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Wie findet man eigentlich sein Grundmotiv?

Aktualisierte Version, Erstveröffentlichung am 5. Oktober 2010
 

… und wofür braucht man das?

Die Idee ist simpel: Habe ich als Unternehmer mein Grundmotiv gefunden, dann kann ich eine zu meinem persönlichen Grundmotiv passende Unternehmensvision entwickeln. Damit ist sichergestellt, dass ich das Unternehmen nicht nur betreibe, um möglichst viel Schmerzensgeld zu erhalten, sondern weil es mich als Unternehmer erfüllt und einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung bietet.

Dann suche ich eine dazu passende Zielgruppe, die dieses Grundmotiv teilt. Einfach weil man sich besser und intuitiver versteht. Und weil dieses Verständnis des Kunden für die Strategie und die Weiterentwicklung der Strategie matchentscheidend ist.

Weiter suche ich mir Mitarbeiter, die ebenfalls dasselbe Grundmotiv teilen. Das ist wichtig im Hinblick auf einen gemeinsamen Sinn und vor allem auch darauf, dass auch die Mitarbeiter ein gutes Verhältnis zum Kunden brauchen. Ohne diesen gemeinsamen Sinn werden auch die Mitarbeiter nur wegen des Schmerzensgelds kommen – und wer diesen nicht bietet, sollte sich nicht über die Geldforderungen beklagen!

Das ist die Basis. Für Fortgeschrittene sollten auch noch Investoren/Geldgeber und (zumindest die strategisch relevanten) Lieferanten dasselbe Grundmotiv teilen.

So weit so gut, aber wie findet man das Grundmotiv?

Zuerst einmal zwei kurze Hinweise, wie man es nicht findet: Nicht, indem man aus einer Liste von Werten einen heraussucht! Und auch nicht, indem man irgendeinen Psycho-Test macht. Beides misst nämlich nicht unser Grundmotiv, sondern unser Selbstbild. Und das sind zwei sehr verschiedene Dinge!

Das Grundmotiv ergibt sich viel eher aus unseren Handlungen in oder nach Schlüsselsituationen unseres Lebens. Beispiele?

Gandhi wurde in Südafrika aus dem 1.Klasse-Abteil des Zugs geworfen, obwohl er ein Ticket dafür hatte. Aber er war farbig. Dieses Erlebnis wurde für ihn zum Schlüsselerlebnis. Und von dort ausgehend begann er seinen Kampf gegen Rassismus und Kolonialismus und für Gewaltlosigkeit. Sein Grundmotiv war ein extrem stark entwickeltes Gerechtigkeitsempfinden. Auch andere wurden aus dem 1.Klasse-Abteil geworfen. Aber andere haben den Staub abgeschüttelt, vielleicht noch ein bisschen geklagt, und dann das Ereignis vergessen. Sie haben nicht gehandelt, also war die Motivation, das Motiv nicht stark genug, also kein Grundmotiv.

Oder die Geschichte von Bodo Schäfer. Mit 26 pleite, dann einen Coach genommen und innerhalb von kurzer Zeit Millionär geworden. Es sind viele andere mit 26 auch pleite. Aber es kümmert sie nicht so sehr, dass sie ins Handeln kämen. Herr Schäfer hat gehandelt und das ist ein Indiz für das Vorhandensein eines Grundmotivs. In seinem Fall finanzielle Freiheit.

Oder meine Geschichte. Im Jahre 2003 bin ich mit meiner ersten Firma in die Insolvenz geschlittert. Das machen 30.000-40.000 andere auch jedes Jahr. Die meisten bleiben liegen. Einige versuchen es erneut. Und wenige wollen wissen, wie es auch anders geht. Ich lernte wie ein Irrer, nahm mir einen Coach und versuchte es erneut. Dahinter könnten verschiedene Grundmotive liegen: Immer wieder aufstehen, lernen und wachsen, Träume verwirklichen wollen, sich nicht von der Situation klein kriegen lassen etc. Manchmal lässt sich das zu Beginn nicht so trennscharf sagen. Aber das ist auch egal: Andere Grundmotive scheiden erst mal aus: Genuss, Sicherheit oder Herdenverhalten waren sicher nicht meine bestimmenden Motive in der damaligen Situation.

Zu Beginn nichts Großes!

Was wir daraus lernen: Das Grundmotiv zeigt sich in oder nach Schlüsselsituationen unseres Lebens. Manchmal wirken diese Schlüsselsituationen sehr klein: Aus einem Zug zu fliegen oder mit 26 pleite zu sein oder selbst eine Insolvenz sind nicht wirklich große Situationen. Der Unterschied ist, ob uns diese kleinen Situationen zum Handeln bringen oder nicht.

