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Sinnorientierte FührungDie Welt der Managementliteratur ist voll von Konzepten, die sich an dem alten Konzept "Management by objectives", also Führung mit Zielen orientieren. Da das ganz offensichtliche Mängel hat (dazu gleich mehr), gibt es vor allem aus dem "Beyond Budgeting"-Umfeld noch das Konzept "Führung mit flexiblen Zielen". Die Welt der Menschen mit Führungsverantwortung hingegen ist in der Praxis voll von Konzepten wie Führung durch Aufgaben ("Man muss jedem haarklein erklären, was er zu tun hat") bis hin zu Führung durch Zwang ("wenn er jetzt nicht zackig voran macht, dann sucht er sich besser mal einen neuen Job"). Auch diese Konzepte haben ganz offensichtlich ihre Grenzen. Vier FührungsartenIch möchte insgesamt vier verschiedene Führungsarten unterscheiden.
Wie ergibt sich Sinn?Ausführlich schrieb ich zum Thema Sinn in Unternehmen bereits vor über 3 Jahren. Nochmals die Eckpunkte in Kürze:
Was heißt das für die Führung?Erstens kann niemand seinen Mitarbeitern Sinn geben: Jeder gibt den Dingen selbst seinen Sinn. Aber es können Sinnangebote gemacht werden. Und Sinnangebote sind immer auch Weltsicht-Angebote, da bestimmte Handlungen oder Ziele eben nur in einer bestimmten Weltsicht Sinn machen. Natürlich gibt es Sinnangebote, die von einer großen Mehrheit schnell angenommen werden – einfach weil sie schon mit unserer Kultur konform sind. So dürfte die ärztliche Hilfe den meisten Menschen sehr sinnvoll erscheinen. Aber mit einer entsprechenden Weltsicht kann die gleiche Tätigkeit auch manchen Menschen als kontraproduktiv erscheinen (Beispiel: Auf der Welt sind schon jetzt viel mehr Menschen als die Erde ernähren kann. In letzter Konsequenz könnte bei dieser Sicht die Verweigerung der ärztlichen Hilfe als sinnvoll erscheinen, da dies zu einem natürlichen Gleichgewicht zurückführt. Diesen Ansatz werden sicherlich die meisten – inclusive mir – ablehnen, aber es gibt sicher mehr als nur einen Menschen auf der Erde, der genau so denkt und damit die ärztliche Hilfe nicht als sinnvoll empfindet (zumindest, solange er selbst sie nicht braucht *g*)). Zudem kann es für jede Handlung mehrere Sinnhintergründe geben. Die medizinische Hilfe kann z.B. aus religiösen Gründen ihren Sinn bekommen oder aus ganz praktisch, alltäglich, mitmenschlichen Gründen. Je nach Sinnhintergrund kann die Zusammenarbeit von Menschen, die diesen Sinn für sich annehmen mehr oder weniger tief gehen. Aber er führt irgendwann auch zu Konflikten (z.B. können im Beispiel bestimmte Forschungen (Stammzellen) aus religiösen Gründen abgelehnt werden, was aus einem alltagspraktischen Motiv heraus eher problemlos erscheint). Der Idealfall für die reibungslose und begeisterte Zusammenarbeit ist deshalb sicher, wenn nicht nur dieselben Handlungen und Ziele als sinnvoll empfunden werden, sondern wenn dahinter auch weitgehend ähnliche Weltsichten stehen. Allerdings würde ich dies nur bei kleinen Organisationen so weit treiben. Große neigen mit diesem Ansatz zur Erstarrung. Das heißt konkret: Für ein sinnorientiertes Unternehmen muss der Unternehmer eine bestimmte Weltsicht definieren, die dem Unternehmensziel Sinn verleiht. Dann muss er die Mitarbeiter finden, deren Weltsicht weitestgehend konform geht oder suboptimal, wenigstens so ist, dass der Mitarbeiter mit seiner Weltsicht das Unternehmensziel als sinnvoll empfinden kann. Drei Dinge, die zu beachten sindDamit dann eine sinnorientierte Führung funktioniert, sind drei Dinge zu beachten. Erstens ist sinnorientierte Führung nicht