Verringerung des Lebensstandards hätte niederschlagen müssen. Da das politisch nicht gewollt war (man hätte dann ja die nächsten Wahlen verloren), druckte man eben Geld und flutete das System. Die Banken reichten dieses Geld durch, vergaben es zuerst an kreditwürdige Menschen und Organisationen und als sie diese nicht mehr fanden, eben auch an weniger kreditwürdige Menschen und Organisationen. Die Geburt der Subprime-Krise 2008 - die Banken waren bereitwillige Handlanger. Um die durch den Kondratieffabschwung und die Handlungsweise der Politik in den letzten 10 bis 15 Jahren bedingte Krise in den Griff zu bekommen, wurde dann 2008 einfach noch mehr desselben gemacht: Neues Geld gedruckt und in den Kreislauf gepumpt. Das war, wie einem Drogensüchtigen auf Entzug nochmal einen ordentlichen Schuss zu setzen. Was nicht die Ursache ist!Bevor ich nun weiter auf die aktuelle Situation eingehe, noch eine Klärung, was nicht die Ursache ist. Manch einer sieht den Kapitalismus als Ursache. Und Nikolai Kondratieff hat diese langen Zyklen selbst auch erst ab Beginn des 19. Jahrhunderts untersucht, aber letztendlich sind diese viel älter und haben nichts mit dem Wirtschaftssystem, sondern mit Basisinnovationen zu tun. Basisinnovationen gab es mit dem Buchdruck, der Seefahrt, aber auch mit der Erfindung des Eisens oder des Reitens oder des Staats zu allen Zeiten. Wachstum verläuft nie linear, weder in der Natur, noch in der Gesamtwirtschaft, noch in einer Einzelfirma noch bei einer einzelnen Person - völlig egal, wie man es "organisiert". (Und in gewisser Weise kann man auch sagen, dass der Sozialismus an den Spätfolgen des nicht mitgemachten letzten Kondratieffzyklus, der Kommunikation, gestorben ist). Manch einer macht für die aktuelle Situation die Banken, die Spekulanten, die Irrationalität der Börse oder verantwortungslose Manager verantwortlich. All das gibt es zweifellos, aber auch dort liegt nicht die Ursache. Spekulanten können nur mit dem Geld spekulieren, das da ist und das muss eben zuerst gedruckt oder durch superniedrige Zinsen zur Verfügung gestellt werden. Man muss klar sehen, dass zu allen Zeiten, wenn der Staat (oder Herrscher) hochgradig verschuldet war, ein Schuldiger (warum die beiden Worte nur so ähnlich klingen...?) gesucht wurde. Und gefunden hat man ihn immer in den Spekulanten (die spätestens seit dem Mittelalter mit den Juden gleichgesetzt wurden). Auch die Panikmache der Medien ist nicht die Ursache. Ich kann nur eine Panik auslösen, wenn es eine reale Gefahr gibt. Wenn die USA keine Schulden, dafür aber einen ausgeglichenen Haushalt hätten, dann könnten die Medien von einem Horrorszenario quatschen, so viel sie wollten - es würde keiner ernst nehmen. Manch einer macht für die Krise auch die Ratingagenturen verantwortlich. Aber diese sind nur eine Art Thermometer und zwar eines, das immer erst mit einer bestimmten Verzögerung die Temperatur anzeigt. Die Dresche, die manche Politiker den Ratingagenturen geben, erinnert an den Irren, der auf das Thermometer eindrischt, nachdem er sich selbst den Kittel angezündet hat. Und manch einer macht für die aktuelle Krise psychologische (oder spirituelle) Aspekte, wie mangelndes Vertrauen o.