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Persönlichkeit

Mit Strategie und Herz durch die Corona-Pandemie: Interview mit Andreas Müller

Corona-Krise? Astrid Oberhummer und Andreas Müller, Netzwerker im Premium-Tourismus, starteten nach einer kurzen Zeit der Ohnmacht den Roadtrip ihres Lebens. Sie steuerten Luxushotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Die Branche belohnte Mut und Innovationskraft des Unternehmerpaars nun mit zwei begehrten Auszeichnungen. Andreas Müller schreibt einen Teil des Erfolgs Stefan Merath und dessen Unternehmercoach GmbH zu. Dort wirkt Müller seit vielen Jahren als Mitgesellschafter, Unternehmercoach, Neurostratege – eine Aufgabe, die ihn krisenfest gemacht hat.

Auf welchem Stand war euer Unternehmen im März 2020?

Andreas: Unmittelbar vor dem Corona-Tornado standen wir am Peak unserer Firmengeschichte, wir waren auf maximalem Wachstumskurs. Für den 15. März 2020 hatten wir zur größten Messe für Premium-Tourismus im deutschsprachigen Raum nach Wien eingeladen. 700 Teilnehmer, die Tickets waren verkauft, viele Aussteller und Interessenten waren schon mit dem Flugzeug angereist. Vier Tage vor Messebeginn, exakt um 11.14 Uhr, verbot Bundeskanzler Sebastian Kurz alle Veranstaltungen. Wir hatten für die Messe so hart trainiert wie Spitzensportler für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen. Nun war diese maximale Anspannung vorbei. Von einem Tag auf den anderen kehrte völlige Ruhe ein.

War dir in dem Moment klar, welche Auswirkungen die Pandemie auf eure Branche haben wird?

Andreas: Ich bin seit über 30 Jahren Unternehmer und habe mehrere Krisen durchlebt. Ich hatte also eine Vorahnung, was da gerade entsteht, ein feinstoffliches Reaktionsmuster setzt sich in Gang, man macht sich unbewusst bereit. Schon im Februar hatte ich mich dazu intensiv mit meinem Freund Stefan Merath ausgetauscht, der erste Prognosen zum Pandemiegeschehen abgab, als Corona noch gar kein großes Thema war in Deutschland. Durch diese Gespräche hatte ich eine sehr konkrete Vorstellung von dem, was da alles auf uns zukommen würde. Das Ausmaß war trotzdem unerwartet. Alle zogen die Reißleine, Hotels und Reisebüros machten dicht, eine Art Domino-Effekt ging um die Welt. Die Branche kam innerhalb weniger Tage zum Stillstand.

Innerhalb weniger Tage von 100 auf 0: Wie lange hat die Schock-Starre bei Lobster Experience angehalten?

Astrid: Ich bin der Typ, der anspruchsvolle Aufgaben systematisch angeht, dabei Herzblut und Mut an den Tag legt, sich durch Rückschläge nicht einschüchtern lässt, einen langen Atem beweist und sich dann mit dem Team unbändig über Erfolge freut. Mein Vater hat mir vorgelebt, dass fast alles möglich ist. Daran habe ich auch in dieser Situation geglaubt.

Andreas: Es war nur ein kurzer Moment der Ohnmacht. Schon zwei Stunden später kam unsere Führungsriege zusammen, die dank regelmäßiger Krisensimulationen mit Momenten der Angst und Panik vertraut ist und auf einen Maßnahmenkatalog zurückgreifen konnte. Unwahrscheinlich gut tat uns, dass die finanzielle Reichweite von 20 Monaten gesetzt war. Wir waren uns sicher, dass wir überleben würden. Aber nun musste es uns gelingen, das Unvorhersehbare zu beherrschen. Produktivität ging vor Liquidität. Am 17. März lief mit Zustimmung des gesamten Teams Kurzarbeit an.

Ich nehme an, Astrid und du habt keine Zwangspause eingelegt.

Andreas: Nein, wir haben sieben Tage die Woche gefühlt rund um die Uhr gearbeitet. Der erste Schritt war zu überlegen, wo wir stehen und wofür wir stehen mit unserem Unternehmen. Wir sind in der Branche ein Hotspot für Begegnung. Diese Position wollten wir nutzen, um Kunden und Partnern Hoffnung zu geben, Klarheit, Orientierung, auch die Chance, die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Wir wollten Vorbild sein. Auch hier war der Austausch mit Stefan Merath inspirierend. Er stellte bei Unternehmercoach innerhalb kürzester Zeit Webinare und neue Formate wie den Unternehmerthon auf die Beine, um der Community eine Plattform für Austausch zu bieten und Wege aus der Krise aufzuzeigen. Wir entwickelten ein Webinar-Format mit hochdotierten Experten. Rat und Tipps, Prognosen, Perspektiven, die Resonanz war riesig. Im Juli dann die erste „loop“ online. Für diese digitale Luxusmesse wurde ein eigener Code programmiert, wir haben damit einen Trend gesetzt.

premium-tourismus als road-trip bei lobster experience
customer-communications-award pokal 2021 fuer lobster experience

Wie kam die Idee für den Roadtrip zustande, den der Travel Industry Club kürzlich mit dem „Customer Communications Award“ belohnt hat?

Astrid: Nach Monaten reiner Bildschirm-Kontakte habe ich nach einem Weg gesucht, wieder herzliche, kreative Beziehungen zu Kunden und Partnern aufzubauen, und mich auf einige meiner wichtigsten Eigenschaften besonnen. Mir gelingt es schnell, das Eis zu brechen, andere mitzureißen und Zuversicht zu verbreiten. Von negativen Erfahrungen lasse ich mich nicht runterziehen und auch nicht von äußeren Einflüssen wie Corona.