besonders weich, wie manche vielleicht meinen mögen. Im Gegenteil: Alles was den Sinn nicht befördert, muss noch viel konsequenter ausgesondert werden als selbst bei der Führung mit Zwang: Dort reicht es, die Peitsche stärker zu schwingen. Auch geht es nicht darum, mit einer sinnorientierten Führung nicht erreichte Ziele schönzureden, sondern eine Leistung ist erst dann gut, wenn der entsprechende Mitarbeiter wirklich alles gemäß seinem Potenzial gegeben hat, erst recht dann, wenn die Ziele viel zu niedrig waren. Zweitens muss der Sinn (also der langfristige Beitrag des Unternehmens zu einer besseren Welt) immer über die anderen Ziele gestellt werden. Das gilt natürlich für die Mitarbeiter (eine Erhöhung der langfristigen Kompetenz, den Beitrag zu leisten, ist somit als höher einzustufen als die kurzfristige Erreichung eines Umsatzziels. Aber natürlich sind Gewinne auch besser als keine Gewinne, da nur erstere das langfristige Potenzial erhöhen). Sobald man als Unternehmer also kurzfristige Ziele über den Sinnbeitrag stellt, untergräbt man die sinnorientierte Führung. Umgekehrt stärkt man sie, wenn man Ziele immer in Bezug auf den Sinn kommuniziert. Wie man das macht? Nun, das beginnt wie das meiste bei einem selbst, bei der Eigenführung. Wie planst Du z.B. Deinen Monat? Stehen in Deiner Monatsplanung ToDo’s, also Aufgaben drin? Führst Du Dich also selbst über Aufgaben? Dann wird es schwer, Deine Mitarbeiter nach einer sinnorientierten Methode zu führen! Stehen in Deiner Monatsplanung Ziele drin? X Neukunden? Y Euro Gewinn? Die neue Website am Start? Führst Du Dich also selbst zielorientiert? Nun, auch dann wird es schwierig werden, Deine Mitarbeiter sinnorientiert zu führen? Beginnt Deine Monatsplanung aber vielleicht mit dem, was Du in der Welt verändern möchtest? Deinem Motiv dahinter? Und fragst Du Dich von dort aus jeden Monat, aber auch jede Woche und jeden Tag, was von diesem Sinn ausgehend jetzt und heute oder jetzt und für diesen Monat das optimale Ziel ist? Und ist demzufolge jedes Ziel in Deiner Planung sichtbar mit einem emotionalen Zweck, einem Motiv versehen? Einem Motiv, das Du zum Zeitpunkt der Planung nicht nur hinschreibst, sondern fühlst? Dann stehen die Chancen ziemlich gut, dass Du dieses Feuer auch an Deine Mitarbeiter weitergeben kannst. "Was Du in anderen entzünden willst, muss in Dir selbst brennen." Wie Du mit Dir selbst bei Deiner eigenen Planung umgehst, bestimmt, wie Du mit Deinen Mitarbeitern umgehst und sie führst. Drittens muss dieser Sinn (und die zugrundeliegende Weltsicht) so verbreitet werden, dass er emotionale Wirkung entfaltet. Neben (vorbildhaften) Handlungen (vgl. auch Unternehmer als Vorbilder) gibt es hier nur eine gute Möglichkeit: Geschichten oder Storytelling. Wer Sinn vermitteln will, muss in der Lage sein, gute, emotionale Geschichten zu erzählen. Geschichten sind in gewisser Weise Flugsimulatoren fürs Gehirn und erlauben dem Gegenüber, probeweise in Deine Welt einzutauchen. Es gibt einen guten Grund, warum die besten Unternehmer zugleich auch immer die besten Storyteller sind. Lies einmal die Bücher von Unternehmern wie Howard Schultz von Starbucks oder vielen anderen genau unter diesem Aspekt. Sie erzählen eine Vielzahl von emotionalen Geschichten und mit diesen Geschichten vermitteln sie eine Sicht auf die Welt und damit einen Sinn. Sinnorientierte Führung bietet somit letztlich einen anderen Blick auf die Welt. Und genau dieser Blick auf die Welt ist der Schlüssel für gutes Unternehmertum :-) |
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