ä. verantwortlich. Aber auch das ist eine Erklärung á la „Der Schwanz wackelt mit dem Hund“. Vertrauen kann ich als Vorschussvertrauen zwar geben, aber ob das bleibt, hängt von den Handlungen des Gegenübers ab. Wenn ein Staat seine Verpflichtungen bedient, entsteht im Lauf der Zeit Vertrauen. Wenn angesichts der Situation die Wahrscheinlichkeit schwindet, dass er diese Verpflichtungen bedient, verschwindet auch das Vertrauen. Vertrauensschwund ist also aktuell Folge und nicht Ursache. Und schließlich gibt manch einer der Politik oder den Politikern die Schuld. Und natürlich ist es richtig, dass es in der Tendenz der Staaten liegt, sich immer weiter aufzublähen und dann im Niedergang entsprechend zu verschulden. Cyril Northcote Parkinson hat das in 800 Jahren englischer Entwicklung nachgewiesen, man kann es in der Entwicklung des französischen Absolutismus beobachten und in den sozialistischen Ländern war es zum Schluss genauso. Auch das hat nichts mit dem Kapitalismus zu tun. Diese Aufblähungstendenz ist aber nur eine Art sekundäre Ursache: solange man im aufsteigenden Teil des Kondratieffzyklus ist, lässt sich das ja alles finanzieren. Aber seit wir im absteigenden Teil sind (Ende der 90er), haben sich die Schulden der USA z.B. fast verdreifacht. Die Frage ist nur: Könnte ein Politiker die notwendigen Maßnahmen ergreifen? Ich glaube, wenn ich mir den Aufruhr angesichts der Minimaßnahmen in Griechenland und den USA anschaue: Nein! Er würde sich nicht einen Tag an der Macht halten. Minimaßnahmen??? OK, lies weiter und entscheide selbst, ob die Maßnahmen ausreichend sind! Die aktuelle SituationDie aktuelle Situation ist nun die: Die Sparmaßnahmen in Griechenland reichen nicht einmal annähernd aus, um zu einem ausgeglichenen Haushalt zu kommen (jährliches Minus im Staatshaushalt: rund 25 Mia. Euro. Sparprogramm: jährlich 7 Mia. Einsparungen und 12,5 Mia. Verkauf von Staatseigentum, also knapp 20 Mia. Euro. Bleibt immer noch, bei der fiktiven Annahme einer nicht weiter zurückgehenden Wirtschaft, ein jährliches Defizit von 5 Mia. Euro). Von Schuldenabbau gar nicht zu reden. Eine Art "Marshalplan" wird nicht kommen, weil die Bereitschaft, in der Krise auch noch für die Schulden anderer zu bezahlen, noch weiter sinkt. D.h. die Zeitbombe tickt und die Lunte ist kurz. In den USA ist es so, dass Sparmaßnahmen von 2,4 Bio US$ beschlossen wurden, allerdings über einen Zeitraum von 10 Jahren. Das ist Großrechnen, wie es nur die besten Verkäufer können ;-) "Gespart" werden also in Wirklichkeit nur 240 Mia. US$ pro Jahr. Bei einem Anstieg der Staatsverschuldung auf zuletzt 2 Bio US$ pro Jahr (und einem Anstieg von knapp 1 Bio. im Durchschnitt der letzten 10 Jahre, vgl. http://www.sgipt.org/politpsy/finanz/schuldp/usa/usa0.htm) ist das noch nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. In der Tat ist es nach wie vor so, dass die USA für jeden über Steuern eingenommenen Dollar knapp einen weiteren Dollar an Schulden aufnimmt. Es ist nicht abzusehen, wie sich das ändern sollte. Und betrachtet man die Erwartungen der Regierung, so erkennt man, dass der Abbau des Defizits auf reinen Phantasiegebilden beruht (http://www.gpoaccess.gov/usbudget/fy11/pdf/hist.pdf, Seite 26/27 des PDF). Dort wird eine jährliche Zunahme der Steuereinnahmen um 10% bis 2015 unterstellt - wo diese bei einem Wirtschaftswachstum von 0-3% (falls es dabei bleibt...) herkommen soll, ist unklar. D.h. die Zeitbombe tickt und die Lunte ist nicht wirklich lang. Eine Abstufung nur auf AA+ ist Schönrednerei. (Ich schrieb ja oben schon, dass die Thermometeranzeige der Ratingagenturen immer hinterher hinkt). In Italien ist die Situation nicht sehr viel anders. Nur, dass Berlusconi sein tolles Sparprogramm jetzt noch gar nicht beginnt, sondern die Haupteinsparungen erst für 2013 beschlossen hat - dann wenn er gar nicht mehr an der Regierung ist. Fakt ist, dass bei derzeitigen Refinanzierungskosten von 6% ein Schuldenabbau für Italien unmöglich ist. Steigen die Zinsen nur ein kleines bisschen, dann kippt auch Italien. Und damit der Euro. Krisensituationen sind ja nun an sich nichts Schlechtes. Sie zwingen einen, neu zu denken. Und diese Krise umso mehr. Weil alle bisherigen Maßnahmen vor der aktuellen Situation versagen:
Angesichts der Krisensituationen fliehen immer mehr in "sichere Häfen", wie z.B. den Schweizer Franken. Das Ergebnis: Die Schweizer Produkte im Ausland werden immer teurer (und ich mache z.B. nächstes Jahr kein Seminar in der Schweiz, schlicht weil mir die Hotelkosten zu hoch sind). Der Schweizer Aktienindex sinkt deshalb derzeit noch schneller als DOW oder DAX. Ich sehe sicher nicht alles, aber ich sehe derzeit keine Möglichkeit, wie irgendjemand mit den bisherigen Mitteln (oder einer Steigerung derselben) die Krise lösen könnte. (Man möge mich hier gerne korrigieren...) Und ich vermute mal, den meisten Investoren geht das ähnlich. Aus diesem Grund sahen wir in den letzten Tagen den Beginn(!) eines radikalen Absturzes. Das ist nicht einfach, wie die Presse versucht schönzureden(!), dass die Investoren ein "Rezessionsszenario" spielen. Was wird geschehen?Zuallererst: Jede Prognose, was die nächsten zwei bis fünf Jahre, Monate oder auch nur Wochen geschehen wird, ist Kaffeesatzleserei. Das liegt an mehreren Gründen. Erstens, Krisensituationen haben ihre eigene Dynamik und sind vom Verlauf nicht berechenbar. Es gibt zwar die grundlegenden Konflikt-/Kräftelinien, die durch Kondratieffzyklus und Staatsverschuldung bedingt sind, aber auf diesen Kräftelinien handeln unterschiedlichste Akteure. Ich schrieb weiter oben, dass der Kapitalismus nicht die Ursache des Problems sei. Dennoch ist es möglich, dass die aktuelle Situation mit dem Ende des Kapitalismus - in einigen Ländern - einhergeht. Das liegt schlicht daran, dass die Ursache das eine ist und die gewählten Lösungen (einer kleinen mächtigen Clique oder einer revolutionären Masse oder einer irgendwie gewählten Regierung) das andere. Wenn diese dann handlungsfähige Gruppe *glaubt*, die Ursache läge im Kapitalismus, dann kann sie diesen einschränken oder abschaffen. Auch wenn sie damit das Problem nicht löst. Angesichts der aktuell dominanten gesellschaftlichen Erklärungsmuster, dass die "Reichen" oder die "Spekulanten" dran schuld seien, ist das leider durchaus eine mögliche Entwicklungslinie. Aber das ist alles Spekulation. Was wir jedoch wissen können, ist, dass es aufgrund des zugrundeliegenden Kondratieffzyklus eine Machtverschiebung noch weiter zu den Schwellenländern geben wird. Wir wissen auch, dass erst dann wieder weiteres Wachstum möglich ist, wenn die zugrundeliegenden Energie- und Rohstoff-Probleme (inkl. Nahrung) gelöst sind. Und wir wissen, dass es erst dann wieder zu neuem Wachstum kommen wird, wenn die Staatsausgaben soweit reduziert wurden, dass sie auch der tatsächlichen Wirtschaftskraft entsprechen. Aktuell ist es so, dass weit über 50% der Staatsausgaben in den Bereich des Sozialen, der Rente und der Gesundheit fließen. Bei Staatsausgaben, die (je nach Land) 20-80% über den Steuereinnahmen liegen, ist völlig logisch, dass dieser Bereich so nicht finanzierbar ist. Das wird zwingend kippen. Sicher ist auch, dass die Mehrheit der westlichen Staaten (inklusive Japan) Bankrott gehen wird. Dass einzelne Staaten Bankrott gehen, gab es schon oft. Das ist hinreichend untersucht. Prinzipiell gibt es für einen Staat zwei Möglichkeiten, an Geld zu kommen: Schulden machen und Steuereinnahmen - genauso wie es für Unternehmen zwei Möglichkeiten gibt, an Geld zu kommen: Durch Geldgeber/Banken und durch Kunden. Bei einem Staatsbankrott fällt die Möglichkeit, Schulden zu machen, für ein paar Jahre angesichts des Vertrauensverlusts weg. Es bleiben also nur noch die Steuereinnahmen. Das hat zur Konsequenz, dass der Staat in vielen Bereichen als öffentlicher Auftraggeber wegfällt, damit die Wirtschaft weniger Aufträge bekommt, damit