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Unternehmercoach-Blog

„Krisen schrecken mich nicht“ - Interview mit Christoph Meister

Logistiker Christoph Meister kann so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringen. Innerhalb weniger Jahre geriet seine Firma unverschuldet gleich zwei Mal in wilde Fahrwasser. Zweieinhalb Mal positionierte er mit Unterstützung von Stefan Merath, Gründer der Unternehmercoach GmbH und Autor des Bestsellers „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“, das Familienunternehmen neu am Markt.

Im Interview spricht der 53-Jährige über eine Heldenreise unter Corona-Bedingungen, die Bedeutung des persönlichen Umfelds in Krisenzeiten und den Genuss, Unternehmer zu sein.


Nach hartem Training hast du die Prüfung zum Schwarzgurt-Unternehmer erfolgreich abgelegt. Wie hast du die vergangenen Jahre in Erinnerung?
Im Unternehmertraining ist mir schnell klar geworden, dass sich ein Unternehmen nur weiterentwickelt, wenn sich auch der Unternehmer weiterentwickelt. Für mich bedeutete das: Ohne Persönlichkeitsentwicklung wird’s nichts mit der Zukunft der Firma, wie ich sie mir vorstelle. Ich habe deshalb diesen ganzen Prozess mit seinen spezifischen Aufgaben und einzelnen Stufen in Form von Gürtelprüfungen mit Vollgas gelebt. Das Konzept finde ich super, weil ich mich immer wieder überwinden musste, in ein paar Bereiche tiefer reinzugehen. Vor der Schwarzgurt-Prüfung war ich dann doch nervös – und am Ende sehr dankbar, bestanden zu haben.

Was bedeutet dir die Auszeichnung Schwarzgurt-Unternehmer?
Das ist eine Auszeichnung, die ich mir an den Spiegel hänge als Erinnerung an eine fantastische Zeit. Ich empfinde sie als Belohnung für konzentrierten, intensiven Einsatz und würde mich sofort nochmal für diesen Weg entscheiden.


Christoph Meister - Schwarzgurt-Unternehmer

Warum hast du dich gerade im Jahr 2017 zu unserem Seminar „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ angemeldet?
Deine Coaching-Briefe hatte ich schon 2012 gelesen und begleitend Tagebuch geführt. Ich war damals bei meinem Vater angestellt und unzufrieden mit der Konstellation, weil ich nicht frei agieren konnte. Er wollte mir das Logistik-Unternehmen in dritter Generation überschreiben, doch bis zu seinem Ausscheiden aus der Firma vergingen dann noch insgesamt sieben lange Jahre. Das war wie Kaugummi, ich steckte vor allem in Unsicherheit fest. Nach der Übergabe entschied ich mich bewusst, einen neuen Weg zu gehen. Im Anschluss ans Basis-Seminar deshalb direkt die nächste Anmeldung: Unternehmertraining mach ich auch!

Warum warst du nach dem ersten Seminar überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein?
Mich haben die zentralen Fragestellungen von Anfang an begeistert: Wovon willst du weg? Und wo willst du hin? Außerdem fand ich das Modell Fachkraft, Manager, Unternehmer einleuchtend. In meiner Firma war ich bis dahin Mädchen für alles. Verzollungen, Kundenakquise, Außendienst, wenn Fahrer ausfielen, saß ich auf dem LKW, mal nur einen Tag, manchmal auch eine ganze Woche. Für die Zukunft wünschte ich mir dauerhaft so ein Umfeld: Unternehmer mit ähnlichen Fragestellungen, die in der Gruppe an sich und ihren Unternehmen arbeiten wollen. Als das Seminar nach drei Tagen zu Ende war, war ich entsetzt. Ich hatte noch so viele Fragen, wollte noch so viel ändern. Da war eine Sehnsucht nach mehr.