Manchmal ist es so, dass man aus einer einzelnen Geschichte nur gewisse Tendenzen ablesen kann. Das macht nichts. Unser Grundmotiv findet sich in vielen Schlüsselsituationen unseres Lebens wieder. Wir müssen nur das Gemeinsame finden und damit wird das Ganze im Lauf der Zeit schärfer.

Grundmotive können auch in sehr unterschiedlichen Begriffen beschrieben werden. Hilfreich sind hierfür Modelle wie zum Beispiel die Limbic Map von Häusel, das Bedürfnismodell von Tony Robbins oder selbst antiquiertere Konzepte wie das DISG- oder HDI-Modell. Ob ich das eine oder das andere Modell nutze, ist nicht so entscheidend. Letztlich helfen uns die Modelle, den Begriff schärfer zu bestimmen.

Ein Beispiel: Man könnte bei Bodo Schäfer statt finanzieller Freiheit auch Wohlstand oder Reichtum nehmen (finanzielle Freiheit als Begriff taucht übrigens in keinem der genannten Modelle auf, was wieder zeigt, dass diese Modelle nur Anregungen geben können). Alle drei Begriffe scheinen erst einmal dasselbe zu sagen. Tun sie aber nicht: Wohlstand kann für viele auch Sicherheit bedeuten und das ist ein völlig anderes Motiv als Freiheit. Das fällt einem aber oft erst im Laufe der Zeit auf, wenn man mit seinem Grundmotiv arbeitet.

Deshalb ist oft auch die Erwartung derjenigen, die ein Grundmotiv suchen, völlig überzogen. Es ist nicht so, dass dann mit einem Schlag alles klar würde und man dann in eine Richtung rennt. Man hat lediglich ein erstes kleines Pflänzchen gezüchtet. Nehmen wir wieder Gandhi als Beispiel. Nach diesem Zugerlebnis hat er eine Reihe kleinerer Protestaktionen organisiert. Er hat Passverbrennungen organisiert. Es ging ihm um ein paar kleine Verbesserungen. Erst später begann er gegen den Rassismus im Allgemeinen zu kämpfen. Und erst noch viel später wollte er Indien befreien. Es war nicht so, dass er aus dem Zug geworfen wurde und ihm beim Abschütteln des Staubs klar wurde: „Jetzt befreie ich Indien“.

Der Punkt ist: wenn ich ein Grundmotiv gefunden habe, dann unterscheidet es sich von weniger wichtigen Motiven durch das Handeln, das daraus folgt. Und indem ich handle, setze ich einen sich selbst verstärkenden Prozess in Gang: Ich bilde damit mein Grundmotiv in seiner vollen Stärke (und mit zugehörender Vision) erst aus. In diesem Sinne findet man sein Grundmotiv nicht nur, sondern man erschafft es sich auch.

Ideal wäre…

… wenn wir bereits bei Firmengründung unser Grundmotiv kennen würden. Und eine dazu passende Vision hätten (Gandhi hätte mit demselben Grundmotiv auch für eine tolerantere Ausbildung oder andere Ziele kämpfen können – die Befreiung Indiens ist nur eine mögliche zum Grundmotiv Gerechtigkeit passende Vision).

Aber die Realität ist so, dass die meisten Unternehmen gegründet sind, 80% falsche Kunden und Mitarbeiter haben und der Unternehmer weder sein Grundmotiv noch seine Vision kennt. Und nur in den seltensten Fällen setzt man sich mal ein paar Stunden oder Tage hin und hat dann Motiv und Vision. Es ist eben ein sich selbst verstärkender Prozess: Ich beginne und verstärke im Handeln selbst die ursprüngliche Idee des Grundmotivs.

Nun erlebe ich oft, dass Unternehmer das Konzept mit dem Grundmotiv richtig gut finden und es für sich heraus finden möchten. Das ist klasse! Mit der Idee, dann, wenn sie es haben, die entsprechenden Kunden und Mitarbeiter zu wählen und dann weiter zu machen. So ist zwar der logische Zusammenhang, aber nicht der praktische!

Praktisch passiert bei diesen Unternehmern leider oft Folgendes: Sie stellen jede weitere Arbeit an ihrem Unternehmen ein, weil sie ja erst einmal ihr Grundmotiv finden müssen. Sie arbeiten nicht an der Strategie, weil man diese ja ohne Grundmotiv nicht finden kann. Und sie schaffen keine Systeme, weil sie ja nicht wissen, ob mit dem neuen Grundmotiv die geschaffenen Systeme überhaupt noch nötig sind. Mitarbeiter werden auch keine mehr eingestellt, weil man ja nicht weiß, ob die nachher noch passen. So mutiert ein tolles Konzept plötzlich zu einer behindernden Hürde.