weniger Steuereinnahmen fließen usw. Also ein hübscher Negativkreislauf, der sich irgendwann mal auf niedrigerem Niveau einpendelt. (Wir reden hier bei einem Staatsbankrott eines einzelnen Landes von Rückgängen des BIP um mehr als 20%(!), wenn man sich z.B. Argentinien 1998 anschaut – die globale 2008er Krise ging mit einem Rückgang um gerade einmal 5% einher). Zudem werden die Schulden auf irgendeine Art und Weise reduziert - z.B. Schuldenschnitt oder Inflation. Wie auch immer: Diejenigen, die Staatsanleihen halten, sind die Gekniffenen. Und wer ist das zum größten Teil? Einmal andere Staaten wie China. Mal abgesehen von einigen Rüttlern wird das China angesichts des Handelsbilanzüberschusses aber nicht so viel ausmachen. Zum anderen "institutionelle Anleger". Dahinter verbergen sich vor allem Lebensversicherungen und Pensionsfonds. Und wessen Geld haben die? Ouups!!! Noch ein Grund, warum Rentner weniger Geld ausgeben und damit die Wirtschaft noch weiter zurückgehen wird. Das betrifft die Situation, wenn ein einzelner Staat Bankrott geht, aber wenn es eine ganze Gruppe (USA, EU und Japan) betrifft, gibt es kein historisches Beispiel und wir wissen es schlicht nicht. Selbst 1929 betraf nicht in diesem Umfang so viele Länder. Vielleicht gibt es eine Hyperinflation, vielleicht eine Deflation – das weiß letztlich keiner und vermutlich ist das auch die Geringere unserer Sorgen. Bei aller Unsicherheit: Sicher ist, dass dieser Bankrott kommen wird. Jeder, der die Zahlen kennt, rechnen kann und die politischen "Gegenmaßnahmen" betrachtet, weiß das. Was heißt das für Unternehmer kleiner und mittlerer Unternehmen?Im Unternehmercoach-Forum klang bei einigen an, dass sie keine Angst vor der Krise hätten und es wichtig wäre, diese auch in historischer Dimension zu sehen. Das ist auch mein Ausgangspunkt. Dennoch muss man einen Unterschied zwischen einer historischen Betrachtung und dem Erleben derselben Geschichte machen. Mal ein extremes Beispiel: Ich kann mich in der warmen Stube ganz relaxed mit dem 30-jährigen Krieg beschäftigen und die verschiedenen Einflussfaktoren betrachten. Wenn ich mich da aber wirklich rein versetze und mir vorstelle, dass von 3 Menschen, die ich kenne, danach 2 tot waren, dann fühlt sich das anders an. Deshalb: Ja, bitte von oben die großen Linien betrachten, um zu verstehen, was passiert. Aber Nein, das Ganze nicht zu leicht nehmen! Bitte, lieber Leser, versteh meinen Beitrag nicht falsch: Ich will keinen Fatalismus verbreiten und es ist durchaus möglich, dass sich das nochmal beruhigt - weil vielleicht der weiße Ritter aus China kommt - und nochmals zwei oder drei Jahre zieht (wenn auch nicht wahrscheinlich und ganz sicher nicht besser). Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Ich schrieb 2008: "Die jetzige Bankenkrise ist nur ein kleines Symptom dessen, was noch kommen wird." Die nächsten Jahre werden spannend! Und wenn jemand die Macht hat, diese zu gestalten, dann Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, die Menschen, die Verantwortung übernehmen, die Menschen, die gelernt haben, auch unter Risiko Entscheidungen zu treffen, die Menschen, die auch im schwärzesten Loch noch die Chancen sehen: Unternehmer! Es kann (und wird) den einen oder anderen Unternehmer aus der Kurve tragen (wogegen immer noch meine "Gesammelten Tipps gegen die Krise" (Gratis-Download) aus 2008 helfen). Aber wir wissen unser Handwerkszeug einzusetzen und werden in der Situation Lösungen finden, die wir jetzt noch nicht einmal erahnen. Und der Schlüssel ist auch und gerade in der Krise, nicht dauernd "Ich, ich, ich..." zu denken, sondern zu schauen, wo wir einen Beitrag und einen Nutzen für andere leisten können.