Erfüllung einer Sehnsucht oder schwierig: Wie hast du zu Beginn des Unternehmertrainings dieses neue Umfeld empfunden?
Anfangs hochspannend, weil so unterschiedliche Charaktere mit dabei waren vom Alter her, vom Wesen, der Unternehmensgröße, den Inhalten. Das sind alles Leute, die frei und selbstbestimmt leben und sich auch nicht hintenanstellen wollen. Dass es bei so vielen Alphas auch mal Konflikte gibt, ist klar. Aber mit jedem persönlichen Treffen sind wir auf der emotionalen Ebene enger zusammengerückt. Natürlich ging es darum, sich selbst zu entwickeln. Trotzdem war die Entwicklung der anderen, das hat man gespürt, genauso wichtig. Wir hatten zu Beginn ein Manifest geschrieben, darin stand unter anderem: Wir lassen niemanden zurück! Das war fest in der DNA der Gruppe drin.

Bei euch gab es tatsächlich einzelne, die im Scheitern begriffen waren. Von außen zu sehen, wie die ganze Gruppe unterstützt und geholfen hat, war für mich wirklich fantastisch.
Das waren einerseits unternehmerische Themen. Teile der Gruppe haben überlegt, was strategisch oder finanziell zu retten ist und welche Optionen es gibt. Es waren aber auch persönliche Krisen. Da gab es jemanden, der mit der Lebenssituation nicht mehr klargekommen und in Depression verfallen ist. Bei einem anderen ist die Ehe explodiert. Aber auch das gehört dazu, das ist das Leben, wir sind ja nicht nur Unternehmer.

Kein Unternehmertraining ohne Veränderung. Stichwort Strategie. Was hast du bewegt und warum?
Es gab ohnehin den Wunsch nach Neuausrichtung. Doch dann ist innerhalb von zwei Monaten meine damalige Zielgruppe zu 90 Prozent weggebrochen. Fast alle meine Kunden arbeiteten mit zwei produzierenden Betrieben in Europa zusammen, das eine Unternehmen machte wegen eines Betrugsfalls dicht, das andere wegen wirtschaftlicher Probleme. Nach den Prinzipien der Neurostrategie, mit der ich mich beim Unternehmertraining erstmals auseinandergesetzt hatte, deshalb die Überlegung: Welche Kunden passen zu mir? Was braucht der Markt? Wie und wo kann man andocken, was davon liegt uns? Galerien, Ausstellungen, Messen, Veranstaltungen, ich habe in der Kunstbranche Fuß gefasst, vieles entwickelt, das hat gut funktioniert. Doch durch die ganze Corona-Thematik gab es bald wieder einen Full Stopp. So eine Situation gleich nochmal zu erleben, war dramatisch. Dass ich das erste Jahr nach Corona trotzdem als bestes Jahr der Unternehmensgeschichte abgeschlossen habe, lag an meinem Team - und meiner Unternehmertrainings-Gruppe.

Welche Wegbegleiter und Kompetenzen haben dir durch diese zweite Krise geholfen?
Krise als Chance zu benutzen, ist vom Intellekt her relativ einfach zu verstehen. Aber da emotional konsequent dran zu bleiben, dafür braucht es ein gutes Umfeld. In der Firma sind wir als Team sehr eng zusammengerückt. Eine große Rolle gespielt hat die Unterstützung meiner Unternehmertrainingsgruppe „X-Men“. Zu viert waren wir drei Tage wandern in den Alpen und haben viele Stunden darauf verwandt zu überlegen, welche strategischen Möglichkeiten es für mich gibt. Über das Scoreboard-Management sind wir an diesem Wochenende zum Medizintechnik-Markt gekommen; dort habe ich meine Firma spitz aufgestellt. Gleichzeitig kam im Unternehmertraining die Frage auf: Wie ticke ich denn noch? Ich habe gemerkt, dass ich eine sehr schnelle Seite habe, die Leistung bringen will. Aus diesem Grund gibt es die frühere Bauchladen-Spedition nicht mehr, sondern nur noch Segmente. Wir machen im Minutentakt Zollabfertigungen, auch das ging durch die Decke. Mithilfe der Neurostrategie und meinem Coach Michael Beck konnte ich zweieinhalb Mal innerhalb kurzer Zeit eine neue Positionierung für mein Unternehmen schaffen. Ich bin beeindruckt, dass das jedes Mal funktioniert hat. Krisen schrecken mich nicht.