Wie es dazu kommt? Das Motiv hinter dieser Handlungsweise ist schlicht Angst. Angst, vielleicht in die falsche Richtung zu rennen. Aber ob etwas richtig war, ergibt sich oft erst hinterher. Es gibt ein schönes Zitat des Philosophen Kierkegaard: „Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden.“

Ich muss also im Voraus gar nicht unbedingt das genaue Ziel kennen. Es reicht Folgendes: Wenn ich bei jedem Schritt auch nur annähernd weiß, ob ich mich jetzt geradeaus, ein Stück nach rechts oder ein Stück nach links wenden soll, komme ich auch am richtigen Punkt an. Vielleicht nicht auf der geraden, direkten Linie - aber die ist in diesem Zusammenhang sowieso nur eine Illusion.

Ich habe in meinen Aufgaben des Unternehmers beschrieben, dass die Arbeit am Motiv zu den wichtigen sieben Aufgabenbereichen gehört. Es ist also keine Arbeit, die ich einmal mache und dann habe ich das Motiv. Es ist permanente Arbeit.

Was wir im Coaching machen…

…ist Ihnen dabei zu helfen, aus der Vielzahl an Geschichten, Erlebnissen und Schlüsselsituationen ein erstes zartes Pflänzchen zu entwickeln. Eine Idee für ein Grundmotiv. Ein Baum wird daraus, indem Sie dieses Pflänzchen hegen und pflegen und indem Sie handeln.

Und, was wir im Coaching machen, ist auch, die Angst zu identifizieren, die verhindert, dass Sie auch bei ungenauen Erkenntnissen einfach mal in die ungefähre Richtung los laufen.

 

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Dieses Arbeitsblatt hilft Ihnen, Ihr Grundmotiv zu finden.


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Kommentare

Liebe Katharina,

ich bin überzeugt davon, dass Du bei Marion in den richtigen Händen bist :-)

Liebe Grüße
Hallo Stefan,

irgenwie klingt für mich dies und vieles andere so logisch und step by step auch realistisch und machbar...

wenn ich dann jedoch an den praktischen Teil bei mir komme, wird es in meinen Augen nur noch kompliziert, unsicher, unwirklich und alles blockiert

Ich bin guter Dinge mit Marion hier ein Stück weiter zu kommen

Katharina
(M)ein Unternehmensbeispiel:

1001 SIGHTSEEINGS
World Sightseeing Center
Exsighting and Guestomized!
Lieber Stefan,
danke für diesen sehr hilfreichen Artikel. Hast Du mich dabei vor Augen gehabt? :-) Wahrscheinlich bin ich jedoch nicht der Einzige mit diesen Symptomen ...
Bis zum nächsten Tel.-Coaching und zum Braintrust.
Viele Grüße
Oliver
Ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung!

Das Grundmotiv, ist ist die Grunderenergie im Menschen und damit der Lieferant der Motivation.

Warum treffen viele Menschen den Punkt noch nicht genau?
Jeder Mensch erhält aus zwei inneren Quellen Informationen.
Eine ist die bereits genannte. Die zweite liefert das Ego oder besser, die Konditionierung, aus der auch die Angst stammt.

Bleiben die Fragen:
Kann ich ich die beiden trennen?
Lässt die wahre Grundenergie direkt nutzen?

Seit kurzer Zeit kann ich diese Frage mit einem klaren "JA" beantworten.
Durch das Praktizieren der Achtsamkeit, gepaart mit der dazugehörigen Konzentration, kann JEDER Mensch darauf zurückgreifen.

Eröffnet sich die Frage:
Wie schwierig ist das zu erlernen?
Es ist eine einfache uralte Technik, folgt den Gesetzen der Natur, kommt ganz ohne Suggestionen aus und richtet sich punktgenau auf die Einzigartigartigkeit des Anwenders.

Es ist einfach aber nicht leicht, weil,wie alles im Leben was zum Erfolg führt, selber getan werden muss!
Der besondere Vorteil: alle gewinnbringenden Faktoren, wie Intention,
Vorstellung,
Einsicht,
Intuition,
Inspiration,
Sinnhaftigkeit,
Zweck,
Kreativität und
Verständnis
werden gleichsam behandelt.

Eine nachhaltige Steigerung der Lebensqualität inbegriffen.

Dieses Selbstgefühl funktioniert auch dann, wenn Sie mal glauben, momentan keine Zeit zu haben.

Ich wünsche allen LeserInnen, dass Sie das Geschenk der perfekten Aufmerksamkeit erhalten. (gönnen :-) )

Danke Herr Merath, dass Sie dem Thema der Grundmotivation diese Aufmerksamkeit geben.

Beste Grüsse
Norbert Glaab

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