Liebe Grüße
Stefan
P.S. Bitte diesen Beitrag weiterverbreiten und deshalb bei Meinungen dazu lieber ganz unten die Facebook-Kommentarfunktion nutzen. Danke :-) NachträgeNachtrag 30.9.2011: In den letzten Tagen beschäftigte sich die Öffentlichkeit mal wieder mit Nebensächlichkeiten: Bekommt Merkel ihre Kanzlermehrheit für den ESFS oder nicht? Natürlich bekam sie diese: es wollte kaum einer der Abweichler den Schwarzen Peter haben. Zugleich ist aber auch klar: Noch viel weiter als bis zu diesem Punkt werden die Abweichler nicht mitmachen. Aber das ist letztlich unwichtig! Nachtrag 27.10.2011: Heute Nacht wurde die Pleite Griechenlands beschlossen (nichts anderes ist ein Schuldenerlass von 50%) - nur wurde dem Kind ein anderer Name gegeben. Dann wurde beschlossen, den EFSF zu hebeln und damit werden von der Politik dieselben Instrumente genutzt, die vorher zur Subprime-Krise führten (man packt Junk mehrfach ein und verkauft das dann als solide Anlage). Zuletzt versprachen Italien und Spanien, mehr zu sparen. Was ändert das an der Gesamteinschätzung? Zunächst einmal: Im Vergleich zum oben stehenden Beitrag handelt es sich um zwei unterschiedliche Zeitebenen. In meinem Beitrag spreche ich von Jahren oder Jahrzehnten, der Beschluss von gestern ist Tagespolitik. An den zugrundeliegenden Problemen ändert sich dadurch gar nichts. Weder ist die Kondratieffproblematik gelöst, noch erwirtschaftet überhaupt nur einer der großen Staaten Überschüsse. Trotz Sparversprechungen wird das auch kaum passieren. Die USA verspricht das noch nicht mal und ist, gemessen am BIP mit der Verschuldung in einer ähnlichen Region wie Italien. Dann kommen in diversen Ländern Wahlen und in keinem dieser Länder ist die Opposition bislang mit noch größeren Sparversprechungen aufgefallen. Bezüglich der Hebelung. Hebelung an sich ist ja nicht schlecht: Jeder Unternehmer und jeder Häuslebauer machen das. Der Häuslebauer geht mit 50.000 Eigenkapital zur Bank, hebelt diese, indem er sich noch mal 250.000 leiht und seine Hütte baut. Der Punkt ist halt nur, dass das genau so lange gut geht, wie sich an der Umwelt nix ändert. Wenn der Häuslebauer arbeitslos wird oder die Hauspreise massiv sinken und deswegen die Hütte nicht mehr zur Kreditbesicherung reicht etc., dann krachts halt. Die Frage, die sich stellt, ist folgende: Ist davon auszugehen, dass sich über die Laufzeit der Hebelung (da sprechen wir von 10-20 Jahren) irgendwann mal was Negatives an den Rahmenbedingungen ändert? Z.B. Zinsanstiege, z.B. eine Rezession, z.B. eine Schuldenkrise in den USA, z.B. eine Weigerung eines Landes, weiter zu sparen, z.B. weitere Rating-Downgrades? Ehrlich gesagt, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 99,9%, dass das passiert. Ich erinnere nur, dass die Prognosen bzgl. Griechenland von vor einem viertel Jahr schon heute nichts mehr wert sind. Mit anderen Worten: Die gestrigen Entschlüsse haben Zeit gewonnen (vielleicht 3 Monate, vielleicht auch 1-2 Jahre) aber auf Kosten eines nochmals drastisch erhöhten Risikos. Und da die Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikofalls sehr, sehr hoch ist, ist dieser Zeitgewinn kaum positiv zu werten. Mir kommt das so vor, wie ein Kind, das sich zu hoch auf den Sprungturm gewagt hat und nun beim 5m-Brett angekommen ist. Zurück geht es nicht mehr, weil da schon andere auf der Treppe stehen. Jetzt hieße es, Mut zu haben und zu springen! Stattdessen wird Zeit geschunden, indem sich das Kind auf den Weg zum 10m-Brett macht. Nun ja, stellt sich nur noch die Frage: Gibt es eigentlich auch 20m-Bretter? ;-) Nachtrag 10.11.2011: Jetzt lag ich mit meiner Zeitschätzung auch völlig daneben; ich war viel zu optimistisch: der Gipfel vom 26./27.10. hat gerade mal für 2 Wochen Zeit gebracht. Seither haben Merkel und Sarkozy via EU 2 Regierungen (Papandreu und