Unternehmertraining verändert auch die Persönlichkeit. Wie hast du diesen Wandel im Bezug auf deine Ehe erlebt?
Meine Frau ist von Beruf Bankbetriebswirtin. Als unsere Kinder größer wurden, kam sie in die Firma und war bald überall eingebunden. Gerade im Zollbereich baute sie sich über die Jahre eine wahnsinnige Expertise auf. Gleichzeitig ist sie ein sehr auf Sicherheit bedachter Mensch. Dass ich das Unternehmen neu ausrichten wollte und wegen Corona dann ein zweites Mal musste, obwohl wir gerade ein Mehrparteien-Haus im Millionenbereich bauten, brachte sie an ihre Grenzen. Wir funktionieren in unserer Beziehung in anderen Bereichen super miteinander, aber im Unternehmen ging es ab einem gewissen Punkt nicht mehr. Einen Cut zu machen, war für uns beide sehr schwierig. Ich habe versucht, sie mit der Entwicklung, die ich durchgemacht hatte, in einer abgeschwächten Form zu unterstützen: loslassen, einen eigenen Weg gehen. Auch wenn das ein langer Prozess war, in dem ich öfters mal an meine Grenzen gekommen bin, ist es geglückt. Nach zwei sechswöchigen Reisen im Wohnmobil konnte meine Frau loslassen und hat im März sehr schnell eine sehr gut bezahlte Anstellung gefunden.

Du hast in den vergangenen vier Jahren unglaublich viele Entwicklungsschritte gemacht. Welches war die Herausforderung, aus der du das meiste gelernt hast?
Das lässt sich nicht an einem einzelnen Punkt festmachen. Es geht eher um die gesamte Heldenreise. Konkrete Verbesserungen im Alltag gehören da dazu, ich bin beispielsweise runter von 70 auf 30 Stunden Wochenarbeitszeit. Aber das Wertvollste am Unternehmertraining ist für mich, dass ich jetzt weiß, wer ich bin und wer ich nicht bin, nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Mensch. Was noch wichtig ist: Das Unternehmertraining ist keine Selbsthilfegruppe. Wenn man immer nur in der eigenen Soße nach sich selbst sucht, säuft man ab, da fehlt es schnell an Motivation. Es geht darum, im Verhältnis 70:30 am Unternehmen zu arbeiten und daraus auf sich selbst zu schließen. Warum sind die Finanzen, wie sie sind? Was passiert gerade im Unternehmen, trägt es Früchte? Wenn nein, warum nicht? Dieser Reality-Check ist der Schlüssel dafür, dass das ganze Fahrt aufnehmen kann. Dann hebt die Firma ab und du entwickelst dich weiter.

Was hat sich an deinem Führungsstil geändert?
Ich fange mit der Selbstführung an. Mein Referenzbild ist Pippi Langstrumpf: Flausen im Kopf, Arsch in der Hose und Herz am rechten Fleck. Meine Sprunghaftigkeit hat mich sehr gute Mitarbeiter gekostet, weil sie sich unter meiner Führung nicht wohlgefühlt haben. Ich habe schlichtweg nicht gesehen, dass nicht der Mitarbeiter das Problem war, sondern ich. Heute verfolge ich mit Konsequenz wichtige Themen wie Strategie oder Prozesse und bringe sie zu Ende. Eine andere wichtige Führungsthematik war für mich die Abgrenzung von Kunden. Anfragen für Neugeschäfte abzulehnen, hätte ich früher nicht gemacht. Nun überlege ich zuerst, ob die Aufgabe in unser Profil passt. Dazugelernt habe ich auch beim Thema Klarheit: Kommt beim anderen das an, was ich sagen wollte? Und wie stelle ich das sicher? Mit meinem Führungsstil hat sich auch mein Grundgefühl verändert. Ich habe mich von meiner Firma im gesunden Sinne entkoppelt habe. In der Beobachterrolle ergeben sich deutlich mehr Lösungsmöglichkeiten und Ideen. Vieles nehme ich nicht mehr persönlich. Ich bin nicht mehr meine Firma, meine Firma dient mir. Dank dieser neuen Denkweise gehe ich mit dem Vorsatz ins Büro, jeden einzelnen Tag zu genießen.

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