Wir haben also einen Van gemietet und sind von Luxushotel zu Luxushotel gefahren. Ob Sonne, Regen oder Schnee, die Community freute sich über persönliche Gespräche unter freiem Himmel und nutzte die Möglichkeit für Promotions-Videos.

In dieser Reise ist unsere Seele zum Ausdruck gekommen, genau das, wofür Lobster Experience steht. Ich denke, das hat die Branche gespürt, dafür haben wir den „Customer Communications Award“ bekommen. Es gab übrigens noch eine zweite Auszeichnung. „LuxusInsider“, Internet-Plattform und B2B-Luxusreisemagazin, hat meinen herausragenden Einsatz für die Branche in den vergangenen anderthalb Jahren mit dem „Hero of the Year“ gewürdigt.

Hat die Pandemie bei Lobster etwas nachhaltig zum Guten verändert? Wie geht es euch im Herbst 2021?

Andreas: Im Vergleich zu März 2020 sind wir bei etwa 60 Prozent Geschäftstätigkeit, die finanzielle Reichweite beträgt wieder 20 Monate. Das immense Vertrauen der Branche hat uns zu Tränen gerührt. Niemand wollte die Tickets für die abgesagte Messe in Wien zurückgeben. Mit diesem Geld konnten wir im vierten Anlauf und mit insgesamt 4500 Stunden Vorbereitung die Messe im August 2021 nachholen. Über die Neurostrategie sind wir auf einen Engpass gestoßen und haben neben Hotels und Messen ein weiteres Feld aufgemacht: die Vermarktung kompletter Destinationen. Lobster Experience ist nun im deutschsprachigen Raum Lead-Agentur für die Vermarktung von Katar. Die Arbeit im Home Office hat außerdem den großen Bedarf an persönlichen Ansprechpartnern vor Ort deutlich gemacht. Daraus ist ein neues Produkt entstanden, eine Art Datenbank, über die wir Menschen aus aller Welt zusammenbringen können.

Du bist seit vielen Jahren Mitgesellschafter bei der Unternehmercoach GmbH, wirkst dort als Unternehmercoach und Neurostratege und hast über die Jahre enormes Wissen und ein starkes Umfeld aufgebaut. Seid ihr mit Lobster auch deshalb gut durch den Corona-Tornado gekommen?

Andreas: Aber ja! Stefan Meraths Training ist langfristig und ganzheitlich angelegt. Ich habe Klarheit über meine Emotionen und kann deshalb aus dem intuitiven Handeln schon in einer sehr frühen Phase in die Selbstführung gehen und Entscheidungen treffen. In meinem Coaching geht es auch immer um den Mut, sich der eigenen Angst zu stellen. Wer sie annimmt und würdigt, kann daraus Kraft schöpfen und Ressourcen schaffen für schwere Zeiten. Das Unternehmertraining schafft dafür die Grundlage.

1 Kommentare

  • Frank Möller - 19.10.2021
    Ein Interview, das Mut macht (und das für mich gleich 2fach)

    Ich danke euch für das sehr inspirierende und motivierende Interview mit Astrid & Andeas von Lobster! Ich selbst bin Unternehmer im Tourismus und unser Unternehmen konnte ebenfalls in QI 2020 „peaken“, bevor „es“ uns dann, ähnlich wie Lobster, komplett in den Stillstand zwang. Als Marktführer im deutschsprachigen Raum rund um Youth Travel und Auslandsaufenthalte für junge & junggebliebene Leute zog es uns förmlich den Stecker, und leider sind wir nicht so gut durch die Krise gekommen wie Lobster Experience. Unsere Zieldestinationen Ozeanien & Nordamerika waren plötzlich „Sperrgebiet“ für Work & Traveller, Volunteers und Austauschschüler und Auslandsstudenten und auch wir „verschwanden“ mit einigermaßen stabiler finanzieller Reichweite in eine Zeit, die von Kurzarbeitergeld, Abwarten und gefühlt wenig Produktivität geprägt war.

    Unser schönes Büro wurde zwecks „Fixkostenflexibilisierung“ zum CoWorking-Space, wir verkauften eines unserer führenden Auslandszeit-Portale an einen Geschäftsfreund und leider verloren wir auch einen großen Teil unserer so unvergleichlichen Auslandszeit-Crew. Diese Zeit, die für uns immer noch anhält, sehen wir als „character building time“ und versuchen, ähnlich wie Astrid & Andreas, final doch in gewisser Weise gestärkt und unternehmerisch resilienter aus dieser für den kompletten Tourismus so grauen Zeit herauszufinden.

    Daher bin ich sehr froh, ab Januar ebenfalls mit Stefans Unternehmertraining auf eine für mich bislang einmalige 24monatige Reise gehen zu dürfen und ganz sicher sehr viel auf dieser „Bildungs- & Entwicklungsreise“ für mich und mein verbliebenes kleines Auslandszeit-Team mitnehmen zu dürfen.

    „Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es auch noch nicht zu Ende“ – für mich und meine Firma wird die Teilnahme am Unternehmertraining zur zweiten entscheidenden Halbzeit, nur dass ich dieses Mal zusätzlich 11 weitere Mitspieler auf der Bank sitzen und zwei Coaches zusätzlich am Spielfeldrand stehen haben werde. Ich freue mich aufs Fortschreiben unserer Erfolgsgeschichte mit diesem neuen Erfolgsteam!

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