Berlusconi) gestürzt und die italienischen Staatsanleihen rentieren mit mehr als 7%. Schon 6% sind nicht mehr finanzierbar. Italien kann sich damit allein nicht mehr retten. Der EFSF scheint nicht zu funktionieren, da niemand die Papaiere haben will, so dass als letzte Rückzugslinie die EZB bleibt. Diese kauft schon jetzt wie irre Staatsanleihen von Italien auf, aber das scheint in der aktuellen Größenordnung nichts zu ändern. Also wird die Politik dies - wie immer - eben einfach weiter steigern. Die Konsequenz: Vergemeinschaftung der Schulden und gemeinsamer Absturz. Ich frage mich wirklich, wie lange es noch dauern wird, bis die Politik und die Öffentlichkeit auch nur beginnt, die Ursachenzusammenhänge zu verstehen. So lange wird halt immer noch mehr des nicht Funktionierenden gemacht... Nachtrag 31.01.2012: In einem lag ich richtig: Die EZB blieb als letzte Rückzugslinie und mit der Ausgabe der 3-Jahre-Kredite in Höhe von 500. Mia. Euro Anfang Dezember haben sie tatsächlich einen Weg gefunden, die Staaten zu finanzieren, ohne direkt Staatsanleihen zu kaufen (und damit weiter gegen die EU-Verträge zu verstoßen). Diese Maßnahme erwies sich als so erfolgreich, dass sie Ende Februar gleich nochmal wiederholt wird. In einem lag ich jedoch falsch: Ich hätte nicht geglaubt, dass das eine so deutliche Wirkung erzielen könnte. Ist die Krise damit vorbei? Ja und nein! Ja, weil die EZB damit gezeigt hat, dass sie immer frisches Geld zur Verfügung stellen wird (selbst und gerade dann, wenn Griechenland und Portugal noch aus der Kurve fliegen). Diese lockere Geldpolitik hat in den USA auch schon viele Jahre funktioniert und insofern wurde richtig Zeit gekauft. Nein, weil die zugrundeliegenden Probleme der Staatsverschuldung und des Kondratieffzyklus noch immer nicht gelöst sind. Allein die Bezeichnung als Finanzkrise statt als Staatsschuldenkrise in weiten Teilen der Öffentlichkeit zeigt ja, dass das Problem nicht im Mindesten erkannt wurde. Auch die jetzt beschlossenen Sanktionen auf EU-Ebene bezüglich der Schuldengrenze treffen das Problem nicht. Die Staaten werden diesen Verschuldungsgrad einfach mit mehr Steuereinnahmen (die Finanztransaktionssteuer dient genau dazu und hat die schöne Eigenschaft, dass die Mehrheit sie auch noch will...) erreichen. Dabei geht es um das Zurechtstutzen dieses Staats-Kraken! Zu Marx Zeiten hatten wir eine Staatsquote (in Friedenszeiten) von 5%. Nach dem zweiten Weltkrieg lag sie bei 25%. Heute liegt sie bei fast 50%. 50%, die der Wirtschaft zur Lösung der Probleme fehlen! Es geht nicht darum, dass die Staaten ein paar Prozent zu sparen, sondern es geht darum, den Staat auf eine gesunde Größenordnung von vielleicht 25% zurechtzustutzen (und sicherzustellen, dass er auf dieser Größe bleibt). Zum Vergleich: Das wirtschaftsfreundlichste Land der Welt, Singapur, hat 2,2% Arbeitslosigkeit, die höchste Quote an Millionären und eine Staatsquote von 10,7%! (Ach ja, Schulen, Straßen usw. haben die auch...) Überraschenderweise stehen die USA recht gut da. Für viele liegt aber die Ursache weitestgehend im Dunkeln: In den letzten Jahren haben die USA durch neue Förderungsverfahren die Öl- und Gasförderung stark erhöht. Der Erdgaspreis in den USA ist der niedrigste seit 10 Jahren (und das bei allgemein steigenden Rohstoffpreisen) - somit entsteht eine starke Unabhängigkeit von den Energielieferungen anderer Länder, einige erwarten sogar, dass die USA wieder Energieexporteur wird. Natürlich ist ein solches Konzept endlich und nicht nachhaltig, aber es sorgt dafür, dass das Handelsbilanzdefizit der USA perspektivisch verschwinden wird. Schafft die USA es zudem, den größten Teil der unproduktiven Staatskosten zu eliminieren - das ist noch nicht so sicher - dann stellen sie sich wieder einmal an die Spitze. |
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